Coronavirus

Duisburg: Wie Corona den Abschied von Verstorbenen verändert

Ein Foto vom Friedhof Mühlenberg in Duisburg. In der Corona-Krise sind Beisetzungen reglementiert: So hat sich der Abschied von Verstorbenen verändert. (Archivfoto)

Ein Foto vom Friedhof Mühlenberg in Duisburg. In der Corona-Krise sind Beisetzungen reglementiert: So hat sich der Abschied von Verstorbenen verändert. (Archivfoto)

Foto: Ulla Michels / FUNKE Foto Services

Duisburg  Für Beisetzungen in Duisburg gibt es strenge Regeln. Sie sind eine schwere Prüfung für Bestatter und Angehörige. Über Tränen mit Mindestabstand.

Sich beschränken, lautet die aktuelle Devise auf Duisburgs Friedhöfen. Um das Risiko der Ansteckung mit dem Coronavirus zu verringern, dürfen an Beisetzungen „nur maximal zehn Personen teilnehmen“, erklärt der Duisburger Bestatter Martin Kretschmer.

Hinterbliebene stellt diese Regelung vor Probleme: „Sie müssen selektieren: Wer darf mit zum Friedhof – und wer muss am Tor zurückbleiben?“ Ein Frage, mit der sich Angehörige im Trauerprozess in der Vergangenheit nicht belasten mussten.

Corona: Auf Duisburgers Friedhöfen sind Trauerhallen geschlossen

Auch eine klassische Beerdigungs-Zeremonie fehlt in der Corona-Krise. Die Trauerhallen auf den Friedhöfen der Stadt sind geschlossen – stattdessen treffen sich Gesellschaften direkt am Grab für die Beisetzung oder es gibt einen kleinen Trauermarsch von der Kapelle aus. In jedem Fall dürfen Angehörige nur noch „unter freiem Himmel“ Abschied nehmen, erklärt Kretschmer, der in Duisburg Vorsitzender des Stadtverbandes der Bestatter ist.

Ist der Tod eines geliebten Menschen für Familien ein Grund, näher zusammenzurücken, verlangt die aktuelle Situation von Angehörigen Trauer und Tränen mit Mindestabstand. Auch zum Pastor oder Bestatter muss Abstand eingehalten werden. Dies erschwere für Kretschmer die Aufgabe des „Seelsorgers“. War er Angehörigen sonst eine Stütze, so darf er den Menschen nicht zu nah kommen. „Es ist schwierig, auf Distanz zu gehen.“ Besonders wenn „Angehörige Nähe suchen, sie aber nicht finden dürfen“, sagt der Bestatter.

Beerdigung in Zeiten von Corona: Liste mit Namen der Gäste

Was ebenfalls auf Friedhöfen in Duisburg gilt: Bestatter müssen eine Liste mit Namen, Adressen und Telefonnummern der Gäste führen und diese für das Gesundheitsamt bereithalten. So lassen sich Kontaktpersonen im Falle einer nachträglich bekannt werdenden Infektion schneller zurückverfolgen. Unter den Trauergästen befinden sich schließlich oft auch ältere Menschen, die besonders gefährdet sind.

Nach der Beerdigung fällt auch das Beisammensein bei Kaffee und Kuchen aus. Denn: Cafés haben geschlossen. Für den Trauerprozess ist das eine weitere Herausforderung, erklärt Kretschmer. Denn am Tisch werden oft „Anekdoten über den Verstorbenen ausgetauscht“, was vielen Hinterbliebenen bei der Verarbeitung hilft. Bei Trauerfloristik stellt der Bestatter hingegen keine Veränderungen fest. „Jeder Blumenwunsch konnte bisher erfüllt werden.“

Verschiebung der Beisetzung bei Urnenbestattung möglich

Der Duisburger Bestatter erlebt, dass Angehörige bei Trauerfeiern sehr verantwortungsvoll mit der aktuellen Situation umgehen. Sie sind sensibilisiert und haben sich mit der Situation „arrangiert“. Angesichts der Einschränkungen entscheiden sich einige Angehörige aber für eine Verschiebung der Beisetzung, erklärt Kretschmer. Während bei einer Urnenbestattung nach der Einäscherung die Beisetzung um sechs Wochen verschoben werden kann, drängt bei Sargbestattungen die Zeit. Per Gesetz müsse eine Beisetzung im Sarg „innerhalb von 10 Tagen“ erfolgen, erklärt Kretschmer.

Der Bestatter ermöglicht Angehörigen auch, die Trauerfeier zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Doch trauerpsychologisch könne das für so manches Familienmitglied auch belastend sein. „Es reißt Einiges auf“, sagt Kretschmer. Monate nach dem Tod eines geliebten Menschen befinden sich Hinterbliebene oft schon in einer neuen Trauerphase.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben