Kies

Industrie will riesiges Kiesabbaugebiet am Rhein in Duisburg

Kies und Sand sind notwendige Rohstoffe für Brücken und Straßen. Doch der Abbau schadet der Umwelt.

Kies und Sand sind notwendige Rohstoffe für Brücken und Straßen. Doch der Abbau schadet der Umwelt.

Foto: Roland Weihrauch / dpa

Duisburg.  Auf 92 Hektar soll am Mündelheimer Bogen ein Kiesabbaugebiet entstehen. Gegen die Pläne der Kiesindustrie gibt es Widerstand, auch von der Stadt.

Ein riesiges Kiesabbaugebiet soll in Duisburg entstehen: Auf 92 Hektar soll im sogenannten Mündelheimer Bogen Kies abgebaut werden, so der Vorschlag von IHK Niederrhein und Vero, dem Verband der Bau- und Rohstoffindustrie. Neun Gebiete schlagen die beiden Verbände am Niederrhein vor. Das Duisburger Areal am Rhein ist darunter das zweitgrößte. Nabu und Stadt sehen das Vorhaben aus Umweltschutzgründen kritisch.

Die Gebiete, die IHK und Vero vorschlagen, sind zwischen 11 und 100 Hektar groß. Für Duisburg als Kiesabbaustandort spricht aus ihrer Sicht, dass Kies dort in großer Menge und hoher Qualität vorkomme. Außerdem sei die Erschließung durch die angrenzende Bundesstraße B 288 günstig, das Gebiet langfristig verfügbar. Und: Das Konfliktpotenzial schätzen die Verbände als durchschnittlich ein; sie rechnen hier mit weniger Widerstand auch von Seiten der Bevölkerung als anderswo.

Das Duisburger Gebiet ist zum Teil Landschaftsschutzgebiet

Das Gebiet am Mündelheimer Bogen wird bislang landwirtschaftlich genutzt. Teile sind als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen, außerdem dient das Gelände als Überschwemmungsgebiet für den unmittelbar daran entlang fließenden Rhein. Der Fluss dürfte das vorgeschlagene Abbaugebiet noch interessanter für die Kiesindustrie machen: Die Firma Hülskens, die in Rheinberg das zweitgrößte Sand- und Kieswerk Europas betreibt, würde nach eigener Aussage gerne in Duisburg Kies abbauen. Sie transportiert den Rohstoff per Schiff.

IHK und Vero argumentieren, ohne Kies- und Sandunternehmen „wäre der Bau von Straßen, Brücken und Häusern unmöglich“. Sie betonen die Rolle der Firmen als Arbeitgeber in der Region: 16.000 Arbeitsplätze hingen direkt und indirekt von der Kiesindustrie ab. Zudem seien „Kies und Sand vom Niederrhein die umweltfreundliche Alternative zu ausländischen Rohstoffimporten“: Lange, umweltschädliche Transportwege würden vermieden, ebenso umweltschädlichere Abbaubedingungen im Ausland. Neue Abbaugebiete seien nötig: „Die Unternehmen sind darauf angewiesen, dass ihnen langfristig verfügbare Lagerstätten zum Rohstoffabbau zur Verfügung stehen.“

Mehr als 20 Gegner protestieren gegen die Kiespläne der Industrie

Die Pläne der Kiesindustrie stoßen allerdings auf Widerstand. Der Naturschutzbund Nabu betont: „Große Teile der niederrheinischen Bevölkerung lehnen einen weiteren Raubbau an der Niederrheinischen Landschaft durch eine intensive Fortführung und anhaltende Ausdehnung des Kiesabbaus nach wie vor ab.“

Mit 20 weiteren Gegnern hat sich der Nabu zum Aktionsbündnis Niederrheinappell zusammengeschlossen. Dessen Forderung: ein nachhaltiger und restriktiver Kiesabbau. Bei Entscheidungen zu Planungen und Genehmigungen müsse „in erster Linie der Schutz der Bevölkerung, der Natur und der typisch niederrheinischen Landschaft gewährleistet werden“.

Auch die Stadt spricht sich aus Umweltschutzgründen gegen ein neues Kiesabbaugebiet in Duisburg aus. „Sollte es tatsächlich zu einer neuen Ausweisung von Flächen in Duisburg kommen, werden wir alle politischen Möglichkeiten und die entsprechenden rechtlichen Schritte ausschöpfen, um eine Auskiesung zu verhindern“, kündigt Oberbürgermeister Sören Link an.

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