Fluggastkontrolle

Gelsenkirchener Firma will Auftrag für Flughafen Düsseldorf

Die Gewerkschaft Verdi wehrt sich gegen eine mögliche Vergabe der Fluggastkontrolle in Düsseldorf an ein tarifungebundenes Unternehmen.

Die Gewerkschaft Verdi wehrt sich gegen eine mögliche Vergabe der Fluggastkontrolle in Düsseldorf an ein tarifungebundenes Unternehmen.

Foto: Maja Hitij / dpa

Düsseldorf/Gelsenkirchen.  Stölting, Sponsor von Schalke, will am 1. Juni die Fluggastkontrolle in Düsseldorf unternehmen. Verdi ist sauer. Drei weitere Firmen im Rennen.

Vier Firmen haben sich um den Auftrag für die Gepäck- und Fluggastkontrolle am Düsseldorfer Flughafen beworben. Wie am Dienstag bekannt wurde, wollen diese Aufgabe zum 1. Juni im Auftrag der Bundespolizei die Sicherheitsfirmen I-SEC, DSW, ICTS und Stölting (Gelsenkirchen) übernehmen. Noch im Laufe der Woche wird vom zuständigen Beschaffungsamt des Bundesinnenministeriums die Entscheidung über den Zuschlag erwartet.

ISEC, DSW und ICTS gehören dem Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDSL) als Arbeitgeberverband an. Diesem Verband, in dem die Tarifverträge für das Luftsicherheitspersonal gültig sind, gehört der Multidienstleister Stölting mit Sitz in Gelsenkirchen nach Auskunft der Gewerkschaft Verdi nicht an.

„Der neue Dienstleister muss tarifgebunden sein“, sagt Verdi

Das bringt die Verdi auf die Palme. „Wir erwarten selbstverständlich, dass der neue Sicherheitsdienstleister für die hoheitliche Luftsicherheitsaufgabe am Flughafen Düsseldorf tarifgebunden ist und uneingeschränkt alle von uns erkämpften bisherigen tarifvertraglichen Besitzstände auch weiterhin umsetzt“, heißt es in einer am Dienstag veröffentlichten Mitarbeiter-Information von Verdi.

Darin sagt der für das Luftsicherheitspersonal zuständige Gewerkschaftssekretär Özay Tarim weiter: „Der Auftraggeber muss ebenfalls die Tarifbindung als oberste Priorität ansehen und diese bei der Auftragsvergabe berücksichtigen. Die Bundesregierung betont die Wichtigkeit von Tarifbindung und ist deshalb in der Verantwortung, bei der Auftragsvergabe diese auch zu garantieren.“

Verdi werde nicht zulassen, dass Sicherheitsunternehmen an Flughäfen Tarifverträge ignorieren und Arbeitnehmerrechte missachten. Auch sei auffällig, dass die Sicherheitssparte von Stölting keinen Betriebsrat habe und Verdi als Gewerkschaft bei der Gründung eines Betriebsrates ignoriere: „Der Stölting-Geschäftsführer für die Sicherheitssparte ist seit Sommer 2019 für uns nicht erreichbar.“ Tarims Fazit: „Solche Dienstleister haben keinen Platz in der Luftsicherheit.“

Verbindungen zwischen Stölting und Kötter?

Aber noch etwas anderes ist für Verdi auffällig: Der bisherige für die Fluggastkontrolle zuständige Dienstleister „Kötter Aviation Security“ hatte den Vertrag mit dem Bund wegen mangelnder Rahmenbedingungen und zu hoher Kosten vorzeitig zum 31. Mai gekündigt. Beim Bundesliga-Verein Schalke 04 ist Stölting als Premium-Partner im Sponsoring aktiv. „Dass der Kötter-Geschäftsführer auch bei FC Schalke 04 aktiv ist und dort im Aufsichtsrat sitzt, dürfte wahrscheinlich nur ein Zufall sein…“, so Verdi leicht süffisant.

Sie stellt damit Verbindungen oder gar mögliche Absprachen zwischen Stölting und dem Kötter-Geschäftsführer indirekt ins Spiel, ohne diese direkt beim Namen zu nennen. Gegenüber unserer Redaktion verneinte der Kötter-Geschäftsführer entprechende Verbindungen. Gespräche oder gar Mauschelei habe es schon gar nicht gegeben.

Plötzlich Infoschalter am Düsseldorfer Flughafen

Für Verdi-Mann Tarim ist außerdem „sehr erstaunlich, dass ein Unternehmen wie Stölting seinen Hut in den Ring geworfen hat“. Denn der Gelsenkirchen Multidienstleister sei im Gegensatz zu den anderen drei Bewerber-Firmen bisher nicht dafür bekannt, an einem Großflughafen Fluggastkontrollen durchgeführt zu haben. Kurz nach der Kötter-Vertragsauflösung habe Stölting aber mit einem Infoschalter auf der Abflugebene bereits auf sich aufmerksam gemacht.

Für die Gewerkschaft, die die 1100 Mitarbeiter von Kötter vertritt, die am 1. Juni zu dem neuen Sicherheitsdienstleister wechseln werden, steht fest: „Ein tarifungebunden Security-Unternehmen am Düsseldorfer Flughafen muss verhindert werden.“

Nach der Bekanntgabe, welches Unternehmen den Zuschlag für die Gepäck- und Fluggastkontrolle in Düsseldorf erhalten soll, gibt es eine zweiwöchige Frist, in denen sich die unterlegenen Anbieter äußern können. Erst dann wird der Vertrag unterschrieben.

Stölting soll Zuschlag nicht bekommen

Am Nachmittag hat unsere Redaktion aus gut unterrichteten Kreisen erfahren, dass die Verdi-Befürchtungen umsonst sonst sind: Stölting, so heißt es, bekommt garantiert nicht den Zuschlag für die Fluggastkontrolle.

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