Kirchen

Investor will Christuskirche in Duisburg-Neudorf kaufen

Edgar de Hahn, Friedhelm Jung und Pfarrer Martin Nadolny (v.li.) am Taufstein. Die Kirche soll entwidmet werden.

Edgar de Hahn, Friedhelm Jung und Pfarrer Martin Nadolny (v.li.) am Taufstein. Die Kirche soll entwidmet werden.

Foto: STEFAN AREND / FUNKE Foto Services

Neudorf.  Mehr als drei Millionen Euro kostet die Sanierung der Christuskirche. Zu viel für die Gemeinde. Das hat Investor Hung Bui mit dem Gotteshaus vor.

Auf der Anzeigetafel in der Christuskirche sind noch die Lieder angeschlagen: 676, 182 und 171 wurden allerdings das letzte Mal vor sechs Jahren angestimmt. Damals fand der letzte Gottesdienst hier statt. Das Dach ist marode und müsste aufwendig saniert werden. Mehr als eine Million Euro müsste nur für die nötigsten Renovierungsarbeiten ausgegeben werden. Würde man die Kirche so Instand setzen, dass man sie auch als Gemeindezentrum nutzen könnte, lägen die Kosten weit über drei Millionen Euro. Ein Besuch in einem Gotteshaus, das momentan vor allem als Lager genutzt wird.

Tiefgreifende Umstrukturierung in der evangelischen Kirche

In einer Ecke stehen die zusammengeschobenen Kirchenbänke. Jemand hat sein Rad neben einer Säule geparkt. Ein paar Bauhelme liegen bereit. „Hier wird uns nicht das Dach über dem Kopf zusammenbrechen. Die Grundsubstanz ist gut“, betont Pfarrer Martin Nadolny. Ursprünglich hatte die evangelische Gemeinde Neudorf-West geplant, das Gemeindezentrum nebenan abzureißen, als Bauland zu vermarkten und die Einnahmen für die Sanierung der Kirche zu nutzen.

Doch daraus wird nun nichts. Die tiefgreifende Umstrukturierung der evangelischen Kirche in Duisburg kam ihnen dazwischen. Bei allen Plänen dürfen nun auch die Gemeindevertreter aus Neudorf-Ost, Hochfeld und Alt-Duisburg mitreden - sie bilden eine Region. Die Frage ist, wie sich die Kirche künftig aufstellen will. Die Sanierung hatte keine einheitliche Zustimmung gefunden. „Wir haben in der Vergangenheit immer in unsere Arbeit und weniger in die Steine investiert. Das holt uns jetzt ein“, erklärt Edgar de Hahn, Vorsitzender des Presbyteriums. Die Kirche aus dem Jahr 1908 steht unter Denkmalschutz. Nach dem Zweiten Weltkrieg standen nur noch die Grundmauern.

Früher gab es eine hohe Kuppeldecke – diese ist längst mit schmucklosen Platten abgehängt. „Natürlich verbinde ich viele schöne Gottesdienste mit dem Kirchlein“, gibt Nadolny zu. Er geht nächstes Jahr in Rente; ob seine Stelle wieder besetzt wird, steht noch nicht fest. „Das Gemeindehaus müsste auch für eine Million Euro saniert werden“, sagt Friedhelm Jung, Mitglied des Presbyteriums. Wie es nun mit diesen Gebäuden weiter geht, muss ebenfalls noch diskutiert werden.

Düsseldorfer Investor ist begeistert

Immerhin: Mittlerweile gibt es einen Interessenten für die Christuskirche. Hung Bui, ehemaliger Antiquitätenhändler und Event-Veranstalter, möchte aus dem Gotteshaus gerne einen Ort für Feiern und Kulturveranstaltungen machen. „Ich war als Teenager selbst in der Jugendarbeit aktiv. Nun möchte ich gerne etwas zurück geben.“

Den Tipp mit der Kirche in Neudorf habe er von einem Makler erhalten. „Ich hatte ihm gesagt: Wenn du mal ein Schlösschen oder etwas anderes im Angebot hast, sag’ mir Bescheid. Ich bin von der Aura der Christuskirche ist er begeistert.“

In Düsseldorf betreibt er mit seiner Frau das Restaurant „La Dü“, das für Hochzeits- und Tauffeiern ebenso genutzt wird wie für Firmenveranstaltungen. „Außerdem soll es Zeiten für die Gemeinde geben.“ Duisburg sei von Düsseldorf nicht weit, und das Interesse groß.

Demnächst soll ein Wertgutachten von der Kirche erstellt werden. Bevor sie verkauft wird, müssen die Räume aber erst noch entwidmet werden. In einem letzten Gottesdienst könnte dann symbolisch das Kreuz herausgetragen werden. Was mit den Glocken und der Orgel passiert, entscheidet die Landeskirche mit.

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