Schizophrenie

Düsseldorfer Autor schreibt über Schizophrenie

Der Düsseldorfer Autor Jens Jüttner hat seinen Weg gemeistert.

Der Düsseldorfer Autor Jens Jüttner hat seinen Weg gemeistert.

Foto: stratmann

Düsseldorf.  Der Düsseldorfer Jüttner schreibt in einem autobiografischen Sachbuch über seine Erfahrung mit paranoider Schizophrenie.

Es geht um Vorurteile. Um Ängste. Um Wissen. Um Wege und Umwege. „Als ich aus der Zeit fiel – Mein Weg durch die paranoide Schizophrenie“ heißt das neue autobiografische Sachbuch von Jens Jüttner. Es erscheint am 25. Mai 2020.

Eindeutige Diagnose

Ursprünglich war der Düsseldorfer Rechtsanwalt und Betriebswirt. Der 44-Jährige arbeitete im Bereich der Steuerberatung und später in der Rechtsabteilung eines Versicherungskonzerns. Jetzt verdient Jüttner sein Geld als Bademeister. Zwischen diesen beiden Berufen verläuft das Jahrzehnt mit seiner Erkrankung. Er hat diese zähe Strecke seines Lebenswegs zurück gelegt und ist in einer gut dosierten Gegenwart angekommen. Seit über drei Jahren empfindet er seinen Gesundheitsstand als stabil, der letzte Krankheitsausbruch liegt knapp sieben Jahre zurück.

In seinem Buch berichtet Jens Jüttner über seinen Krankheitsverlauf und gibt parallel Fachwissen weiter. Das Vorwort hat Prof. Dr. Joachim Cordes geschrieben. Darin betont der Chefarzt der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Kaiserswerther Diakonie, wie wichtig die Aufklärungsarbeit sei, die Jens Jüttner mit diesem Buch leiste: „Es werden Ängste genommen und betroffene Menschen ermutigt, sich zu trauen, Hilfsangebote anzunehmen.“ Die Stigmatisierung der Erkrankten sei noch immer groß, betonen Cordes und Jüttner gleichermaßen.

Erkrankung während des Referendariats

„Meinen Eltern haben es nicht wahrhaben wollen, obwohl die Diagnose eindeutig war,“ erzählt Jüttner. Seinen Verfolgungswahn und die akustischen Halluzinationen umschrieben sie lieber vage mit „psychischen Problemen“. 80 Prozent der Schizophrenie-Betroffenen trauten sich nicht, über ihre Situation zu reden. Jüttner: „Die Krankheit ist so fremd, sie macht Angst.“ Diese Situation erhöhe den Leidensdruck und trage mit zu der hohen Suizid-Quote bei, er beziffert sie mit 20 Prozent. Außerdem koste es viel Zeit, das richtige Medikament zu finden, eins, das optimal hilft und möglichst wenig Nebenwirkungen zeige. Bei ihm hatten die sich in einer Gewichtszunahme von 60 Kilo gezeigt.

„Während meines Referendariats beim Landgericht Düsseldorf erkrankte ich erstmalig an paranoider Schizophrenie“, berichtet Jüttner. Es dauerte lange bis er erkannte, dass es für ihn die bessere Lösung ist, seinen Beruf aufzugeben und in eine vorläufige Frühverrentung zu gehen. Dieser Entschluss war eine langwierige Entscheidung. Sie beinhaltete auch, die gesellschaftliche Anerkennung eines Akademikers loslassen, ohne zu wissen, ob es wirklich hilft, eine gute Einstellung für den persönlichen Alltag wieder zu erlangen. Jens Jüttner empfindet es als Glück, dass es seinem Freundeskreis egal ist, ob er als Bademeister oder Rechtsanwalt sein Leben meistert.

Roman während der ersten Psychose geschrieben

Es ist Jüttners Zuneigung zum Wassersport, die ihn Schritt für Schritt zu seiner aktuellen Berufung geführt hat. Seine weitere Affinität gehört dem Schreiben. „In meiner ersten Psychose entstand der Roman ,Geistertanz‘“, erzählt Jüttner. Außerdem verfasst er belletristische Texte. Folgerichtig bestärkten ihn Freunde und Autorenkollegen, seine Erfahrungen mit der paranoiden Schizophrenie in Worte zu fassen. „Schreiben ist auch Arbeit, aber für mich einfach die schönste Form produktiv zu sein,“ sagt Jens Jüttner.

Weitere Informationen unter www.jensjuettner.com

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