Musikszene

Kruste: Selbst ernannte „Berliner“ sind Duisburger Jungs

Beim Auftritt im Duisburger Innenstadt-Club Djäzz lieferte Kruste eine Mischung aus Konzert und Performance ab. Das Publikum war begeistert.  

Foto: Kruste

Beim Auftritt im Duisburger Innenstadt-Club Djäzz lieferte Kruste eine Mischung aus Konzert und Performance ab. Das Publikum war begeistert.   Foto: Kruste

Duisburg.   Duisburger Band Kruste gibt sich bei Konzerten als Hauptstadt-Formation aus. Minimalistischer Retrosound trifft avantgardistische Bühnenshow.

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„Dankeschön“, verabschiedet sich Sänger Jost Bade am Ende des Auftritts von seinem enthusiastisch feiernden Publikum im Innenstadt-Club Djäzz. „Wir waren Kruste aus Berlin.“ Klarer Fall von Etikettenschwindel! Die vierköpfige Band, zu der drei Musiker und ein Tänzer gehören, besteht ausschließlich aus waschechten Duisburger Jungs – obwohl diese vom Sound und ihrem Auftreten glaubhaft einem trendigen Hauptstadt-Hinterhof entsprungen sein könnten.

Vor zwei Jahren begann ihr Experiment aus minimalistischem 80er-Jahre-Retrosound und avantgardistischer Bühnenperformance. Vor ein paar Wochen hat das Quartett seine erste Vinyl-LP veröffentlicht. Die heißt, wie sollte es bei Kruste auch anders sein: „Abknibbeln“.

Start aus einer Partylaune heraus

Alles begann im Januar 2016 aus einer Partylaune heraus. „Am Anfang war der Name da: Kruste – das fanden wir alle super“, erzählt Uwe Bauer. Der Alt-Homberger (48) macht seit 1988 Musik, spielte bereits in vielen Duisburger Bands. Bei Kruste zupft Bauer den Bass, was er zuvor nur höchst selten mal versucht hatte. „Jeder von uns sollte bewusst das Instrument nehmen, das er zuvor nicht so gut beherrscht hat“, erklärt Christian Wolf (34), der nun am Schlagzeug sitzt, das Konzept. Gemeinsam mit Sänger Jost Bade (33) aus Hochfeld wurde damals dann das erste Treffen im Proberaum vereinbart. „Gleich am ersten Abend hat es so gut geklappt, dass wir unsere ersten beiden Lieder fertig hatten“, erzählt Bauer. Die heißen „Bier“ und „Kruste“ – und bestehen wie alle neun Titel auf dem Premierenalbum, das auf dem Cover den Duisburger Stadtwerketurm zeigt, aus einem einzigen Wort.

Auffällig ist der Verzicht auf einen Gitarristen. „Wenn wir den schon nicht haben, dann brauchen wir wenigstens einen Tänzer“, lautete damals die Bandentscheidung. Klingt nach einem verrückten Einfall. „Bei uns kann aber keine Idee zu verrückt sein, um sie nicht einmal auszuprobieren. Das ist Kruste“, sagt Schlagzeuger Wolf. Und so kam Sven Grutering (41) aus Röttgersbach ins Spiel. Er gehörte vorher schon zum Freundeskreis des Trios. Und bei allen Kruste-Auftritten – die Premiere gab’s im Friemersheimer Jugendzentrum „Mühle“ im Herbst 2016 – wirbelt er seitdem stets wie ein Irrwisch auf und vor der Bühne umher. Und das in einem schneeweißen Ganzkörperanzug, der auch sein Gesicht komplett bedeckt. Woher hat er seine Tanzschritte? Da lächelt Grutering und sagt: „Meine Töchter Johanna und Luisa sind in einem Tanzstudio. Da hat sich der Papa einfach mal inspirieren lassen.“

Band tritt in weißen Klamotten auf

Weiß ist aber nicht nur der Tänzeranzug, weiß sind auch stets Hosen und Hemden, in denen die drei übrigen Bandmitglieder auftreten. Hinzu kommen rote Plastik-Sonnenbrillen (Bauer: „Die haben wir aus einem Ein-Euro-Chinashop in den Niederlanden“). Diese Mischung aus Coolness und Durchgeknalltheit ist es, die Kruste so anders und jedes ihrer Konzerte zu einem Erlebnis macht. „Wir wollen in diesem Jahr noch live spielen. Schön wäre es, bei Festivals mitzumischen“, formuliert Drummer Christian Wolf die Bandhoffnungen für die nähere Zukunft.

Und wieso geben sich die Jungs am Ende des Konzerts immer als Berliner aus? Sänger Jost Bade löst auf: „Nach einem Auftritt in Hochfeld habe ich das aus Spaß gesagt. Am Tag danach standen wir in einer Pommesbude. Da war ein Typ, der wohl am Abend vorher bei uns war. Er schaute ganz erstaunt und sprach uns an: ‘Ey, seid ihr nicht Kruste aus Berlin?’ Seitdem ist dieser Satz gesetzt.“

LP gibt es im Musikgeschäft

Die Kruste-LP „Abgeknibbelt“ gibt es im Musikgeschäft „Onkel Stereo“ (Wallstraße, City) oder auf der Internet-Homepage: www.kruste-band.de.

Stärkstes Stück des Albums ist „Straßen“. Es handelt von Duisburg. „Und es kommt wohl so gut an, weil man darin unsere Stadt wiedererkennt“, vermutet Drummer Wolf. Das Quartett arbeitet bereits an neuen Songs für eine Single.

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