Bildung

Die Stadt Düsseldorf investiert in ihre sieben Hauptschulen

Schulleiter Hans-Jürgen Gürke in der Lehrküche der Hauptschule an der Kappeler Straße.

Schulleiter Hans-Jürgen Gürke in der Lehrküche der Hauptschule an der Kappeler Straße.

Foto: ndreas Endermann

Düsseldorf.   Düsseldorfs Schuldezernent Burkhard Hintzsche ist von deren Notwendigkeit überzeugt. Die Stadt gibt Millionen für Um- und Neubauten aus.

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Rest-Schule: Diesen Begriff mag Hans-Jürgen Gürke überhaupt nicht. „Das diskriminiert eine ganze Schulform, die vor allem Kindern aus einfachen Familienverhältnissen eine Brücke ins Leben baut“, sagt der Leiter der Gemeinschaftshauptschule (GHS) in Benrath. Vor 19 Jahren wechselte er von der Schulungsabteilung einer Softwarefirma ins Lehramt. „Auch deshalb weiß ich, wie wichtig eine praktische Vorbereitung auf den Beruf ist. Und genau das leisten wir in unseren Hauptschulen“, sagt der 65-Jährige, der noch ein paar Jahre weiter unterrichten will. Auf die Unterstützung der Stadt darf er rechnen. Denn während es in einigen Nachbarkommunen schon gar keine Hauptschulen mehr gibt, ist Schuldezernent Burkhard Hintzsche von deren Notwendigkeit überzeugt.

Die wichtigsten Daten und Fakten im Überblick.

Die Entwicklung: Das Interesse an dieser Schulform ist auch in Düsseldorf rückläufig. Im Schuljahr 2009/10 besuchten etwas mehr als 4000 Jungen und Mädchen eine der damals 14 städtischen Hauptschulen. Im kommenden Schuljahr werden es an nur noch acht Standorten (davon läuft einer aus) etwas mehr als 2600 Schüler sein. Das entspricht einem Rückgang von gut einem Drittel. Tatsächlich bewegen sich auch die Erstanmeldungen für die fünften Klassen auf niedrigem Niveau. In diesem Jahr waren es (nach dem zweiten Anmeldedurchgang) 179. Ein Jahr zuvor lag die Zahl noch bei 194.

Die Zugänge: Die Situation ändert sich grundlegend beim Blick auf die siebte Jahrgangsstufe. „Viele Schüler müssen aufgrund ihrer Leistung Realschulen und Gymnasien nach der Erprobungsstufe verlassen“, sagt Hintzsche. In der Folge wären die meisten der Hauptschulen ab Klasse 7 sogar dreizügig. So gingen beispielsweise im Schuljahr 2016/17 rund 36 Prozent der damals 857 Schulform-Wechsler auf eine Hauptschule.

Die Integrationsleitung: Nach Einschätzung von Burkhard Hintzsche sind es die Hauptschulen, die – im Vergleich zu allen anderen Schulformen der Sekundarstufe I – den größten Beitrag zur sprachlichen Erstförderung von Zugewanderten leisten. So nahmen zum 1. Februar dieses Jahres 9,8 Prozent aller Hauptschüler an einer solchen Förderung teil. An den Gesamtschulen waren es 3,7 Prozent, an den Realschulen 2,4 Prozent und an den Gymnasien nur 1,7 Prozent.

Die Praxisorientierung: „Wir haben das Aussterben dieser Schulform verhindert, weil wir uns gemeinsam mit den Trägern der Jugendsozialarbeit auf die berufliche Orientierung konzentriert haben“, sagt der Schuldezernent. Kammern und Unternehmer schätzten diese Ausrichtung in hohem Maße.

Die Entwicklungsförderung: Seit 2009 gibt es das „Netzwerk Pro Düsseldorfer Hauptschulen“. Es sorgt dafür, dass Schüler ab Klasse 9 zwei mal pro Jahr ein individuelles „Entwicklungsplangespräch“ führen. „Hinzu kommen zwei Praktika in Klasse 9 und eines in Klasse 10, die jeweils zwei Wochen dauern“, sagt Gürke. Wird es die Schulform in zehn Jahren noch geben? „Prognosen für 2029 sind immer gewagt, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass Düsseldorf auf diese Säule verzichten will.“

Die Investitionen: Für diese Vorhersage sprechen auch die Summen, die die Stadt derzeit in die noch verbleibenden sieben Standorte investiert. Alleine für den Neubau der zurzeit provisorisch an der Kappeler Straße untergebrachten Benrather Gemeinschaftshauptschule werden es rund 25 Millionen Euro sein. Das Gebäude wird Platz für bis zu 450 Schüler bieten (zurzeit gibt es 355). Zu den Extras zählen eine wettkampffähige Zwei-Feld-Sporthalle, eine „Cook-and-Chill-Küche“ und eine Photovoltaik-Anlage, die Strom für Elektroautos und E-Bikes liefern soll. Noch einmal mehr als 50 Millionen Euro fließen in die Neubauten der Hauptschule Bernburger Straße und der Dumont-Lindemann-Schule an der Vennhauser Allee sowie an der Redinghovenstraße.

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