Nach dem Bergbau

Die Barbarafeier in Duisburg-Walsum ist kleiner geworden

Der Knappenverein Duisburg-Walsum ehrte die Heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute.

Der Knappenverein Duisburg-Walsum ehrte die Heilige Barbara, die Schutzpatronin der Bergleute.

Foto: Frank Oppitz / FUNKE Foto Services

Duisburg-Walsum.  Zu Bergbauzeiten kamen zur Barbarafeier des Knappenvereins Walsum 2000 Gäste. Heute werden es weniger – die Knappen kämpfen gegen das Vergessen.

Wenn das Steigerlied erklingt, dann gibt es kaum einen Bergmann, der ruhig bleiben kann. So war es auch am Sonntagmorgen in Walsum vor dem Barbaradenkmal auf dem Platz der Erinnerung. Der Knappenverein Walsum war zum Gedenken an die Schutzheilige der Bergleute angetreten. Als das Bergmannslied schlechthin aus den Instrumenten der Bergkapelle Niederrhein erklang, sangen die meisten Anwesenden an dem verregneten Morgen lautstark mit. Einige der Knappen trugen dafür auch ihre Kittel. Das ist die feine schwarze Bergmannsuniform mit goldenen Knöpfen und Schachthut mit Federbusch.

Wie wichtig Barbara noch immer für die Kumpel ist, zeigte das Grubenunglück am 8. November in Sachsen-Anhalt, als nach einer Explosion 35 Arbeiter unter Tage verschüttet wurden. „Auch dank Deiner schützenden Hand wurden 35 Bergleute lebend gerettet“, sagt der Walsumer Knappenvorsitzende Udo Wandelt bei der Niederlegung eines Blumenbouquets vor dem Denkmal, das bis 2008 an der Schachtanlage Walsum gestanden hatte. Nach der Schließung wurde es von der RAG der Stadt Duisburg schenkungsweise überlassen und an seinen heutigen Standort gebracht. „Also sind wir auch mit der Barbarafeier hinterher gezogen“, erzählt Wandelt. Daneben halte Barbara auch ihre Hand über all jene Bergleute, die weltweit tätig sind, darunter leider auch Kinder. Selbst wenn ein Bergmann stirbt, sei Barbara da und sorge für seinen „Platz im Himmel“.

Duisburger Bergleute blicken neidisch auf die ehemalige Zeche in Dinslaken

Nach dem Festakt ging es in die evangelische Kirche Walsum-Aldenrade an der Schulstraße. Dort fand ein ökumenischer Gottesdienst unter Beteiligung des Glückauf Chors Walsum statt. Im Anschluss feierten die Bergleute im Gemeindezentrum. Dort gab es auch die Festrede von Dr. Michael Heidinger, dem Bürgermeister von Dinslaken, zu hören. „Wir blicken immer ein wenig neidisch nach Lohberg“, sagt Wandelt. Denn in dem Dinslakener Stadtteil wurde das ehemalige Zechengelände umgebaut und dient heute als Wohnfläche, aber auch als Kultur- und Naherholungsgebiet. In Walsum liegt das Gelände dagegen brach. „Ein Fördergerüst steht noch, aber wenn sich da niemand drum kümmert, stürzt das irgendwann ein“, sagt Wandelt.

Auch zur Barbarafeier waren der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link und der Walsumer Bezirksbürgermeister Georg Salomon gekommen. „Das tut Walsum unheimlich gut und hält die Gemeinschaft der Bergleute zusammen“, sagt Salomon, der früher selbst Bergmann war. Viel der Walsumer Infrastruktur sei auch dem Bergbau zu verdanken.

Bergleute: „Wir kämpfen dafür, nicht aus den Köpfen zu verschwinden“

„Wir kämpfen dafür, nicht aus den Köpfen zu verschwinden“, sagt Wandelt. Denn Nachwuchs zu bekommen, sei naturgemäß schwierig, weil der Steinkohlebergbau in Walsum seit 2008 und in ganz Deutschland seit 2018 vorbei ist.

Traditionell ist der Barbaratag am 4. Dezember. Der Knappenverein Walsum hat sich allerdings mit der evangelischen Kirche darauf verständigt, den Tag immer am zweiten Advent gemeinsam zu feiern. „Anfangs haben wir die Gemeinden immer gewechselt. Das war aber nicht so gut“, so Wandelt. Nunmehr haben sie eine Heimat für die Barbarafeier gefunden. Die fällt im Vergleich zu früher mit 150 bis 200 Gästen eher bescheiden aus. In Zeiten, als das Bergwerk noch lief, wurde in einem extra aufgebauten Zelt auf der Zeche mit bis zu 2000 Gästen gefeiert.

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