Hochzeit

Wegen Corona: Erstes Paar heiratet im Autokino - mit Gästen

Ja-Wort vor dem Oberbürgermeister: Janine Scholz geb. Miodunski und Philipp Scholz auf der Bühne des Autokinos - mit dem "Hilfsstandesbeamten" Thomas Geisel.

Ja-Wort vor dem Oberbürgermeister: Janine Scholz geb. Miodunski und Philipp Scholz auf der Bühne des Autokinos - mit dem "Hilfsstandesbeamten" Thomas Geisel.

Foto: Kai Kitschenberg / FUNKE Foto Services

Düsseldorf  Erstmals hat ein Hochzeitspaar in einem Autokino Ja gesagt. Trotz Corona konnten Janine und Philipp Scholz in Düsseldorf so Gäste einladen.

Vielleicht haben sie sich das so gewünscht: eine Hochzeit wie im Film. Nun, es wurde eine – wie im Kino. In Düsseldorf sagten Janine und Philipp Scholz am Dienstag im Autokino Ja – als erstes Paar in Deutschland. Mama, Papa, Oma, Opa, alle da! Im Standesamt der Corona-Zeit wären die beiden allein geblieben. „Einfach nur geil“, fand die Braut. Man könnte es anders mit dem nun gemeinsamen Spitznamen ausdrücken: Mein lieber Scholli!

Fortuna ist die Göttin des Glücks, weshalb schon deshalb dieser Tag passt zu Janine Miodunski (31) und ihrem viereinhalb Jahre jüngeren Philipp („sie hat sich was Jüngeres geschnappt“, lästert fröhlich eine Freundin). Die beiden sind Fans des gleichnamigen Düsseldorfer Fußballclubs, und der wird an diesem Tag 125 Jahre alt. Mit Fahnen am Auto und Trikots unter dem Jackett, so rollen die Gäste an auf dem Messeparkplatz. Schleifchen in den Vereinsfarben werden an Antennen geknüpft, Mundschutze an Innenspiegel gehängt. Oder falsch herum aufgesetzt, was soll’s: Noch draußen schimpfen ein paar Männer auf die „Scheiß-Kacke“, steigen aus und umarmen sich. „Wenn wir uns jetzt angesteckt haben, bleibt’s in der Familie.“ Ein paar Kameras filmen.

Tante der Braut: "Man kann ja keinen in den Arm nehmen"

Vor der Bühne bleiben sie alle brav hinter der Windschutz-, darauf hinter einer Plexiglasscheibe. Rosa Banner, rote Herzballons, weiße Blumen täuschen ja nicht darüber hinweg, dass diese Kulisse gewissermaßen aus der Not geboren ist. Hupend sind 30 Autos vorgefahren, besetzt mit Leuten, die noch bis letzte Woche ausgeladen waren, bevor die Idee mit dem Autokino kam: Das Brautpaar und der Standesbeamte, das sind die Regeln in der Pandemie. „Man hätte sich das anders gewünscht“, sagt die Tante der Braut. „Man kann ja keinen in den Arm nehmen.“

Das geht im Autokino auch nicht. Aber auf die Hupe hauen dürfen sie, die Tränen der Braut sehen, die aufgeregt von einem Bein aufs andere hüpft und Kusshände in die Blechreihen wirft, immerhin. Auf Radiofrequenz 96,2 spricht der Oberbürgermeister persönlich, auf der Bühne durch eine durchsichtige Wand vom Brautpaar getrennt: Thomas Geisel, ein „leidenschaftlicher Anhänger der Ehe“ und „im Nebenberuf Hilfsstandesbeamter“, erledigt den Verwaltungs-„Vorgang E 568 aus 2020“ persönlich. Mit warmen Worten, Amtskette und Ehefrau Vera im Hintergrund, aber ohne Händedruck.

Der Brautkuss wird von langem Hupen untermalt

Als Düsseldorfer Fans, sagt er, wüssten die beiden ja, „wie es ist, durch schwere und gute Zeiten zu gehen“. Dann dürfen „alle, die aufstehen dürfen“, das tun – also nur die Brautleute. Die sich bücken müssen zum Mikrofon, dass man ihr „Ja“ auch hört. Bevor Frau Miodunski Frau Scholz wird, blickt sie zum Papa in der ersten Reihe, „das war uns wichtig, die Familie ganz vorn“. Dann sind 15 Minuten ‘rum, „so, wir haben’s hinter uns“, sagt Geisel, der Brautkuss wird untermalt vom Hupen. Jemand schwenkt ein Fähnchen, ein anderer hebt eine Bierdose aus dem Seitenfenster.

„Wir haben das hier geschenkt bekommen“, sagt die Braut später hinter ihrer Fan-Maske - und sie meint nicht die beiden Fortuna-Trikots mit dem Aufdruck „Scholz“. „Alle waren dabei!“ Auch die beste Freundin, die den Brautstrauß nun unter dem Fenster fangen muss. Groß feiern will das Ehepaar ohnehin erst „in ein, zwei Jahren“, da ist dann der/die/das kleine „Scholli“ schon dabei. Der Bauch unter dem champagnerfarbenen Brautkleid ist am Dienstag schon sehr deutlich gewölbt.

Der erste Nachwuchs ist sichtlich schon unterwegs

So haben die Freunde es ja auch erfahren: „Verlobt?“, fragte einer auf ein vielsagendes Internet-Foto hin. „Schwanger?“ – „Auch“, antwortete Philipp. Da hatte er Janine, die er 2017 beim Tanz in den Mai kennengelernt hatte, schon im Rheinturm den Antrag gemacht. Nun ist es eine historische Hochzeit geworden. „Was Normales“, sagt Janine Scholz glücklich, „passt auch nicht zu uns. Wir sind ja auch nicht die Normalsten.“

>>INFO: WEITERE TRAUUNGEN IM AUTOKINO

Nach der Premiere wurden am Dienstag in Düsseldorf noch zwei weitere Paare getraut. Bei ihnen übernahmen "normale" Standesbeamte die Zeremonie.

Die Stadt Düsseldorf, deren Veranstaltungsagentur D-Live das Autokino erfand und bereits mit Gottesdiensten bespielte, erwägt, weitere Hochzeitstermine auf dem Messeparkplatz anzubieten, so lange die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie andauern.

Jeweils 30 Autos können vor der Bühne parken, die Insassen dürfen den Wagen nur für einen Gang zur Toilette verlassen. Der Ton wird über eine Radio-Frequenz übertragen.

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