Kirmes

Düsseldorf: „Keine Kirmes wie vor Corona“

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Das schöne Herbstwetter zog am Wochenende viele Besucher zur Kirmes auf dem Staufenplatz in Grafenberg. Dort kann man sich noch bis zum 17. Oktober vergnügen.

Das schöne Herbstwetter zog am Wochenende viele Besucher zur Kirmes auf dem Staufenplatz in Grafenberg. Dort kann man sich noch bis zum 17. Oktober vergnügen.

Foto: Anne Orthen (ort) / Anne Orthen (orth)

Düsseldorf.  Die zweite Düsseldorfer Kirmes nach der langen Pause profitierte am Wochenende vom Sonnenwetter. Schausteller stehen weiterhin vor Problemen.

Am ersten Wochenende spielte das Wetter auf dem Grafenberger Staufenplatz gut mit, erklärt Oliver Wilmering, Vorsitzender des Schaustellerverbandes. „Für die ersten zwei Tage sind wir relativ zufrieden mit dem Andrang.“ Bei Besuchern sei die Motivation groß, es herrsche Euphorie über dieses wiedergewonnene Stück Normalität, erklärt Wilmering. Aber: „Das ist noch keine Kirmes mit Umsätzen wie vor Corona.“ Der Grund seien auch die andauernden Folgen der Krise: „Die Coronazeit hat bei vielen Bürgern am Portemonnaie gezehrt – das Geld fehlt“, etwa bei jenen, die in der Krise in Kurzarbeit mussten, so Wilmering. Immerhin 15.000 Gäste erwarten die Schausteller für die zehntägige Kirmes – 1500 bis 2000 an den Wochenend-Tagen, 500 unter der Woche. Weil die Genehmigung der Veranstaltung etwas zurückliegt, gelte hier noch die 3G-Regel, erklärt Wilmering – nach aktueller Coronaverordnung könne darauf eigentlich verzichtet werden. Die Kontrolle laufe auf Stichprobenbasis durch de Sicherheitskräfte der Veranstalter. Bisher sei alles reibungslos verlaufen, erklärt Wilmering: „Die Besucher sind sehr diszipliniert, geben sich Mühe, sich an alle Regeln zu halten“, berichtet er zufrieden.

Personalmangel nach Corona-Pause

Probleme gibt es beim Personal: „Wir haben überwiegend Saisonbeschäftigte, bei vielen ist es schon so, dass sie sich über die fast zwei Jahre andere Arbeit gesucht haben“, so Wilmering. Das betreffe auch Stammpersonal. Anwerben und Anlernen von Neuen gestalte sich schwierig. „Wir sind die Berufsgruppe, die am härtesten betroffen war.“ Insgesamt 18 Monate lang hatte es vor der Kirmes im September keine Veranstaltungen mit Schaustellern in Düsseldorf gegeben. Ihre Hoffnung liege nun besonders darauf, dass die Weihnachtsmärkte mit möglichst vielen Besuchern stattfinden können. Denn danach gebe es erstmal bis Ostern Saisonpause, erklärt Wilmering. Bei den Schaustellern selbst habe es keinen Schwund wie beim Personal: „Wir haben fast zu hundert Prozent Familienunternehmen.“ In Familien habe es für die Schausteller wichtige Unterstützung gegeben.

„Wir kämpfen immer weiter, das ist Schaustellermentalität.“

Eine Institution unter den Düsseldorfer Schaustellern ist Dagmar Osselmann mit ihrem Autoscooter „Diamond“. Ihre Familie ist eine der ältesten Schausteller-Familien der Stadt: „Meine Kinder sind die achte Generation“, erklärt sie. Die Stimmung auf der Kirmes ist gut: „Man merkt, dass die Leute richtig glücklich sind. Eigentlich fühlt es sich so an, wie vor Corona.“ Eigentlich. Tatsächlich sind auch für sie die Einnahmen weit weg von dem, was 2019 reinkam. Und: „Ich brauche eigentlich vier Mann, um meinen Autoscooter zu betreiben – jetzt habe ich einen und eine Aushilfe.“ So muss auch sie nun selbst sehr viel anpacken. Und auch sonst lastet die Coronapause schwer: Sie musste einen großen Teil ihrer Ersparnisse aufbrauchen. Dazu kommt die enorme psychische Belastung. Ans Aufgeben dachte Osselmann nicht: „Wir kämpfen immer weiter, das ist Schaustellermentalität. Alle Schausteller, die ich kenne, sind so.“ Dieses Jahr war sie schon auf zwei weiteren Kirmes-Plätzen in Rheinland-Pfalz und Luxemburg. Ihre Hoffnung liegt auch auf besucherstarken Weihnachtsmärkten. Seit 18 Jahren organisiert sie auch den Weihnachtsmarkt in Florenz mit, der dieses Jahr wieder stattfindet. „Eine Partnerschaft Düsseldorf-Florenz liegt mir sehr am Herzen.“

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