Prozess

Prozess um Tod von Jungen in Klinik – Ärzte freigesprochen

Die beiden angeklagten Klinikärzte sind am Dienstag vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden.

Die beiden angeklagten Klinikärzte sind am Dienstag vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung freigesprochen worden.

Foto: Kai Kitschenberg/FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Freispruch für zwei Kinderärzte: Sie sind nicht schuld am Tod eines Siebenjährigen in einer Düsseldorfer Klinik, urteilte das Gericht.

Der Prozess um den Tod eines Siebenjährigen in einer Düsseldorfer Klinik ist am Dienstagmittag mit zwei Freisprüchen geendet: Dem 64 Jahre alten Oberarzt und der 32-jährigen Assistenzärztin, denen fahrlässige Tötung vorgeworfen worden war, seien keine Fehler nachzuweisen, urteilte das Gericht.

Nach vielen Stunden kollabiert

Um 6 Uhr kam der damals Siebenjährige an einem Samstagmorgen im Oktober 2016 in die Notaufnahme – gegen 19.30 Uhr desselben Tages war er tot. Da der Kinderchirurg des Krankenhauses in Urlaub gewesen sei, habe der Junge in ein anderes Krankenhaus verlegt werden sollen. Der Transportdienst habe sich aber geweigert, das Kind zu fahren, weil es ihn nicht für transportfähig hielt. Da die Intensivstation für Kinder voll gewesen sei, sei der Junge schließlich auf die Intensivstation für Erwachsene verlegt worden.

Nach vielen Stunden in der Klinik schließlich kollabierte der Siebenjährige und starb und an den Folgen des Darmverschlusses. Die Eltern hätten den ganzen Tag lang zusehen müssen, wie ihr Kind starb, schilderte vor Gericht der Anwalt der Familie, Volker Schratzlseer.

Eltern nicht im Prozess – es geht ihnen zu schlecht

Am 4.2. wäre der Junge zehn Jahre alt geworden. Seine Eltern blieben der Verhandlung vor dem Amtsgericht am Dienstag fern – es gehe ihnen sehr schlecht, sagte ihr Anwalt. Sie wurden deshalb auch nicht als Zeugen gehört. "Die stehen das nicht durch", sagte Schratzlseer. Die Schwester, heute 13 Jahre alt, sei bis mittags in der Klinik dabeigewesen – und ebenfalls heute noch psychisch sehr belastet

Im Prozess wurden die letzten Tage vor der Einlieferung in die Klinik skizziert: In der Kita hatte der Junge einige Tage vor seinem Tod Leberkäse gegessen, danach erstmals erbrochen. Zwei Tage später hatte seine Schwester Geburtstag, da habe er noch mitgefeiert, aber auch mehrfach gebrochen. Am nächsten Morgen, samstagsfrüh, sei sei Zustand so schlecht gewesen, dass sein Vater mit dem Jungen in die Klinik fuhr.

Kinderärztin (32) äußert sich vor Gericht nicht

War der Bauch des Jungen an jenem Tag weich – eine OP also nicht offensichtlich nötig? Oder war er hart und die OP damit angezeigt? Darüber gab es unterschiedliche Befunde. Niemand, der nicht seine Hand auf den Bauch gelegt hat, könne das beurteilen, sagte der Gutachter am Dienstag vor Gericht.

Die heute 32-jährige Kinderärztin äußerte sich am Dienstag nicht. Der 64 Jahre alte Oberarzt ließ seinen Verteidiger eine Erklärung verlesen: Darin drückte er den Eltern sein Mitgefühl und Beileid aus - erstmals. Er sei, hieß es in der Erklärung, sehr belastet, weil er öffentlich für den Tod eines Kindes verantwortlich gemacht werde. Das sei auch durch einen Freispruch nicht mehr zu ändern.

Staatsanwaltschaft regt Ermittlungen gegen Chirurgen an

Über seinen Anwalt äußerte der 64-Jährige Vorwürfe: Nicht er, sondern die Chirurgen hätten den Fehler gemacht. Sie hätten die falsche Diagnose gestellt, hätten ihrerseits entscheiden müssen zu operieren. Für das chirurgische Problem des Darmverschlusses sei der Kinderarzt nicht zuständig, es sei nachgewiesen, dass der Oberarzt keine Fehler gemacht habe. Auch der Gutachter äußerte am Dienstag zum Prozessauftakt die Einschätzung, dass die Chirurgen hätten reagieren müssen.

Die Staatsanwaltschaft regte an, neue Ermittlungen gegen die Chirurgen aufzunehmen. Diese waren ohnehin zum Prozess als Zeuginnen geladen, wurden über die neue Entwicklung informiert – und machten vorsorglich von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. (mit dpa)

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