Universität der Künste

Folkwang geht bei Duisburger Meisterkurs neue Wege

Bei der Probe am ersten Tag des Meisterkurses: Natan Tishin (1. Violine), Joaquin Font (Klavier) und Ferhad Mehmet (2. Violine), Davit Sarukhanyan (Klarinette), Anna Bougie (Viola) und Che Wei-Li (Cello).

Bei der Probe am ersten Tag des Meisterkurses: Natan Tishin (1. Violine), Joaquin Font (Klavier) und Ferhad Mehmet (2. Violine), Davit Sarukhanyan (Klarinette), Anna Bougie (Viola) und Che Wei-Li (Cello).

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Der 20. Meisterkurs für den musikalischen Nachwuchs rückt näher an die Praxis – mit zwei Solo-Streichern der Duisburger Philharmoniker.

In der mittlerweile 20-jährigen Tradition der vom ehemaligen Kulturdezernenten Konrad Schilling in Gang gesetzten „Meisterkurse“ für musikalische Nachwuchskräfte unter Federführung der Folkwang Universität der Künste beschritt man in diesem Jahr neue Wege. Keine Super-Stars der Musikszene arbeiteten zwei Tage intensiv mit 16 Studentinnen und Studenten unterschiedlicher Altersstufen, sondern zwei Dozenten der Hochschule und zwei Solo-Streicher der Duisburger Philharmoniker.

Damit rücken die praxisnahen Erfahrungen langjähriger Dozenten, praktizierender Solisten und Orchestermusiker in den Focus der Arbeit. Prof. Thomas Hoppe ist ausgewiesener Kenner der Kammermusik mit Klavier, Prof. Emile Cantor ein renommierter Bratschist und Thomas Feger (Viola) und Friedemann Pardall (Violoncello) sind von den Solo-Pulten der Duisburger Philharmoniker nicht wegzudenken. Interessant, wie eng Hochschul-Dozenten und Orchesterpraktiker an diesem Wochenende zusammenarbeiteten, wie sie teilweise eine Gruppe gemeinsam betreuten, in einigen Stücken selbst mit musizierten und sich über das Feedback der Kollegen freuten.

Bei Schostakowitsch werden Klavier- und Streicherpart getrennt bearbeitet

Bei einem so anspruchsvollen Werk wie Dmitri Schostakowitschs Zweitem Klaviertrio etwa teilten sich Thomas Hoppe und Friedemann Pardall die Arbeit, wodurch die spezifischen Probleme der Klavier- und Streicherparts sowie des nicht einfachen Zusammenwirkens aus unterschiedlich akzentuierten Perspektiven angegangen werden konnten.

Beeindruckend, wie Friedemann Pardall dem Cellisten Doh-Hee Lee mit seinen Erfahrungen vermitteln konnte, wie sich die schwierige Flageolett-Einleitung zum zweiten Satz spieltechnisch erleichtern lässt, um das gewünschte „frostige“ Klima erzielen zu können.

Das Programm des Abschlusskonzerts reicht von Kodály bis Brahms

Das Abschlusskonzert im recht gut besuchten Konzertsaal an der Düsseldorfer Straße wurde zu einem bunten Treffen von Dozenten, Orchesterpraktikern und Studenten unterschiedlichster Altersgruppen und Herkunftsländer. Angefangen mit einer spielfreudigen Interpretation von Zoltán Kodálys Eingangssatz zur Serenade für zwei Violinen und Viola durch Celina Nenninger (Violine) und Anatoly Moseler (Violine), betreut und von Cantor an der Viola unterstützt, den jüngsten Teilnehmern des Felds, bis zu einem Brahms-Vortrag der gestandenen Kursleiter Feger, Pardall und Hoppe.

Wie stark Musik Grenzen überwinden kann, zeigte eindrucksvoll die Besetzung der „Ouverture sur des Thèmes Juifs“ op. 34 von Sergej Prokofieff. Ein Stück über ein jüdisches Thema mit dem Israeli Natan Tishin an der Violine, der Französin Anna Bougie an der Bratsche, dem Chinesen Che Wei-Li am Violoncello und dem Spanier Joaquin Font am Klavier.

Wieder einmal zeigt sich: Musik überwindet Grenzen

Besonders erwähnenswert, dass sich in diesem Umfeld ein Türke wie der Geiger Ferhad Mehmet und ein Armenier wie der Klarinettist Davit Sarukhanyan so harmonisch vertragen, wie man es sich auf der großen politischen Bühne nur wünschen kann. Haydn, Mendelssohn, Kodály, Mozart, Prokofieff, Brahms und Schostakowitsch: An der Fülle und Vielfalt des Programms gab es ebenso wenig auszusetzen wie an der durchweg hohen Qualität der Interpretationen Ein Versuch der Meisterkurs-Reform, der in die richtige Richtung weist.

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