Vereinsamung

FDP Düsseldorf fordert Umdenken bei Besuchsverboten

Bei der FDP befürchtet man, dass Patienten in Krankenhäusern und Bewohner in Pflegeheimen wegen Corona mehr und mehr vereinsamen.

Bei der FDP befürchtet man, dass Patienten in Krankenhäusern und Bewohner in Pflegeheimen wegen Corona mehr und mehr vereinsamen.

Foto: Jens Kalaene / dpa

Düsseldorf.  Christine Rachner (FDP) fordert Lockerung der Besuchsregeln in Kliniken und Heimen. Dabei gibt es in Heimen kein generelles Verbot.

Die Düsseldorfer FDP sorgt sich um die Patienten und Bewohner in Krankenhäusern und Pflegeheimen und fordert in einer Mitteilung ein Überdenken der Besuchsverbote. Dazu wird es heute eine Anfrage im Gesundheits- und Sozialausschuss geben. Darin möchte die gesundheitspolitische Sprecherin der FDP-Ratsfraktion, Christine Rachner, wissen, inwiefern die Menschen in den jeweiligen Einrichtungen durch die Corona bedingten Schutzmaßnahmen und strengen Besuchsregelungen durch den fehlenden Kontakt zu Familie und Freunde psychisch vereinsamen.

Psychischer Stress wirkt sich auf Genesung aus

„Psychische und physische Gesundheit lassen sich nicht voneinander trennen, sondern bedingen sich gegenseitig. Ein ganzheitlicher Ansatz der Gesundheitsversorgung muss beide Aspekte beinhalten“, so Rachner. Psychischer Stress könne starke Auswirkungen auf die Krankheitsgenese haben. Bisher konzentriere sich die öffentliche Wahrnehmung im Wesentlichen auf die körperlichen Gefahren und Folgen der Covid 19-Pandemie.

Der Vorsitzende des Ausschusses, Andreas-Paul Stieber (CDU), sieht das ähnlich. Er sieht einen dringenden Zusammenhang zwischen der psychischen Belastung und der körperlichen Genesung. „Wenn die Seele krank ist, ist auch der Körper krank“, so Stieber. Daher sei es wichtig, soziale Kontakte zu haben.

Dabei gibt es zumindest kein generelles Besuchsverbot in den Pflegeheimen, lediglich Ein- und Beschränkungen, wie etwa Caritas und Diakonie betonen. „Wir entscheiden immer situativ“, so Diakonie-Sprecher Christoph Wand. Sollte es etwa in einem Teil einer Einrichtung ein Infektionsgeschehen geben, könnte dieser abgeschottet werden, oder sogar ein Haus. Ein generelles Besuchsverbot wolle man aber nicht aussprechen, so Wand. Die Situation erfordere Fingerspitzengefühl. „Man muss einen Weg gegen die Vereinsamung finden, aber gleichzeitig die Bewohner schützen“, so Wand. Das bekomme man aber gut hin, auch weil man gut mit Tablets ausgestattet sei über die Kontakte möglich sind.

Viele und gute Sicherheitsvorkehrungen in Pflegeheimen

Auch bei der Caritas wird das so umgesetzt, wie Sprecherin Stephanie Agethen bestätigt. Zudem räumt sie mit einem Bild auf, dass anscheinend in den Köpfen vieler Menschen herrscht: „Hier wird niemand allein gelassen. Auch dann nicht und gerade dann nicht, wenn jemand im Sterben liegt – selbst bei einem positiven Coronatest.“ Dafür gebe es Schutzmaßnahmen.

Wie das in den Pflegeheimen gehandhabt wird, findet Sabine Humpert-Kalb (SPD), Mitglied im Gesundheitsausschuss, „gut“. „Es gibt dort Sicherheitsvorkehrungen, bei den Besuchern wird die Temperatur gemessen, die Schnelltests kommen, etc.“, so Humpert-Kalb, die glaubt, dass aus der Vergangenheit gelernt wurde. „Jedem ist klar, dass Vereinsamung nicht gut ist.“

Angela Hebeler (Grüne), stellv. Vorsitzende im Gesundheitsausschuss, findet es durchaus wichtig, dass gerade ältere Menschen besucht werden können. „Man muss sich eben überlegen, wie man das machen kann“, so Hebeler. Denn gerade ältere haben den Umgang mit dem Digitalen nicht so gelernt.

Besuchsverbot mit Ausnahmen in Krankenhaus

Anders sieht es indes bei den Krankenhäusern aus: Dort gibt es ein Besuchsverbot – doch auch da sind Ausnahmen möglich. So etwa für die Geriatrie im VKKD, wie Sprecher Peter Schmitz betont. „Wir differenzieren da schon, damit es eben nicht auf die Psyche schlägt.“ Zudem gebe es die Möglichkeit mit Verwandten via Skype in Kontakt zu treten.

Auch bei der Uniklinik (UKD) gibt es Ausnahmen, so Sprecher Tobias Pott. So dürfen etwa Väter werdende Mütter zur Geburt begleiten. Ein komplettes Verbot ohne Ausnahmen lehnt Pott ab. „Natürlich ist ein Krankenhaus ein schützenswerter Raum für die Patienten. Man muss aber die Balance finden für Menschen, die unter einem Besuchsverbot leiden würden.“

Bürgermeisterin Klaudia Zepuntke (SPD) findet es ebenfalls wichtig, dass man zwischen Krankenhäusern und Pflegeheimen differenziert. „Die Menschen in den Pflegeheimen wohnen dort ja auch. Das ist ein großer Unterschied“, so Zepuntke. Gleichwohl verweist die Sozialdemokratin darauf, dass man beim ersten Lockdown im Frühjahr durchaus gesehen habe, welche Schäden die Psyche nehmen kann, wenn ein generelles Besuchsverbot in Kraft treten würde. „Die Menschen in den Heimen haben ein Recht auf Besuch und Teilhabe“, so Zepuntke weiter. Soll man da wieder nachjustieren, sei das ein „harter Schritt“ und ein kontraproduktiver noch dazu. Gerade für Demenzkranke komme eine digitale Lösung nicht zwingend in Frage..

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben