Omas gegen Rechts

"Omas gegen Rechts" - politisch, laut und auffällig

Die „Omas gegen Rechts“ hier mit ihren Schildern vor dem Rathaus in Düsseldorf.  

Die „Omas gegen Rechts“ hier mit ihren Schildern vor dem Rathaus in Düsseldorf.  

Foto: oH

Düsseldorf.   Die Initiative „Omas gegen Rechts“ gibt es seit 2018 auch in Düsseldorf. Sie tritt ein für Demokratie in Europa und gleiche Rechte für alle.

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Ihre Schilder sind bei Demonstrationen ein echter Hingucker: Nicht etwa, weil sie besonders schrill oder auffallend gestaltet sind, sondern weil der Name ihrer Gruppe doch den ein oder anderen schmunzeln lässt, auch wenn die Thematik sehr ernst ist. Die Rede ist von den „Omas gegen Rechts“.

„Ich habe gar kein Enkelkind“

„Dabei sind wir nicht unbedingt Omas im klassischen Sinn. Ich habe gar kein Enkelkind“, sagt Barbara Görner, Sprecherin der Regionalgruppe Düsseldorf, lachend. Von einem Bekannten wurde sie deswegen schon als „Lügen-Oma“ tituliert. Dennoch findet Görner die Namensgebung sehr gut gewählt. „Es gibt in den Köpfen der meisten kaum etwas unpolitischeres als Omas. Oft werden sie nur als ältere Frauen gesehen, die Kuchen für die Kinder und Enkelkinder backen“, so die 63-Jährige. Doch das ist bei der Initiative ganz und gar nicht der Fall. Auch seien sie für jeden offen.

Und die Reaktionen, die sie etwa bei den „Fridays for Future“-Demonstrationen, an denen die „Omas“ auch teilgenommen haben, seien „einfach super“. „Die jungen Leute sind völlig aus dem Häuschen, wenn sie uns sehen.“

Die Gruppe wurde 2017 in Wien gegründet

Die Idee zu den „Omas gegen Rechts“ stammt aus Österreich. Dort wurde die erste Gruppe im November 2017 in Wien gegründet. In Deutschland gibt es seit Januar 2018 den ersten Ableger, seit Dezember 2018 eine Gruppe in Düsseldorf. Initiiert wurde die Düsseldorfer Gruppe von Anna Ohnweiler, einer pensionierten Lehrerin aus Hessen. Görner sei selbst „durch Zufall darüber gestolpert“, hatte aber bereits etwas über die Bewegung gelesen.

Die 63-jährige ehemalige Diplom- und Sozialpädagogin war sofort begeistert von den „Omas“, die als eine zivilgesellschaftliche überparteiliche Initiative agieren, die sich in den politischen Diskurs einmischen will. Es geht dabei um „die Erhaltung der parlamentarischen Demokratie in einem gemeinsamen Europa, um den Einsatz für die gleichen Rechte aller in Deutschland lebenden Frauen, Männer und Kinder, um die sozialen Standards, die von Eltern und Großeltern zum Teil bitter erkämpft wurden, um den Respekt und die Achtung gegenüber anderen Mitbürgern unabhängig von ihrer Religion und ethnischer Zugehörigkeit u.v.m.“, heißt es in der Beschreibung der Facebook-Gruppe, deren Administration Görner vor einigen Wochen übernommen hat.

Ihr Engagement hat dabei auch einen sehr persönlichen Hintergrund. „Die Schwester meiner Großmutter war ein Euthanasie-Opfer. Sie litt unter Epilepsie und kam in eine Klinik. Dort wurde sie dann ermordet“, schildert Görner ihre traurige Familiengeschichte aus der Nazi-Zeit, von der sie erst spät erfahren habe. „Ich war sofort von Herzen verbunden und es wurde mir klar, dass jeder ein Opfer hätte werden können.“

Die Düsseldorfer Gruppe hat 24 Mitglieder

Seitdem steckt sie noch mehr Energie in den Aufbau der Gruppe. Bisher gibt es 24 Mitglieder. Görner räumt jedoch ein, dass „nur wenige dann tatsächlich bei Aktionen mitmachen“. Nach Ostern will sie daher ihre Bemühungen intensivieren und hofft auf mehr aktive Mitglieder.

Denn Aktionen gibt es genug. Am Montag etwa, wenn sich die AfD im Ibach-Saal im Stadtmuseum trifft. „Das Museum ist ein Herzstück der Stadt. Es nimmt mich mit, wenn ich sehe, dass die da reinkommen.“ Der Rechtsruck beschäftigt Görner sehr, gerade auch mit Blick auf das umliegende Ausland. „Ich habe das Gefühl, dass die Zivilgesellschaft noch nicht wirklich aufgewacht ist und sieht, was alles gerade passiert. Die Nazis waren auch keine Feinde von außen, sondern kamen aus der Mitte der Gesellschaft“, so Görner. Daher sei es gerade jetzt wichtig, aufzuwachen und mutig gegen solche Tendenzen vorzugehen und darauf aufmerksam zu machen. Das machen die „Omas gegen Rechts“.

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