Nahverkehr

VRR-Ticket: SPD in Düsseldorf will ans Wabensystem

Andreas Rimkus fordert die Abschaffung einer Wabe.

Andreas Rimkus fordert die Abschaffung einer Wabe.

Foto: Boris Schmidt

Düsseldorf.  Der Düsseldorfer SPD-Chef Andreas Rimkus und Neusser Kreis SPD-Chef Daniel Rinkert fordern den Stopp des Ticket-Irrsinns beim VRR.

Das Vorhaben der SPD, das Ticketsystem und die Preise des VRR zu reformieren nimmt weiter Fahrt auf. Man habe genau ins Schwarze getroffen, so der Bundestagsabgeordnete und Düsseldorfer SPD-Chef Andreas Rimkus nach einem NRZ-Bericht von Samstag. Mit dem Neusser SPD-Chef Daniel Rinkert forderte er nun die Bürgermeister auf, die Waben zu „eliminieren“.

Teurere Tickets bei anderem Verkehrsweg

Denn das Problem, das Rimkus lösen will, liege im Preissystem der VRR-Tickets, meint er. Denn ein Beispiel zeigt: Wer vom Düsseldorfer Rathaus zum Neusser Rathaus gelangen möchte, hat verschiedene Verbindungen zur Auswahl. Eine Möglichkeit ist ein kurzer Fußweg zur U-Bahn-Station an der Heinrich-Heine-Allee, um dort in die U75 zu steigen, die einen bis zum Neusser Hauptbahnhof bringt. Von dort geht es weiter mit der 709. Mit dieser Bahn kommt man zum Neusser Markt und dem Rathaus. Das Ticket für diese Fahrt kostet 2,90 Euro. Eine andere Variante ist die Verbindung mit einer anderen U-Bahn-Linie von der Heinrich-Heine-Allee aus in Richtung Graf-Adolf-Platz, um bereits dort in die 709 zu steigen und dann bis zum Neusser Markt zu fahren. Bei dieser Verbindung kostet das Ticket jedoch sechs Euro (NRZ berichtete).

Die Gründe für diesen Preiswahnsinn liegen im „Wabensystem“ des VRR. Das Düsseldorfer Stadtgebiet besteht aus zwei solcher Waben. Die Wabe „Düsseldorf Mitte/Nord“ einerseits, die Wabe „Düsseldorf Süd“ andererseits. Neuss liegt in der Wabe „Neuss/Kaarst“. Bei der teureren Variante durchfährt die Bahn zwei Waben.

Erster Antrag vor sechs Jahren

Bereits 2013 gab es einen Antrag im Neusser Stadtrat zur Abschaffung der „Tarifwabe 521 im Bereich Rheinpark-Center“, gestellt vom damaligen SPD- Fraktionsvorsitzender Reiner Breuer, der mittlerweile Bürgermeister in Neuss ist. Die Einrichtung dieser Wabe sei aus Sicht der SPD „falsch“ und sollte zurückgenommen werden. Die damalige Begründung für deren Einführung, dass Kaufkraft in Neuss gehalten werden solle, hat sich nie bewahrheitet, heißt es in den damaligen Antrag weiter. Die Wabe war 2001 eingeführt werden, die Idee dazu kam dem Vernehmen nach vom damaligen Neusser Bürgermeister Herbert Napp.

Andreas Rimkus hält – ebenso wie Daniel Rinkert – nichts von dieser „Kunstwabe, die politisch gestellt“ wurde. „Das ist totaler Irrsinn und Denken aus dem letzten Jahrtausend.“ Daniel Rinkert glaubt zudem nicht daran, dass nur Kaufkraft abfließt. „Viele Düsseldorfer kommen auch ins Rheinpark-Center. Das ist eigentlich eher ein Geben und Nehmen.“ Die Wabe sei daher „nicht erklärbar“ und absolut „reformbedürftig“.

Rinkert: „Auch ans Verbundsystem ran“

Daher geht man nun auf die Bürgermeister und den Oberbürgermeister zu. „Sowohl Breuer als auch OB Thomas Geisel setzen sich bereits stark für das 365-Euro-Jahresticket und für den ÖPNV ein“, so Rimkus. Daher glaubt er an großen Zuspruch. Zwar müsse das dann noch durch „diverse Gremien gehen“ und beim Verkehrsverbund diskutiert werden, aber „man kann alles ändern, das macht eine Demokratie aus“.

Doch nicht nur an das Wabensystem will man rein. „Auch an der Taktung der Bahnen müssen wir arbeiten“, so Rimkus. In anderen Ländern und Städten fahren die Bahnen in Abstand „einer Zigarettenlänge“. Das müsse auch für Düsseldorf ein Ziel sein.

Auch Rinkert geht noch einen Schritt weiter und stellt das gesamte Verbundssystem in Frage. „Ich glaube, da müssen wir insgesamt ran und uns die Frage stellen: Warum gibt es überhaupt so viele Verkehrsverbünde?“ Angestrebt werden daher zwei Lösungen: günstigere Preise und besseres Angebot. Bis es jedoch soweit ist wird noch einiges an Zeit leider vergehen, so Rinkert. „Wir wollen aber zumindest das Waben-Problem spätestens in einem Jahr gelöst haben.“ Das 365-Euro-Ticket und ein generell verändertes Ticket- und Verbundssystem erwartet er erst in fünf Jahren.

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