Neue Kita in Dortmund geplant

Step Kids Kitas gGmbH will Betreuungsplätze schaffen

Auf diesem Grundstück an der Bothestraße im Jungferntal soll die Kita der Step Kids Kitas GmbH entstehen.

Foto: Dieter Menne/ RN

Auf diesem Grundstück an der Bothestraße im Jungferntal soll die Kita der Step Kids Kitas GmbH entstehen.

Jungferntal.  Dortmund braucht dringend Betreuungsplätze für Kinder unter sechs Jahren. Da sind Neubaupläne für Kitas eigentlich sehr willkommen. Doch um eine geplante neue Kita im Stadtteil Jungferntal gibt es mächtig Ärger.

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Seit Jahren wird das Kita-Angebot kräftig ausgebaut, um den Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz, der seit 2013 auch für Kinder unter drei Jahren gilt, erfüllen zu können. Und die Trägerlandschaft ist vielfältiger geworden. Zu den traditionellen Kita-Betreibern wie der städtischen Fabido, den Kirchen, der Caritas, dem DRK und der Awo sind viele Elterninitiativen und Vereine wie die Stadtteilschule oder der Kinderschutzbund gekommen.

Jetzt will ein weiterer Träger auf den Markt – doch das sorgt vor allem bei den Wohlfahrtsverbänden für Ärger. Im Kinder- und Jugendausschuss machten die Vertreter der Verbände ihrem Unmut Luft. Denn hinter der Step Kids Kitas gGmbH – also einer gemeinnützigen Gesellschaft – steht mit der Academedia-Gruppe der nach eigenen Angaben größte Betreiber von Bildungseinrichtungen in Nordeuropa – ein gewinnorientiertes Privatunternehmen. Man arbeite „auf höchstem Qualitätsniveau“ und wolle „einen Beitrag zum Aufbau einer besseren Gesellschaft leisten“, heißt es auf der Internet-Seite der Unternehmensgruppe.

Bereits elf Kitas in NRW

Seit 2016 ist Academedia mit Hauptsitz in Schweden auch in Deutschland vertreten – bislang meist durch Übernahme bestehender Kitas. In NRW werden unter dem Titel „Stepke“ elf Kitas vor allem in Köln und Wuppertal betrieben. Weitere sind geplant oder schon in Bau.

Dazu gehört der Neubau an der Bothestraße 40 im Jungferntal. Bis Mitte 2019 sollen hier 83 Kita-Plätze, 30 davon im U3-Bereich, in fünf Gruppen entstehen. Für die Stadt, die händeringend Investoren und Betreiber von Kitas sucht, also ein verlockendes Angebot. „Der Träger erfüllt alle juristischen Voraussetzungen“, erklärt der kaufmännische Leiter des Jugendamtes, Andreas Hibbeln. Und das Landesjugendamt habe auf Grundlage des vorgelegten Konzeptes bereits eine Betriebsgenehmigung für die geplante Kita in der Bothestraße in Aussicht gestellt.

Auch ein weiteres Hindernis ist ausgeräumt: „Zur betrieblichen Konzeption des Trägers gehört in der Regel eine Zuzahlung der Eltern über den kommunalen Elternbeitrag hinaus“, heißt es in der Vorlage des Jugendamtes für die Politik. Das ist in NRW allerdings nicht zulässig. Hilfe bietet eine städtische Regelung: Um den Ausbau der Kita-Betreuung voranzutreiben, hatte der Rat im Mai 2011 beschlossen, den Eigenanteil des jeweiligen Trägers voll zu übernehmen. Davon würde jetzt auch die Step Kids Kitas gGmbH profitieren.

Vor allem das sorgt bei den freien Verbänden für Unmut. „Die Wohlfahrtsverbände bilden aus nicht verbrauchten Mitteln Rückstellungen, die dann in Sanierungen des Gebäudes oder Übernahme von Personalkosten gehen, während Academia als Aktiengesellschaft diese Überschüsse ‚vermutlich‘ ausschütten wird“, kritisiert Awo-Geschäftsführer Andreas Gora.

"Sorge vor neuer Konkurrenz"

In der Politik fanden die Verbandsvertreter damit zumindest teilweise Gehör. Der Kinder- und Jugendausschuss gab zwar mit knapper Mehrheit grünes Licht für die neue Kita, beschloss auf Antrag der SPD aber auch, die 2011 beschlossene Kostenübernahme auf den Prüfstand zu stellen. Es dürfe keinen versteckten Finanztransfers an die Muttergesellschaft geben, erklärte der Ausschuss-Vorsitzende Friedhelm Sohn (SPD) auf Nachfrage. „Wir werden das beobachten.“ Ähnlich sieht das Peter Rennert als Vorsitzender des Jugendamts-Elternbeirats.

Bei Step Kids sieht man die Kritik vor allem als Sorge vor neuer Konkurrenz. Als gemeinnützige Gesellschaft sehe man sich in einer Reihe mit den freien Trägern, erklärte Frauke Schittek, Geschäftsbereichsleiterin bei den Stepke Kitas. Und das Kinderbildungsgesetz fordere ausdrücklich Trägervielfalt, damit die Eltern aus verschiedenen Konzepten auswählen können.

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