Baumängel

Drei Hochhäuser von Altro Mondo in Duisburg zwangsgeräumt

Am Mittwoch und Donnerstag erklärte die Stadt Duisburg drei Altro-Mondo-Wohnhäuser an der Wetzlarer Straße für unbewohnbar.

Am Mittwoch und Donnerstag erklärte die Stadt Duisburg drei Altro-Mondo-Wohnhäuser an der Wetzlarer Straße für unbewohnbar.

Foto: Michael Dahlke / Funke Foto Services

Duisburg.  Wegen gravierender Mängel hat die Stadt mehrere Altro-Mondo-Häuser in Duisburg geräumt. Mieter mussten ihre Wohnungen in zwei Stunden verlassen.

Wegen akuter Bauschutzmängel hat das Bauordnungsamt am Mittwoch drei mehrstöckige Wohnhäuser an der Wetzlarer Straße in Obermeiderich für unbewohnbar erklärt. Binnen weniger Stunden mussten die Mieter der Häuser Wetzlarer Straße 31, 33 und 39 ihre Wohnungen räumen. Der Grund: massive Brandschutzprobleme. Die Zahl der geräumten Altro-Mondo-Wohnhäuser alleine an der Wetzlarer Straße stieg somit auf sechs, wie die Stadt mitteilt.

Die Baukontrolleure und die Feuerwehr fanden bei ihrem Ortstermin im gesamten Gebäude nicht geschottete Versorgungsschächte. Das bedeutet: Bei einem Brand in einer einzigen Wohnung könnte sich der giftige Rauch binnen Minuten im ganzen Gebäude ausbreiten. Von der Räumung am Mittwoch sind allein in den zwei mehrstöckigen Häusern Nummer 33 und 39 etwa 46 Mieter betroffen, teilt die Stadt mit.

Zwangsräumung in Duisburg: „Innerhalb von zwei Stunden mussten wir alles packen“

Eine der Mieterinnen ist Angelika Mösch. Mit ihren drei Söhnen bewohnt sie eine Wohnung im Erdgeschoss in einem der zehnstöckigen Hochhäuser an der Wetzlarer Straße. Gegen 17.30 Uhr sollen die Mieter von der Bauaufsicht sowie der Stadt über die Räumung informiert worden sein. „Innerhalb von zwei Stunden mussten wir alles packen.“ Angelika Mösch verstaut die wichtigsten Papiere und ein paar Anziehsachen – der Rest bleibt in der Wohnung zurück.

„Ich habe hier 36 Jahre gewohnt“, erzählt die 64-Jährige auch ein bisschen wehmütig. „Man kennt jeden, hat Freundschaften geschlossen.“

Die Missstände und Probleme in dem Wohnhaus sollen aber massiv gewesen sein: „Wir hatten keinen Hausmeister, es gab Mängel an der Heizung und Schwarzschimmel.“

Ihre Wohnung im Erdgeschoss sei zum Glück nicht betroffen gewesen, so Mösch. Gravierende Probleme gab es dennoch: Ein verstopftes Rohr im Keller sorgte für eine Überschwemmung. „Abwasser, Fäkalien – wir hatten alles in der Wohnung.“ Bis das Problem beseitigt wurde, sollen Tage vergangenen sein. Auch der Allgemeinstrom in Fluren, Treppenhaus und Keller soll über Tage nicht funktioniert haben.

Räumung der Altro-Mondo-Häuser: 27 Personen sind in Notunterkünften

Regelmäßig sollen die Mieter über die Missstände informiert haben. Per E-Mail an den Vermieter etwa. „Da warte ich bis heute noch auf Antwort.“ Auch auf Anrufe soll das Immobilienunternehmen nicht reagiert haben. „Es gibt Nachbarn, die leben seit fünf Jahren ohne Heizung“, beklagt Mösch.

27 Personen sind in einer Notunterkunft an der Memelstraße untergekommen, so eine Stadtsprecherin. Die Stadtverwaltung bemüht sich um Ersatzwohnungen für die betroffenen Mieter. „Grundsätzlich wäre es Sache des Vermieters, Ersatzwohnraum zu stellen. Die Stadt springt hier lediglich ein“, wie eine Sprecherin mitteilt.

„Ich bin bei meiner Tochter in Hamborn untergekommen“, sagt Angelika Mösch. Das kann keine Dauerlösung sein: „Ich bin auf Wohnungssuche. Wenn ich eine Wohnung gefunden habe, darf ich meine Möbel abholen.“

Mieterschutzbund fordert Instandsetzung der Immobilien

„Altro Mondo betreibt über 700 Sozialwohnungen in Duisburg. Die Hälfte darf aber nicht mehr bewohnt werden“, teilt Peter Heß vom Mieterschutzbund in Duisburg mit. Gerade vor dem Hintergrund, dass in Duisburg Sozialwohnungen fehlen, sei ein Durchgreifen der Stadt Duisburg wünschenswert, damit Wohnraum schnell wieder nutzbar wird. Druck könne etwa durch Zwangsgeldfestsetzungen ausgeübt werden, damit erhebliche Mängel, etwa defekte Feuerschutztüren, schnell beseitigt werden, so Heß.

Bei den geräumten Objekten an der Wetzlarer Straße ist laut Aussage des Mieterschutzbundes Duisburg der Anteil der Mieter hoch, die Transferleistungen erhalten. „Das ist Teil des Kalküls von Altro Mondo“, bemängelt Heß. Die Mieter seien oft nicht in der Lage, sich zu wehren. „Sie machen den wenigsten Ärger“ und, ein Vorteil, „die Miete wird vom Amt gezahlt.“

Wohnungsaufsicht: 42 laufende Verfahren gegen Altro Mondo

Beschwerden über Altro Mondo beschäftigen mittlerweile auch das zuständige NRW-Ministerium. Vor einigen Wochen gab es landesweite Kontrollen von Immobilien, die von Altro Mondo vermietet werden.

Noch vor der Räumung der drei Hochhäuser in Duisburg teilte Altro Mondo auf Nachfrage mit: „Wir werden die von den Ordnungsbehörden der zehn nordrhein-westfälischen Städte festgestellten Mängel sorgfältig prüfen und – soweit die Beschwerden berechtigt sind – so schnell wie möglich abstellen.“ Telefonisch war das Unternehmen nicht erreichbar.

Die Wohnungsaufsicht kümmert sich aktuell um 42 laufende Verfahren, etwa wegen Rohrleitungsschäden, defekten Aufzügen und kaputten Klingelanlagen in Gebäuden von Altro Mondo, so die Stadt Duisburg.

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