Inklusion

Duisburger Eltern klagen über Mangel an Förderschulen

Sonderpädagogen gesucht: Das Archivbild zeigt Martin Drenkpohl (links) im Unterricht in der Waldschule in Buchholz.

Foto: Fabian Strauch

Sonderpädagogen gesucht: Das Archivbild zeigt Martin Drenkpohl (links) im Unterricht in der Waldschule in Buchholz. Foto: Fabian Strauch

Duisburg.   Die Elternschaft Duisburger Schulen beklagt Missstände beim Unterricht für Schüler mit besonderem Förderbedarf. Schulbildung werde kaputtgespart.

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Eltern schlagen Alarm: Christina Herold bemängelt als Vorsitzende der Elternschaft Duisburger Schulen (EDuS), dass „die Duisburger Schulen nun seit mehreren Jahren unter einem gewaltigen Mangel an Lehrern, vor allem auch an Sonderpädagogen leiden“, schreibt sie in einem öffentlichen Brandbrief. Viele der Pädagogen seien durch das kaputtgesparte System überlastet und dauerhaft krank.

Das Konzept der Inklusion, also des gemeinsamen Lernens von Kindern mit und ohne Behinderung, sei vom Konzept her gut, in der Umsetzung jedoch mangelhaft. Damit die Integration in den Klassen gelingen kann, kümmern sich Sonderpädagogen um die Schüler mit besonderem Förderbedarf – von ihnen gibt es einfach zu wenige. „Angesichts steigender Geburtenraten und Zuwanderung ergibt sich durch den Mangel ein unhaltbarer Zustand an den Schulen.“

Wahl zwischen Förder- und Regelschule

Vor Ort haben Eltern von Kindern mit sonderpädagogischem Förderbedarf die Wahl, ob sie ihre Kinder im gemeinsamen Lernen an einer Regelschule oder an einer Förderschule anmelden. Das Inklusions-Angebot wurde daher flächendeckend stärker ausgebaut, während einige Förderschulen geschlossen wurden.

Gleichzeitig hat Duisburg jedoch an Förderschulen festgehalten – 17 sind es insgesamt. Nach wie vor legen Eltern viel Wert auf diese Wahlmöglichkeit. Jedoch steigen auch die Anmeldezahlen an den Regelschulen. Aus Mangel an Plätzen bekommen Eltern nur die Wahl zwischen einer Förderschule und einem einzigen weiteren Förderort, der durch das Schulamt zugewiesen wird. Dies führe zu großer Unzufriedenheit.

Ein Viertel der Stellen sind an einer Förderschule offen

An den Regel- und Förderschulen seien die Ressourcen so ausgedünnt, dass es überall krankt. Etwa in der Förderschule Am Rönsbergshof in Beeck, wo ein Viertel der Stellen unbesetzt ist und Unterricht ausfällt. Zudem gebe es „massiven Unterrichtsausfall wegen Nachwuchsproblemen, Förderschulen, die nur noch mit reduzierter Stundentafel unterrichten“, so dass Eltern gezwungen sind, Arbeitszeiten zu verkürzen, um die Betreuung zu organisieren.

„Die pädagogische Arbeit unserer Lehrer wird immer stärker durch ein System der Mangelverwaltung ersetzt“, so Herold. Viele Sonderpädagogen haben keine Zeit mehr, sich ausreichend mit den Kindern zu beschäftigen. Klassenfrequenzen übersteigen das Maß der guten Beschulbarkeit, Lehrerzimmer würden aus Raumnot zu Klassenzimmern umfunktioniert. Schulbegleiter und Lehrer müssten Kinder mit Handicap die Treppen hochtragen, um Teilhabe zu ermöglichen. Dies führe dazu, dass sie der Belastung nicht mehr standhalten, sich krankmelden „und regelrecht verbrennen“.

Schulbildung werde „systematisch kaputtgespart“

„Völliges Versagen der Schulpolitik“, nennt Herold das und fragt: „Wo bleibt das Recht aller Kinder auf qualitativ hochwertige und inklusive Bildung?“ Ohne adäquate Anstrengungen werde der Standort Duisburg abgehängt.

„Wir haben kein Verständnis dafür, dass die Schulbildung in unserer Stadt seit Jahren systematisch kaputtgespart wird.“ Die Eltern fordern schnellere Lösungen von Amtsträgern, „die dafür Sorge zu tragen haben, dass den Kindern das Recht auf gute Schulbildung zukommt, die ihnen per Gesetz zusteht.“

>>> Inklusion ist ein Menschenrecht

In der UN-Behindertenrechtskonvention ist Inklusion als Menschenrecht festgeschrieben. Vom gemeinsamen Lernen sollen auch Kinder ohne Förderbedarf profitieren, weil die Individualität jedes Kindes in den Mittelpunkt des Lernens rückt.

In Duisburg gibt es 17 Förderschulen mit unterschiedlichen Förderschwerpunkten.

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