Klimawandel

Duisburg: Fridays for Future ist zurück auf der Straße

Duisburg: Fridays for Future ist nach der Corona-Pause zurück auf der Straße. 

Duisburg: Fridays for Future ist nach der Corona-Pause zurück auf der Straße. 

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Duisburg  Fridays for Future protestieren in Duisburg wieder. Auf der Königstraße haben sie eine Menschenkette gebildet – nicht zur Freude aller.

Mitten auf der belebten Königstraße, gegenüber vom Forum, postieren sich am Freitagnachmittag etwa 50 Demonstrierende zu einer langen Menschenkette – im coronakonformen Abstand von 1,50 Metern zueinander, alle mit Mundschutz. In die Luft halten sie Plakate wie „Make Love Not CO2“ und „Überfischung verbieten“. Etwa die Hälfte sind Schüler und Studenten, die andere Hälfte ältere Menschen. Es ist 14 Uhr, ein schwüler Wind fegt durch die Stadt und Fridays for Future (FFF) ist zurück auf der Straße.

Doch vieles ist an diesem Freitag anders im Vergleich zur vergangen Demonstration am 6. März. „Es war ein großer Aufwand, den Klimastreik unter Coronabedindungen zu planen“, sagt Yannick Redweik, 22, einer der Organisatoren der Aktion. „Wir mussten ein Hygienekonzept entwickeln.“

Auf dem Boden entlang der Königstraße haben sie rote Kreuze gesprüht, die den Abstand der Menschenkette vorgeben. „Wir machen heute keine Laufdemonstration, sondern versammeln uns im Zentrum der Stadt“, erklärt Redweik, der eine selbstgenähte Maske trägt und sich häufig die Hände desinfiziert.

Duisburg: Fridays for Future ist nach der Corona-Pause wieder auf der Straße

Die meisten Passanten laufen an der Menschenkette vorbei, schielen nur kurz auf die Plakate. Als der Schüler Tim Rathaj beginnt, eine Rede zu halten, stoppt ein dunkel gekleideter Mann mit seinem Fahrrad, um zuzuhören. Er schüttelt den Kopf, als der 18-Jährige Rathaj seine Vorstellungen für Duisburg darlegt: eine begrünte und autofreie Innenstadt, ausgebaute Fahrradwege, kostenloser ÖPNV.

Der Radfahrer, er bezeichnet sich als Alt-68er, hält die Forderungen für „realitätsfern“. Auf die Frage, was gegen den Klimawandel zu tun sei, ist er dann aber doch, ohne es zugeben zu wollen, sehr nah bei FFF: „Weniger Fleisch essen, weniger Autofahren, die Rodung der Wälder stoppen.“

Protest ins Internet verlagert

Die Duisburger FFF-Aktivisten waren in Corona-Pause nicht untätig. Redweik erzählt, dass sie Bäume gepflanzt und auf Instagram Bilder und Videos geteilt haben, um auf schädlichen Wasserverbrauch und die Lage in Flüchtlingscamps auf Lesbos aufmerksam zu machen. „Wir haben vieles ins Digitale verschoben.“

Dass der CO2-Ausstoß im Zuge der Einschränkungen zurückgegangen ist, ist für Redweik kein Anlass zur Freude. „Durch die Pandemie sind tausende Menschen gestorben. Es ist unmoralisch, sich jetzt aus Klimagründen über Corona zu freuen“, sagt er.

Er könne nicht abschätzen, ob die Pandemie FFF geschadet habe. Fest stehe, dass die Klimakrise mindestens genauso dramatisch sei wie die Coronakrise. Es sei aber traurig, wenn der Kampf um Nachhaltigkeit nun in den Hintergrund rücke. „Die Medien berichten seit Corona weniger über Klima“, sagt Hannah Schauer, 21, die auch für FFF Demonstrationen in Duisburg organisiert.

FFF-Aktivistin: Coronakrise ist eine Chance

Sie sieht in der Krise auch eine Chance. „Wir dürfen jetzt nach den Einschränkungen nicht wieder in dieselben Konsummuster wie vor der Pandemie zurückfallen.“ Corona habe vielen Unternehmen gezeigt, dass sie auf Flugreisen verzichten und mehr digital erledigen könnten.

Von der Politik fordert die Mathematik-Studentin, gegen die Klimakatastrophe genau so energisch vorzugehen, wie gegen Corona. „Offenbar ist es doch möglich eine Krise wie eine Krise zu behandeln“ sagt sie. Nun komme es darauf an, die Wirtschaft ökologisch nachhaltig wieder aufzubauen. „Die Abwrackprämie ist genau das, was wir jetzt nicht brauchen.“

„Der Stadt fehlt zwar auch Geld, aber vor allem Mut.“

Sie kritisiert den ÖPNV in Duisburg. "Wir haben 500.000 Einwohner und nur vier Straßenbahnlinien." Bus und Bahn müssten extrem ausgebaut werden. „Aber stattdessen baut Sören Link jetzt ein Parkhaus neben die Uni, um Studierenden das Autofahren noch bequemer zu machen.“ Sie habe nicht den Eindruck, dass der Oberbürgermeister Link (SPD) daran gelegen sei, gegen die Klimakatastrophe zu kämpfen. „Der Stadt fehlt zwar auch Geld, aber vor allem Mut.“

Nach einer Stunde ist der Protest vorbei. Redweik sagt: „Ist perfekt gelaufen.“ Er habe nicht mit so vielen Teilnehmern gerechnet. Ob es bald wieder Großdemonstrationen gebe, könne er wegen der unsicheren Lage nicht sagen.

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