Kommentar

Interne Kritik kommt für Duisburger WfbM-Chef zur Unzeit

Foto: Foto / Volker Herold

Duisburg.  Erst der Fall Rogg, jetzt die interne Kritik an den Arbeitsbedingungen: Die Duisburger WfbM kommt nicht zur Ruhe. Schwere Tage für den neuen Chef.

Es waren schwerwiegende Vorwürfe, die in diesen Tagen von einem Mitarbeiter der Duisburger Werkstatt für behinderte Menschen geäußert wurden. Die Gruppenleiter würden „wie Sklaventreiber“ hinter den Mitarbeitern stehen, der Druck sei so groß, dass viele auf eine Halbzeitstelle gehen würden. All’ die Erfolge (das Modelabel Esthetique, Ars Vivendi, Ziegenpeter), die von der ehemaligen Geschäftsführerin Roselyne Rogg so medienwirksam verkauft wurden, sollen dermaßen belastend auf dem Rücken der Mitarbeiter ausgetragen worden sein? Möglich ist es, klar.

Aber: „Sklaventreiber“ – allein die Wortwahl macht es schwer, daran zu glauben, dass die Vorwürfe in dieser harschen Form stimmen. Zumal sich die Anschuldigungen im anonymen Raum bewegen.

Natürlich kann es sein, dass einzelne Mitarbeiter dem Arbeitsdruck in der Werkstatt nicht gewachsen sind – obwohl dieser sicher nicht mit dem in der freien Wirtschaft vergleichbar ist. Und wie in jeder Firma wird es Teams geben, in dem die Chemie zwischen Mitarbeitern und Abteilungsleitern nicht stimmt. Aber es gibt einen Betriebsrat, einen Werkstattrat – und auch einen neuen Chef, der zu seinem Dienstantritt vor gut sechs Wochen betonte, für jeden in der Werkstatt ein offenen Ohr haben zu wollen. Und die Zeit, zu zeigen, dass er dies ernst meint, müssen ihm die Mitarbeiter geben. Zumal die jetzt angeprangerten Missstände schon lange vor dem Dienstantritt von Alexander Schmanke bestanden haben sollen.

Der neue Geschäftsführer wusste, dass er an zwei Fronten aufräumen muss, als er vor sechs Wochen seinen Dienst antrat. Nach außen hin muss er das durch die Gehaltsaffäre seiner Vorgängerin ramponierte Image der Werkstatt wieder aufpolieren – und vor allem auch intern Ruhe in den Arbeitsalltag bringen. Erneute negative Schlagzeilen, wie sie jetzt durch die Klagen des Mitarbeiters und einiger Betreuer laut wurden, können zwar noch unter den Fehlern der Ära Rogg verbucht werden, aber ärgerlich für Schmanke sind sie allemal.

Denn einen erneuten Skandal können vor allem die Mitarbeiter nicht gebrauchen. Sie, die die täglich nach ihren Möglichkeiten ihre Arbeit erledigen – egal ob in der Montage, Schreinerei, im Verkauf oder den Gruppen, in denen Schwerst,- und Mehrfachbehinderte eine geregelte Tagesstruktur finden, brauchen mehr denn je ein gutes Arbeitsklima und einen Zusammenhalt unter Kollegen. Natürlich darf nichts unter den Teppich gekehrt werden. Aber nicht jede schmutzige Wäsche muss öffentlich ausgetragen werden. Schon gar nicht anonym.

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