Gericht

Duisburger Fälscher (40) lebte aus Angst Jahre im Untergrund

Die Waage ziert als Symbol der Gerechtigkeit auch die Fassade des 1876 fertig gestellten ältesten Gebäudeteils des Land- und Amtsgerichts Duisburg.

Die Waage ziert als Symbol der Gerechtigkeit auch die Fassade des 1876 fertig gestellten ältesten Gebäudeteils des Land- und Amtsgerichts Duisburg.

Foto: Foto: Maira Schmidt

Duisburg.  Aus Angst vor einer Strafe lebte ein Urkundenfälscher aus Duisburg sechs Jahre im Untergrund. Das Amtsgericht gab ihm eine Bewährungschance.

Manchmal ist die Angst vor einer Bestrafung schlimmer als die eigentliche Strafe. So war das wohl auch im Falle eines 40-jährigen Meiderichers, der wegen Urkundenfälschung vor dem Amtsgericht stand. Aus Angst vor einer mehrjährigen Haftstrafe hatte er sechs Jahre im Untergrund gelebt. Nach der Verhandlung, in der er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt wurde, konnte er den Gerichtssaal als freier Mann verlassen.

Der Angeklagte gestand in der nur knapp einstündigen Verhandlung rückhaltlos ein, zwischen April 2012 und April 2013 in mindestens 36 Fällen Bescheinigungen über den Einbau von Rußpartikelfiltern in ältere Dieselfahrzeuge gefälscht zu haben. Er bastelte die Papiere, die den Eigentümern Steuervorteile und vor allem die Zuteilung einer Umweltplakette gestatteten, am heimischen Computer.

Kunden zahlten bereitwillig

Auftraggeber war ein ihm seit 20 Jahren bekannter Autohändler und Kfz-Mechaniker gewesen. Dem zahlten die Kunden, die teils arglos handelten, teilweise aber auch wussten, dass nie ein entsprechender Filter eingebaut worden war, zwischen 400 und 900 Euro. „Ich habe pro Urkunde nur 50 bis 100 Euro bekommen“, so der Angeklagte.

Ein wahrlich geringer Lohn für das, was folgte: „Jemand hat mir gesagt, ich müsste für die Sache mindestens fünf Jahre hinter Gitter.“ Aus Angst vor der Vollstreckung eines Haftbefehls tauchte der 40-Jährige unter. Er verbarg sich bei einem Freund, verdiente sich seinen kargen Lebensunterhalt mit Autoreparaturen unter der Hand, war - trotz einer Diabetes-Erkrankung - nicht krankenversichert.

18 Monate mit Bewährung

Tränen der Erleichterung rannen dem Angeklagten über das Gesicht als das Schöffengericht das Urteil verkündete: Eine 18-monatige Strafe wurde auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Sogar der Drahtzieher des Falles war 2016 vor dem Landgericht mit einer Bewährungsstrafe davon gekommen. Aber das hatte der 40-Jährige erst nach seiner Festnahme vor gut zwei Monaten erfahren.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben