Fortunas Helden

Zimmermann und die Legende vom zerstörten Tor

Bei Sepp Maier schlägt’s ein: Zimmermann trifft im Dezember 1978 per Elfer zum 5:1 im Bundesligaspiel gegen Bayern. Am Ende siegt Fortuna 7:1.

Foto: nn

Bei Sepp Maier schlägt’s ein: Zimmermann trifft im Dezember 1978 per Elfer zum 5:1 im Bundesligaspiel gegen Bayern. Am Ende siegt Fortuna 7:1. Foto: nn

Düsseldorf.   Was Privates: Als ich so ungefähr acht Jahre alt war, hat mir mein Vater was von Gerd Zimmermann erzählt. Er behauptete, dieser Zimmermann, der hätte im Rheinstadion gegen Bayern München gegen die Latte geschossen und dabei das Tor kaputt gemacht. Also mit reiner, körperlicher Kraft das Tor krumm und schief geballert. Unglaublich.

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Was Privates: Als ich so ungefähr acht Jahre alt war, hat mir mein Vater was von Gerd Zimmermann erzählt. Er behauptete, dieser Zimmermann, der hätte im Rheinstadion gegen Bayern München gegen die Latte geschossen und dabei das Tor kaputt gemacht. Also mit reiner, körperlicher Kraft das Tor krumm und schief geballert. Unglaublich.

Doch die Geschichte stimmt nicht. Denn viele Jahre später habe ich Gelegenheit bekommen, Gerd Zimmermann selbst zu fragen. Wie war das also damals mit der kaputten Torstange? Zimmermann sagt: „Dass ich eine Latte zerschossen haben soll, davon weiß ich nichts!“ Mein Vater hat mich belogen.

Fakt ist: Gerd Zimmermann, damals und heute nur „Zimbo“ genannt, hatte zu seiner aktiven Zeit bei Fortuna tatsächlich den härtesten Schuss in der Fußball-Bundesliga. In der Saison 1978/79 gelangen ihm als Abwehrspieler 13 Tore, insgesamt machte er in 203 Partien 44 Treffer. Seine „Flattermänner“ aus 30 Metern waren gefürchtet. Die Kicker gegnerischer Mannschaften gingen in Deckung. Lieber ducken und dabei eine peinliche Figur machen, als im Krankenhaus landen.

„Dafür konnte ich ja nichts, das lag in meinen Genen, mein Vater hatte einen ebenso harten Schuss“, sagt der heute 63-Jährige, der in seiner Heimatstadt Jüchen sein Rentnerdasein oft und gern in der Natur verbringt. Er geht häufig Angeln, sein bisher größter Fang war ein 97 Zentimeter langer Hecht. Dann hält ihn sein Windhund, gerade einmal sechs Monate jung, auf Trab. „Den nehmen wir auch zu Hundeausstellungen mit“, sagt Zimmermann, der sich zudem – gemeinsam mit Lebensgefährtin Lydia – liebevoll um die 83-jährige Mama Anna kümmert. Die besucht „Zimbo“ so oft er kann im Seniorenheim. „Und dann“, sagt der Mann mit den in Ehren ergrauten Haaren und dem markanten Oberlippenbart, „dann liege ich auch gern auf dem Sofa. Ich bin nämlich auch ein Faulenzer.“

Der Karriere-Höhepunkt war für Gerd Zimmermann gleichzeitig der große Karriereknick. Im legendären Europapokalfinale 1979 in Basel gegen Barcelona, das die Fortuna 3:4 verlor, riss sich der Mann mit dem gewaltigen Schuss zehn Minuten vor der Partie alles, was man sich im Knie so reißen kann. Kreuzband, Meniskus und so weiter. Zimmermann spielte bis zum Schluss durch. „Das war ein Fehler, klar“, sagt er heute. „Aber damals war es das Schlimmste für einen Spieler, einfach ausgewechselt zu werden.“

„Zimbo“ kam nie wieder richtig auf die Beine. Als er wieder bei der Fortuna einstieg, war Otto Rehhagel sein Trainer. Mit dem lag er im Clinch. Zimmermann sagt heute: „Das war eine Flachpfeife, dass der nachher so viel Erfolg hatte, ist für mich ein Wunder.“

Der damals 31-jährige Kicker wechselte in die nordamerikanische Soccer-Liga. Erst zu den Houston Hurricanes in die USA, dann zu den Calgary Boomers nach Kanada. In der Liga kickte damals noch der englische Fußball-Star George Best. Mit ihm trank „Zimbo“ einmal Kaffee. Best ist der, der einmal sagte: „Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst.“
Zimmermann lebt deutlich bescheidener. Einmal im Monat macht sich der 63-Jährige von Jüchen nach Düsseldorf auf, um mit Ex-Kollegen wie Gerd Zewe, Wilfried Woyke oder Dieter Brei zu plaudern. Über Vergangenes, Gegenwärtiges, Zukünftiges.

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