Fahrradverkehr

ADFC Duisburg fordert „Haifischzähne“ im Stadtverkehr

Barbara Aldag und Wolfgang Voßkamp vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) legen am Kreisverkehr in Ruhrort weiße Rosen nieder.

Barbara Aldag und Wolfgang Voßkamp vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) legen am Kreisverkehr in Ruhrort weiße Rosen nieder.

Foto: Martin Möller / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Zum „Ride of Silence“ erinnert der Fahrradclub an drei tragische Unfälle in Duisburg – und mahnt zu mehr Sicherheit für Fahrradfahrer im Alltag.

Es ist ein sehr persönlicher Augenblick als Steffen Bonacker am Ruhrorter Kreisel eine weiße Rose niederlegt. Dort, wo die Eisenbahnstraße auf Am Nordhafen und Hafenstraße trifft, kam 2018 ein 54-Jähriger Fahrradfahrer ums Leben. „Der Vater eines Arbeitskollegen“, sagt Bonacker und schweigt einen langen, intensiven Moment. Es radeln einige Menschen am Mittwochabend an der Stelle vorbei, an der ein sogenanntes Geisterfahrrad an tödliche Unfälle von Fahrradfahrern erinnert.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Duisburg hat das weiße Symbolrad vor einiger Zeit hier aufgestellt und nun zu einem „Ride of Silence“ aufgerufen. Diesmal keine „Demo“ wegen Corona, sondern jeder ist für sich unterwegs. Die „Tour der Stille“ führt aber an drei solcher tragischen Orte. Denn auch an der nicht weit entfernten Karl-Lehr-Brücke und an der Kreuzung Mündelheimer Straße, Ecke Kaiserswerther Straße in Huckingen wurden Fahrradfahrer die Opfer von abbiegenden LKW und Bussen, die nicht umsichtig genug handelten.

ADFC: Unfälle könnten vermieden werden

„Übersehen“ heißt das oft in den Nachrichten. Ein Ausdruck, der ADFC-Vorstandsprecher Herbert Fürmann regelrecht ärgert. Weil er so harmlos klingt und die Konflikte im Straßenverkehr unerwähnt lässt. „Meistens wird im Bericht noch erwähnt, dass der Fahrradfahrer keinen Helm trug“, wundert sich Fürmann.

Denn gegen einen tonnenschweren Laster hat auch der Helm keine Chance. Und gerade die Probleme des toten Winkels bei LKW und unübersichtliche Ecken kosten Radler das Leben. Dabei wären diese Unfälle zumindest technisch durch Spiegel, Tempobeschränkungen beim Abbiegen und deutlich sichtbare Radwege zu verhindern. ADFC-Mann Wolfgang Dewald zeigt das anhand des Ruhrorter Kreisels: Der rote Radweg ist an vielen Stellen kaum noch sichtbar, und dann kommt die besondere Situation des Kreisels hinzu. Hier darf zweispurig von der Eisenbahnstraße abgebogen werden. Fährt auf der linken Seite ein Bus oder LKW, versperrt er dem Fahrer auf der rechten Spur die Sicht. Dieser kann kaum erkennen, ob ein Fahrradfahrer durch den Kreisel fährt.

„Haifischzähne“ aus den Niederlanden sollen Vorbild sein

Diese schwierige Gemengelage hat offenbar auch 2018 zum tödlichen Unfall geführt. Dewald bemängelt aber ebenfalls die hohe Geschwindigkeit mit der Autofahrer in den Kreisel einbiegen, obwohl Tempo 30 gilt. Der geschmeidige Winkel verführt dazu, zudem hat der Rechtsabbieger seine eigene Spur, muss daher kaum mit Verkehr von links rechnen. „Wenn man aber die Spur so anlegen würde, dass man möglichst rechtwinklig abbiegen müsste, gehen Autofahrer von selbst runter vom Gas“, glaubt der ADFC-Mann.

Doch wie bedrohlich ist der Verkehr auf Duisburgs Straßen? Auf den ersten Blick scheinen die Zahlen in Duisburg weniger hoch als in anderen Städten: Vier Menschen sind 2019 im Straßenverkehr gestorben – davon ein Pedelec-Fahrer. 2019 ist die Zahl der verunglückten Fahrradfahrern einen guten Schwung nach unten gegangen auf 378. 2018 waren es 431, 2017: 392.

Für Dewald ist jedoch jeder Fahrrad-Unfall, erst recht die tödlichen, einer zu viel: „Unser Ziel ist ein Straßenverkehr ohne Tote“, sagt er. Dafür müsste Duisburg aus seiner Sicht oft nicht mal viel tun. Oft reiche schon Farbe, um die Radwege deutlich sichtbar zu machen. Oder „Haifischzähne“ wie in den Niederlande. Die „Haaientanden“ sind dreieckige Markierungen auf der Fahrbahn. Wer in Richtung der Zähne fährt, hat Vorfahrt, wer gegen sie fährt, wartet. Eine kleine Rampe entlang der Vorfahrt-achten-Spur sorgt zusätzlich für Aufmerksamkeit. Für Dewald ein einfaches und funktionierendes Prinzip, weil der Autofahrer achtsamer auf die Fahrbahn schauen muss. In Deutschland haben sie noch keinen offiziellen Status. Dewald aber hofft, dass sich dies bald ändert.

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