Gericht

Duisburger Paar gesteht Kindesmisshandlungen ein

Die Angeklagten zu Verhandlungsbeginn. In der Mitte die beiden Strafverteidiger Ralf Büscher und Christian Grotenhöfer.

Die Angeklagten zu Verhandlungsbeginn. In der Mitte die beiden Strafverteidiger Ralf Büscher und Christian Grotenhöfer.

Foto: Foto: Christoph Wojtyczka

Duisburg.  Wegen Kindesmisshandlung steht ein Duisburger Paar vor dem Landgericht. Anrührendes und schockierendes Video der Vernehmung des Mädchens gezeigt.

Dieses Geständnis hinterlässt einen schalen Beigeschmack: Durch eine sehr knappe Erklärung ihrer Verteidiger räumte ein Paar aus Hamborn am zweiten Verhandlungstag vor dem Landgericht die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft ein. Von 2016 bis zum April 2017 hatte der 32-jährige Angeklagte die Tochter seiner Lebensgefährtin immer wieder brutal misshandelt. Die 31-jährige Mutter des Kindes sah zu. Ein Video zeigte die anrührende Vernehmung des Kindes.

Die Anklage ging von 130 Fällen aus, in denen der Angeklagte dem Mädchen durch Schläge mit einem Lineal Blutergüsse auf der Sitzfläche zugefügt hatte. Es seien aber deutlich weniger Fälle gewesen, so die Verteidiger. Die Strafkammer signalisierte, dass am Ende nur von 50 Fällen ausgegangen werden soll. Für das Strafmaß hat das eh keine Bedeutung.

Video zeigte anrührende Vernehmung des Kindes

Was das Motiv für die Misshandlungen war, wird der Strafprozess nun voraussichtlich nicht mehr klären. Der zu Beginn der Taten neun Jahre alten Geschädigten bleibt eine Zeugenvernehmung nun erspart. Allerdings vermittelte die Aufzeichnung einer Vernehmung des Kindes bei der Polizei, die das Gericht am Mittwoch vorspielen ließ, einen bleibenden Eindruck. Unter Tränen berichtete die junge Zeugin dabei von den zahlreichen Fällen, in denen sie traktiert worden war. „Er hat mich über das Knie gelegt, zum Beispiel wenn ich nur gefragt habe, was es zu Essen gibt.“ Ihre Mutter habe teilnahmslos zugeschaut. „Sie hat fast jeden Abend eine Flasche Rum getrunken.“

Auch zu den in der Anklage aufgeführten sexuellen Annäherungen des Angeklagten machte die junge Zeugin Angaben. „Er wollte immer, dass ich mich zu ihm ins Bett lege und er hat mich überall gestreichelt.“ Sie habe dem Freund ihrer Mutter gesagt, dass ihr Körper ihr gehöre. „Er hat gesagt: Nein, dein Körper gehört mir.“

Neunjährige wurde vielfach drangsaliert und vernachlässigt

Eine Zeugin, die mit der Großmutter des Mädchens befreundet war, hatte bereits zuvor berichtet, dass sie großes Mitleid mit dem Nachbarskind hatte. „Es war ein aufgewecktes, freundliches und fröhliches Kind“, so die Zeugin. Allerdings habe sich das bald geändert, nachdem die Angeklagte mit ihrem Freund zusammen gezogen war. „Sie hat mich nur heimlich besucht.“ Die meisten Kontakte, oder der Besuch einer Bibliothek, seien dem Kind verboten worden. Es habe sich die meiste Zeit in einer kleinen Kammer unter dem Dach aufhalten müssen, in der es im Sommer zu heiß und im Winter zu kalt war. „Und sie hat offenbar nicht genug zu Essen bekommen.“

Für das Verfahren sind bis Ende des Monats noch zwei weitere Sitzungstage geplant.

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