Strip-Show

Allein unter Frauen: Wie ich die Chippendales im TaM erlebte

Weg mit den Klamotten: Wenn sich die Chippendales im Duisburger Theater am Marientor die Kleidung vom Leib rissen, landete sie danach meistens im Publikum.

Weg mit den Klamotten: Wenn sich die Chippendales im Duisburger Theater am Marientor die Kleidung vom Leib rissen, landete sie danach meistens im Publikum.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Die berühmte Strippercombo „Chippendales“ gastierte im Duisburger TaM. Das war auch für unseren Autor ein eindrückliches Erlebnis.

Haben Sie sich schon mal so richtig fehl am Platze gefühlt? Ich schon, am Montagabend bei den Chippendales im Theater am Marientor. Das Stripperkollektiv hatte im TaM erwartungsgemäß ein weibliches Publikum zu bespielen, außer mir waren nur eine handvoll andere Männer da, und sie bekamen von einigen Frauen die gleichen Sprüche wie ich zu hören. Ob ich mich warm mache, vor meinem Auftritt. Hashtag #metoo. So ähnlich müssen sich also sexistische Macho-Sprüche im Büro anfühlen. Man mag sich nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn die Geschlechter in dieser Situation getauscht wären. Auf der Bühne lassen die amerikanischen Tänzer alle Hüllen fallen, ich fühle mich unzulänglich.

Chippendales entlocken dem Duisburger Publikum spitze Schreie

Die Damen im Publikum kreischen – zumindest so lange, bis die Chippendales sie auf die Bühne holen und vor der versammelten Mannschaft bloßstellen.

Auf die Toilette kann ich vor der Show übrigens nicht mehr gehen, das Herrenklo ist längst von den Frauen in Beschlag genommen worden. Also direkt in den Saal. Neben mit sitzen Katharina und Vicky aus Kamen, Letztere hat ihrer Freundin den Abend geschenkt. Sie hätten beide Freunde, sagen sie mir, aber sie wollten schon etwas geboten bekommen. Ob ich den Stripperfilm „Magic Mike“ gesehen habe, wollen sie wissen. Habe ich, natürlich nur der großartigen schauspielerischen Leistung Channing Tatums wegen.

Showunterhaltung wie in Hollywood – in Duisburg

„Das soll wie bei Magic Mike werden“, wünschen sich die beiden, und die Dramaturgie bekommen die Chippendales vom ersten Moment an wie im Kino hin. Unter wummernden Bässen reißen sich die neun Stripper die Hemden vom muskelbepackten Leib und hämmern ihren Schritt auf den Bühnenboden des TaM. Die Musik wird lauter, die neun Tänzer auf der Bühne spannen ihre Muskeln an, als gäbe es kein Morgen, ich fühle mich wie bei McFit. Unterhemden fliegen ins Publikum, ich lasse meinen Pulli lieber an.

Um der Polemik kurz eine Pause zu gönnen: Die athletische Leistung der Tänzer ist beeindruckend. Aber wie sie ihre Körper einsetzen ist hin und wieder, nun ja, etwas fragwürdig. Aber das ist ihr Job. Drei Zuschauerinnen werden auf die Bühne geholt und treten um einen „großen Preis“ gegeneinander an. Der große Preis entpuppt sich nachher als Kalender und ein Foto mit den Tänzern, aber das wissen die drei Teilnehmerinnen zu dem Zeitpunkt zum Glück noch nicht.

Professionelle Lapdances und archaische Orgasmen im Theater am Marientor

Kandidatin eins muss auf dem Schoß eines Chippendales tanzen, Katharina und Vicky kreischen. Warum? „Keine Ahnung, ist halt geil!“ Na gut. Kandidatin zwei ist Ü 60 und muss mit einem Tänzer ihre liebste sexuelle Position demonstrieren. Am Ende sitzt sie auf dem Muskelberg, als Zugabe rammelt der ein bisschen die Luft. Ich schaue mich um, wer wohl Arzt sein könnte, ich mache mir Sorgen um die Hüften der Kandidatin.

Schlimmer trifft es noch Kandidatin drei. Auf dem Schoß des Conferencier-Chippendales, der zu diesem Zeitpunkt schon ungewöhnlich lange angezogen ist, muss sie demonstrieren, wie sie beim Orgasmus klingt. Ein Urschrei hallt durch das TaM, ich bin ein bisschen froh, dass sie nicht meine Freundin ist. Die Freudenschreie von Katharina und Vicky bewegen sich mittlerweile im Ultraschallbereich, zu hören ist nur noch eine Art Hecheln. Die neun Astralkörper stehen in Unterhosen auf der Bühne, wenn man die Stofffetzen so nennen kann. Ich denke an James Bond („Ein hübsches kleines Nichts, das Sie da beinahe anhaben“).

In Duisburg fallen die letzten Hüllen und der Bachelor schaut vorbei

Als auch die Unterhosen wegfliegen, kippen Katharina und Vicky fast vom Stuhl. Ja, die Tänzer stehen mit dem Rücken zum Publikum, aber was hier und jetzt zählt, ist sowieso die Fantasie. Mit viel Fantasie ist Paul Janke übrigens auch ein Prominenter, der Ex-Bachelor darf sich bei den Chippendales auch ein bisschen ausziehen und moderieren, ich freue mich über seine hohe Piepsstimme – wenigstens eine Männlichkeitskategorie, in der ich vorne liege.

In der Pause stehe ich draußen, die Piccolos werden am laufenden Band vernichtet. Zusammen mit Timo, der seiner Freundin zuliebe mitgekommen ist, erkämpfe ich mir mein Gefühl der Männlichkeit zurück. Später ketten die Chippendales noch eine Frau auf der Bühne an. Katharina und Vicky jauchzen verzückt. Als ich zum Auto laufe, nehme ich mir vor, wieder öfter ins Fitnessstudio zu gehen.

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