Theater

Hochdramatisch: Ben Becker in Duisburg als Verräter Judas

Ben Becker trat in der Mercatorhalle als Judas auf.

Ben Becker trat in der Mercatorhalle als Judas auf.

Foto: Veranstalter

Duisburg.  Ben Becker beeindruckt mit einer dramatischen Inszenierung als Verräter Judas Ischariot in der Duisburger Mercatorhalle.

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Bereits mit seinen Bibel-Lesungen folgte der Schauspieler Ben Becker seinem alten Kollegen Klaus Kinski, der sich einst als blonder Dämon mit Judas an den berühmtesten Verräter der Kultur- und Religions-Geschichte wagte. War Kinski immer für einen Skandal zu haben, so ist ihm der 54 Jahre alte Ben Becker immer ähnlicher geworden, dessen Eskapaden mit unter anderem verprügelten Presse-Fotografen inzwischen auch schon die Boulevard-Medien erreicht haben.

„Ben Becker. Ich, Judas“ lautet der Titel seines aktuellen Programms, mit dem sich der streitbare Mime derzeit auf Deutschlands Bühnen wagt. Dabei hat der Film- und Theater-Schauspieler und Stiefsohn Otto Sanders, der diesen zumindest optisch und mit seiner rauen Stimme verblüffend beerbt hat, offenbar beim Publikum viel Erfolg.

Geschichte des Judas muss neu geschrieben werden

In der Rolle des verhassten Verräters Judas Ischariot, der Jesus mit seinem tödlichen Kuss ans Kreuz gebracht haben soll, verteidigt Becker in dieser durchaus originellen Inszenierung den finsteren Jünger Jesu mit einem Text des verstorbenen Tübinger Rhetorik-Professors Walter Jens. Denn die Geschichte des Judas, der als Sündenbock für die Ewigkeit ohne Chancen auf Freispruch gebrandmarkt ist, muss demnach neu geschrieben werden.

Denn dass Jesus Gottes Sohn und der Messias sei, habe dieser der Welt schon vor dem Verrat verkündet. So sei damals vor gut 2000 Jahren in dieser Sache gar nichts zu verraten gewesen. Doch dem scheinbaren Verräter wurde niemals verziehen. Wie es heißt, habe Judas ihn nicht verraten, sondern ihm lediglich gehorcht.

Ein tobender und weinender Vollblut-Schauspieler

Begleitet von dem Domorganisten Andreas Sieling, der diese hochdramatische Inszenierung mit sakraler Wucht zu einem Ereignis macht, spricht und schreit Ben Becker hoch emotional seinen beeindruckenden Monolog, in dem er selbst die Rolle des Verräters übernimmt.

Doch zunächst liest Becker aus dem Matthäus-Evangelium, dann einen Judas-Text von Amos Oz. Andreas Sieling improvisiert mit Donnerhall auf der großen Orgel und erst zuletzt folgt der Monolog von Walter Jens. Von den für seinen Verrat, der doch gar keiner war, erhaltenen 30 Silberlingen sei immer noch die schändliche Rede. Ganz in Weiß gekleidet tobt und weint der Vollblut-Schauspieler Becker auf der karg ausgestatteten Bühne der längst nicht ausverkauften Mercatorhalle, deren Besucher sich vom biblischen Spiel fasziniert zeigten.

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