Gericht

Sterbehilfe-Prozess :Geteilte Meinungen bei Düsseldorfern

Eine Pflegerin hält die Hand einer todkranken Patientin. Am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wird gerade wieder über Sterbehilfe diskutiert.

Eine Pflegerin hält die Hand einer todkranken Patientin. Am Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe wird gerade wieder über Sterbehilfe diskutiert.

Foto: Norbert Försterling

Düsseldorf.   Prozess vor Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. Das schwierige Thema „Sterbehilfe“ sorgt auch in Düsseldorf für Gesprächsstoff.

In diesen Tag dreht sich alles um den Tod. Der morgige Karfreitag ist der höchste Feiertag der evangelischen Kirche. Der Tag, an dem sich die Christen an den Tod von Jesus Christus erinnern. Auch am Bundesverfassungsgericht geht es um den Tod – oder vielmehr um das Sterben in Würde. Seit Ende 2015 ist geschäftsmäßige Sterbehilfe eine Straftat. Dagegen klagen in Karlsruhe schwerkranke Menschen, Ärzte und Sterbehilfe-Vereine. Die Richter wollten darüber bis gestern Abend verhandeln. Das Urteil wird in mehreren Monaten verkündet.

Viel erreicht durch Pflegekräfte und Hospizträger

Auch in Düsseldorf beobachtet man den Prozess. Denn das Thema ist komplex und höchst emotional. Das weiß auch der städtische Gesundheitsdezernent Andreas Meyer-Falcke, der selbst Mediziner ist. „Als ich studiert habe, gab es palliativ noch nicht. In den letzten Jahren und Jahrzehnten wurde dort jedoch viel erreicht durch Pflegekräfte, Hospizträger, etc.“

Denn im Fokus stehe ein Leben mit Menschenwürde – und das es eben auch so endet. Natürlich werfe das aber Fragen auf. „Wenn jemand 70, 80, 100 Jahre lang selbstbestimmt lebt müssen wir das wahren.“ Und wenn dieser Mensch dann am Ende beschließt, davon Gebrauch zu machen, stellt es die Pflegekräfte und Mediziner vor ein Dilemma. „Dann steht das ‘ich möchte selbst über mein Leben entscheiden’ dem Berufsethos gegenüber, nichts zu tun, was das Leben verkürzt“, so Meyer-Falcke.

Meyer-Falcke: „Gerichtliche Entscheidung schwierig“

Und da eine gerichtliche Entscheidung zu treffen, das hält der Gesundheitsdezernent für äußerst schwierig. „Wenn ich aus der Sicht des Nicht-Arztes spreche, habe ich Verständnis für die Menschen, die ihr Leben selbstbestimmt beenden wollen.“ Zwar sei es schwierig, Erwartungen und Hoffnungen an den Prozess zu habe, es wäre jedoch wünschenswert, „wenn danach klar ist, was man darf und was nicht.“

Franz-Josef Conrads, Sprecher des Hospizforums Düsseldorf, sieht dem Prozess mit gemischten Gefühlen entgegen. Vor allem das Sterbehilfe als „professionelle Dienstleistung“ verstanden werden könne, mache ihm Sorgen. „Das wäre schon sehr traurig, wenn das so wäre“, so Conrads, der ein Problem auch in der Gesellschaft sieht. „Es gibt eine ältere Dame, die sagt, sie wäre zu nichts mehr nutze und störe nur ihre beiden Töchter. Sie fühlt sich als Belastung“, berichtet Conrad aus seinem Alltag. Die Töchter jedoch könnten jedoch eigentlich für ihre Mutter sorgen, wenn sie ihrerseits auf Sachen in ihrem Leben verzichten würden. „Die Gesellschaft wird jedoch egoistischer“, so Conrads.

Hofmeister: „Kommt bei Arbeit an seine Grenzen“

„Unsere Anliegen ist Menschen zu begleiten, Leid zu lindern und eine gewisse Lebensqualität zu geben“, erklärt Monika Hofmeister, Koordinatorin im Hospizverein Düsseldorf-Nord. Dazu gehöre auch, den Menschen ein Angebot zu vermitteln, damit sie palliativ gut versorgt sind. Hofmeister räumt aber auch ein, dass man bei der Arbeit durchaus an seine Grenzen kommt und es manchmal sehr schwierig sein kann, dem Menschen zu helfen. „Ich habe durchaus Respekt vor der Entscheidung, wenn ein Mensch sagt: ‘Ich kann einfach nicht mehr.’“ Das sei aber eben nicht der Ansatz der Hospize.

Sie wünscht sich dennoch für den Prozess, dass beide Seiten mehr Verständnis füreinander haben. „Da geht es oftmals sehr dogmatisch zu: Wenn man auf der einen Seite steht, muss man das eben so denken, auf der anderen Seite verhält es sich genauso.“ Dabei könne es gar keine allgemeingültige Lösung geben. „Man muss individuelle Lösungen finden“, so Hofmeister.

„Jede Seite hat richtige und falsche Argumente“

Für Elke Platen-Büchle, Koordinatorin der Hospizbegleitung in den diakonischen Häusern, hat „jede Seite richtige Argumente – aber eben auch falsche“. Es gebe Patienten, „die sind so voller Krebs, dass sie nicht mehr leben wollen. Da ist es dann schwierig zu sagen: Du musst aber“, so Platen-Büchle. Andere Patienten wollen dann jedoch unbedingt noch eine weitere Chemotherapie oder andere Behandlungen. Vielmehr müsse man „von Fall zu Fall sehen“, was man tun kann. „Es gibt keine generelle Antwort.“

Das EVK will sich nicht äußern

Beim Evangelischen Krankenhaus, dem ein stationäres Hospiz angeschlossen ist, möchte man sich nicht zum Prozess äußern, so Sprecherin Mareike Dietzfelbinger, „weil es so ein komplexes Thema“ ist. Vielmehr wolle man erstmal den Prozessausgang abwarten.

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