Kunst

Christian Paulsens Zeichnungen passieren vor Ort

Christian Paulsen vor seiner Zeichnung „Lichtung“, die er von der Wand des Ausstellungsraums „abgenommen“ hat.

Christian Paulsen vor seiner Zeichnung „Lichtung“, die er von der Wand des Ausstellungsraums „abgenommen“ hat.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Das Künstlerhaus Goldstraße am Dellplatz in Duisburg zeigt seine Arbeiten in der Ausstellung „angezeichnet“. Der Künstler arbeitet an der Wand.

Die jüngste Zeichnung der Ausstellung „angezeichnet“ im Künstlerhaus Goldstraße ist am Dienstag entstanden. Sie ist mit 1,50 mal 4,50 Metern groß für eine Zeichnung. „Aber passt genau an die Wand“, sagt Christian Paulsen. „Je größer eine Arbeit ist, desto mehr Möglichkeiten gibt es, mit dem Auge spazieren zu gehen.“

Der 1954 geborene und in Essen aufgewachsene Künstler, der an der Folkwang-Schule studiert hat, bemüht sich für Ausstellung stets, eine Arbeit vor Ort entstehen zu lassen. Den Ausstellungsraum im Künstlerhaus habe er schon häufiger besucht und dabei offenbar „ausgelotet“. Denn Paulsen lässt sich ganz auf den Raum ein und befestigt das Papier – hier eine Bahn – direkt an der Wand. Mit Graphit und Kohle nimmt er dann sozusagen einen Abdruck von der Wand nimmt. Diese Technik der Frottage macht Oberflächenstrukturen sichtbar.

Flirrend-zarte Geflechte in Schwarz-Weiß entstehen schnell

Paulsen arbeitet schnell und konsequent Schwarz auf Weiß, auf dem Papier entstehen zarte, flirrende Geflechte, in die natürlich auch die Befindlichkeiten des Künstlers einfließen. In diesem „Flow“, also dem selbstvergessenen Fluss des Arbeitens, entsteht das Bild. Am Tag später prüft der Künstler dann noch einmal, was entstanden ist und arbeitet eventuell nach. „Lichtung“ heißt die Duisburger Zeichnung, die man auch als einen breiten Mund sehen kann, weil zwischen zwei flirrenden Geflechten eine schmale Fläche in der Mitte weiß bleibt.

Geisterhaft schwebende florale Formen

Neben diesem großformatigen Blatt sind überwiegen kleine Formate auch alle aus diesem Jahr ausgestellt, die deutlich machen, dass Paulsen stets in Serien arbeitet. Besonders zart sind die Arbeiten, bei denen er erforscht hat, wie die Abdrücke von Gegenstände aussehen, die er in Tusche taucht. Dabei arbeitet er nicht im Stehen, sondern sitzt am Tisch. Fast geisterhaft schweben diese Formen auf dem weißen Blatt. Oft erinnern sie an Pflanzenteile, wirken dreidimensional und sind zart wie Pusteblumen.

Die Ausstellung wird am Freitag, 15. November, um 19.30 Uhr eröffnet und bleibt bis zum 20. Dezember. Die Einführung hält ein prominenter Gast: Prof. Dr. Karin Stempel, ehemalige Leiterin des Kunstmuseums Mülheim und Kuratorin für den deutschen Beitrag zu den Biennalen in Sao Paulo 1996 und 1998.

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