Konzert

Jubel für den lockeren Geigenstar Ray Chen

Ray Chen spielte in der ausverkauften Tonhalle.

Ray Chen spielte in der ausverkauften Tonhalle.

Foto: Susanne Diesner

Düsseldorf.  Das war ein letztes Sternzeichen der Saison mit Geiger Ray Chen und den Düsseldorfer Symphonikern in der ausverkauften Tonhalle

Der spielt ja Klassen besser als David Garrett, staunten vor knapp anderthalb Jahren Klassikfans in der Tonhalle, als Ray Chen für den damals erkrankten, blonden Geigen-Popstar einsprang und so richtig abräumte. Kein Wunder also, dass das letzte Abokonzert („Sternzeichen“) der Saison bis auf den letzten Platz ausverkauft war. Denn der australische, lockere Boy mit Stradivari (aus taiwan-chinesischer Familie) genießt mittlerweile in der Welt der E-Musik einen exzellenten Ruf: als sensibler, ernster und stilsicherer Virtuose und neu-romantischer Interpret, der durch sein Geigenspiel und seine offene Ausstrahlung überzeugt – aber auf alle Mätzchen der Selbst-Vermarktung verzichtet.

Keine Starallüren

Starallüren kennt der weltweit gefeierte 30-Jährige nicht, unterhält sich, auch in der Tonhalle, nach dem Konzert mit Zuschauern jeden Alters und signiert CDs. In Beethovens Violinkonzert (Spieldauer: 45 Minuten und damit das längste seiner Art) muss der Solist eine Marathonstrecke zurücklegen und Spannung bis zum finalen „Rondo. Allegro“ halten. Kein Problem für den sympathischen Ray Chen, der bereits mit vier Jahren das Geigenspiel anfing und so selbstverständlich mit der Violine umgeht, als sei er mit dem Nobel-Instrument zusammengewachsen. Schlanke, sehnige Intonation, in den Spitzenlagen glänzen die Töne. Manchmal klingen sie zerbrechlich zart, dann zupackend grell. Beethovens liedhaftes Hauptthema beleuchtet Chen von allen Seiten, entfacht beinah romantische Melancholie mit viel Schmelz (ohne jeden Schmalz!).

Bei aller Eleganz und Kultiviertheit bohrt er sich aber ebenso in die tiefen Schichten des Werks hinein und betont die Empfindsamkeit. Denn Beethoven reizt in diesem D-Dur-Opus die Qualitäten der Geige als Gesangs-Instrument aus. Bei Chen klingen diese Lieder nicht altbacken, sondern frisch und jung. Durch Brillanz (besonders bei den Streichern) überzeugen auch die Symphoniker, die unter dem souveränen Dirigat von Opern-GMD Axel Kober vor Leichtigkeit, Biegsamkeit und Farbenreichtum sprühen. Kober kann auch Beethoven – bei Opern-Repertoire-Dirigenten keine Selbstverständlichkeit! Das harmonische, präzise Zusammenspiel des Orchesters hat sich in letzter Zeit an allen Pulten stark verbessert – sicherlich auch ein Verdienst des Symphoniker-Chefs Adam Fischer.

Kobers Können als Romantik-Spezialist und Vorzüge der Symphoniker werden deutlich in der spätromantischen Petitesse „Kikimora“ von Anatoli Ljadow. Und in der Ballettsuite „Der Feuervogel“ von Strawinsky. Eine wahre Hör-Freude sind das perkussive Feuerwerk mit knappen knalligen Ausbrüchen und das schwelgerische Schwärmen – passend zum Märchen um den Zarensohn, der mit dem magischen Vogel einen bösen Zauberer vertreiben will. Begeisterter Jubel.

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