Zivilcourage

Jugendliche diskutieren über gesellschaftliche Probleme

In Gruppen sprachen die Jugendlichen am Dienstag über verschiedene Protestbewegungen wie die Gelbwesten oder Fridays For Future. Im Anschluss diskutieren sie die Ideen im Plenum.

In Gruppen sprachen die Jugendlichen am Dienstag über verschiedene Protestbewegungen wie die Gelbwesten oder Fridays For Future. Im Anschluss diskutieren sie die Ideen im Plenum.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Beim Jugendgipfel in Duisburg treffen Jugendliche aus NRW, Polen und Frankreich aufeinander. Sie sprechen über gesellschaftliches Engagement.

Die Jugend engagiert sich: Nicht nur bei Fridays For Future leben junge Menschen Demokratie, auch außerhalb der Schulzeit kommen sie zusammen: Beim 18. Jugendgipfel des Internationalen Bildungs- und Begegnungswerks (IBB) treffen Deutsche, Polen und Franzosen aufeinander. Eine Woche lang diskutieren sie in der Jugendherberge Sportpark über gesellschaftliche Probleme.

Zwar kommen die 45 jungen Menschen alle aus unterschiedlichen Ländern, doch sie alle eint ihre Herkunft: Sie stammen aus ehemaligen Bergbau-Regionen mit ähnlichen strukturellen Problemen: NRW, Hauts-de-France im Norden Frankreichs und Schlesien im polnischen Süden.

In diesem Jahr lautet das Thema „Gelebte Vielfalt - Engagement für sozialen Zusammenhalt“. Hildegard Azimi vom IBB erklärt, welche Kernpunkte dabei im Fokus stehen: „Es geht um Möglichkeiten, wie man sich engagieren kann. Nicht nur gesellschaftlich, sondern auch im Internet.“ In Workshops setzen sich die Jugendlichen mit Phänomenen und Argumenten in Streit- und Diskussionskultur auseinander. Es geht um Hassrede, Mobbing und Shitstorms, Flüchtlingshilfe und globales Konfliktmanagement. „Beispielsweise sprechen die Jugendlichen darüber, wie Rechtsradikalismus mit dem Klimawandel zusammenhängt: Wenn sich das Klima verändert, werden Ressourcen knapp und die Migration nimmt zu“, erklärt Azimi.

Unterschiedliche Zugänge zu Themen

„Die Teilnehmer sollen aber auch überlegen: Was will ich konkret machen? Was muss die Politik tun? Der Austausch mit den Jugendlichen aus den anderen Ländern führt zu einem Umdenken, weil man dort über manche gesellschaftliche Themen ganz anders spricht. Die Leute haben da andere Zugänge und Informationen.“ Ein Beispiel nennt Azimis Kollegin Kirsten Ben Haddou: „Gesellschaftliches Engagement läuft in Deutschland über Vereine, in Polen aber hauptsächlich über die Kirche. Themen wie die Rechte von homo- und transsexuellen Menschen stehen deswegen nicht so im Fokus.“

Camille Boisvert freut sich beim Jugendgipfel vor allem über das Zusammentreffen mit Menschen aus Polen. „Ich habe festgestellt, dass ich mit ihnen eine Menge Gemeinsamkeiten habe – mehr als mit meinem besten Freund. Wir sind ja alle Europäer“, sagt der 17-jährige. Er kommt aus Valenciennes bei Lille. Bisher hat ihm der Workshop zu Vorurteilen am besten gefallen: „Das hat uns erlaubt, einander näher zu kommen“, sagt er. „Menschen sind wie Eisberge: Erst sieht man nur die Spitze, aber wenn man genauer hinsieht, sieht man den gesamten Menschen“, ergänzt Krzysztof Kopczyk (18) aus dem polnischen Knurów bei Katowice. „Bei uns im Land gibt es nur wenig Immigration. Die Leute kommen vor allem aus der Ukraine, wegen des Kriegs. Aber viele Leute kommen damit nicht zurecht und grenzen sie aus.“ Für ihn ist die Seminarwoche ebenfalls eine gute Möglichkeit, andere Menschen kennen zu lernen: „So habe ich die Ferien gut genutzt“, sagt er.

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