Schulbesuch

Düsseldorfer sind gegen Verlängerung der Winterferien

Wenn es nach einem Hamburger Unions-Politiker geht, könnten die Schulen während der Winterferien zwei Wochen länger leer bleiben.

Wenn es nach einem Hamburger Unions-Politiker geht, könnten die Schulen während der Winterferien zwei Wochen länger leer bleiben.

Foto: Sina Schuldt / dpa

Düsseldorf.  Vorschlag von Unions-Politikern, wegen Corona die Winterferien zu verlängern, stößt auf Kritik. Vielmehr müssen Schulen besser ausgerüstet werden

Um Ansteckungen mit Corona in der Schule zu vermeiden, soll regelmäßig in relativ kurzen Abständen gelüftet werden. Doch im Winter könnte es so besonders kalt in den Klassenräumen werden. Außerdem befürchten einige eine höhere Ansteckungsgefahr, da in kalter, trockener Luft die Tröpfchen weiter fliegen. Hamburger Unions-Politiker haben daher als Schutzmaßnahme in der kalten Jahreszeit eine Verlängerung der Winterferien vorgeschlagen. Gleichzeitig brachten sie dabei eine Kürzung der Oster- und/oder Sommerferien ins Spiel. Doch nicht überall findet das Anklang. In Düsseldorf sprechen sich viele gegen eine Verlängerung der Winterferien aus.

Kein Konzept von Ministern

So etwa Sylvia Burkert von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Düsseldorf. Die Gewerkschaft kritisiere schon länger, dass die Minister kein Konzept habe, wie Schulen mit der Pandemie umgehen sollen, so Burkert. Die Schulleiter würden sich allein gelassen fühlen. Gleichzeitig sieht Burkert durch die Pandemie wieder alte Probleme auftauchen. So seien nicht alle Schulen digital so aufgestellt, dass dort guter Unterricht möglich ist.

Auch bei den Lüftungen gebe es viel Potenzial. „Es hätten Lüftungsanlagen eingebaut werden müssen. Das war dem Ministerium aber zu teuer, dabei gab es schon vor Corona Studien, die sagen, dass die Luft in Klassenräumen schlecht ist. Es hätte sogar weiteren Nutzen“, so Burkert. Wenn man aber kein Geld in die Hand nehmen will, sei das alles mehr als schwierig.

Keine Lernzeiten verlieren

„Schüler dürfen keine Lernzeiten verlieren“, meint Stadtdirektor und Schuldezernent Burkhard Hintzsche, der eine Verlängerung ebenfalls für falsch hält. Er plädiert für Hybrid-Lösungen mit halben Klassen und digitalem Unterricht. Es dürfe kein weiterer Unterricht ausfallen.

Ähnlich sieht das SPD-Ratsherr Oliver Schreiber. „Das löst keine Probleme. Selbst wenn die Winterferien verlängert werden ist es danach immer noch kalt.“ Gleichzeitig setze eine Verlängerung die Familien zuhause unter Druck. „Die Arbeitnehmer werden wieder in eine Situation gebracht wie zu Beginn der Pandemie.“ Die Eltern müssten dann erneut Homeoffice und Homeschooling unter einen Hut kriegen. Schreiber kann sich stattdessen vorstellen, dass außerschulische Lernorte gefunden werden müsse. So kann sich der Sozialdemokrat etwa Museen oder Kinosäle vorstellen, um mehr Platz zu haben.

„Mehr Autonomie den Schulen lassen“

Der Düsseldorfer Christdemokrat und Schulleiter Pavle Madzirov glaubt nicht, dass man das in der Kürze der Zeit sinnvoll umsetzen kann. Vielmehr plädiert er dafür den Schulen mehr Autonomie zu lassen. Zudem hält er eine Mischung aus digitalem und Präsenzunterricht für sinnvoll. „Da sollten die Schulen mehr Möglichkeiten bekommen“, meint Madzirov.

Constanze Mucha (CDU), stellvertretende Vorsitzende im Schulausschuss und ebenfalls selbst Lehrerin, kann der Vorschlag der Unions-Politiker nicht verstehen. Sie befürchtet, dass verlängerte Schulferien im Winter dazu führen, dass die Menschen auf den Gedanken kommen, in Wintersport-Gebiete zu fahren. Nach den Erfahrungen mit Ischgl sieht sie da ein hohes Gefahrenpotenzial. Vielmehr kann sie sich vorstellen, die Klassen zu halbieren und manche „morgens, manche nachmittags" zu unterrichten. „Die Kinder brauchen schließlich einen Abschluss.“

Auch der Vorsitzende des Schulausschusses und Oberstudienrat Wolfgang Scheffler (Grüne) kann ob der Pläne nur den Kopf schütteln. Es habe lange genug gedauert, bis man wieder zum Präsenzunterricht kam. „Da sollte nun nicht dran rumgedoktert werden“, so Scheffler. Zudem hält er Schulen nicht für Corona-Hotspots.

Viel Unterrichtsausfall durch ersten Lockdown

Es sei schon genug Unterricht dieses Jahr ausgefallen, meint auch Mirko Rohloff, für die FDP im Schulausschuss. Zudem gebe es bisher „kein vermehrtes Infektionsgeschehen in Schulen“. Zudem bräuchten Eltern Planungssicherheit. Daher spricht auch er sich gegen eine Verlängerung aus.

Sich eine Verlängerung grundsätzlich vorstellen kann sich Georg Blanchard (Linke), Mitglied im Schulausschuss und früherer Lehrer. Gerade wenn die Infektionszahlen weiter steigen, sei das eine vernünftige Überlegung. Die Verlängerung müsste aber an anderer Stelle wieder ausgeglichen werden, meint Blanchard.

An den Düsseldorfer Schulen möchte man sich indes nicht zu dem Vorschlag äußern. „Wir als Beamte des Landes warten ab, was das Land dazu sagt und dann schauen wir weiter“, sagt etwa Kerstin Abs, Schulleiterin des Marie-Curie-Gymnasiums in Gerresheim. Auch an der Heinrich-Heine-Gesamtschule möchte man sich nicht äußern. Ähnlich verhalten zeigt sich das Schulverwaltungsamt der Stadt. Auch dort möchte man sich aktuell nicht, heißt es auf Anfrage.

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