Loveparade-Veranstalter

Schaller vor Loveparade-Prozess: „In Duisburg haben Menschen Fehler gemacht“

Rainer Schaller im August 2017.

Foto: Christoph Wojtyczka

Rainer Schaller im August 2017. Foto: Christoph Wojtyczka

Duisburg.   Rainer Schaller, Veranstalter der Loveparade 2010, äußert sich gegenüber der Redaktion zur moralischen Verantwortung und den anstehenden Prozess.

Ihm gehört der Name „Loveparade“, seine Firma Lopavent war der Veranstalter der Techno-Party, die 2010 in Duisburg ein schreckliches Ende erfuhr: Rainer Schaller. Der Gründer der Fitness-Kette McFit gehört nicht zu den Angeklagten, wenn am Freitag der Loveparade-Prozess beginnt. Kurz vorher äußert sich der 48-Jährige gegenüber der Redaktion über das Verfahren, Verantwortung und Hilfen für Betroffene.


Rainer Schaller über die Loveparade und den späten Prozess
Es gibt ein Leben vor und ein Leben nach der Loveparade. Alles, was ich erlebt habe, hat mein Leben tief geprägt, und ich bin froh, dass es einen Prozess geben wird. Ich vertraue auf das Rechtssystem, das Klarheit darüber bringen wird, was damals wirklich geschah. In Duisburg fand keine Naturkatastrophe statt, sondern Menschen haben Fehler gemacht.


. . . über die Notwendigkeit einer juristischen Aufarbeitung
Aus meinen vielen Gesprächen mit Hinterbliebenen und Verletzten weiß ich, wie wichtig die Tatsache, dass es einen Prozess geben wird, für sie ist. Es ist ein tragender Baustein, um das Erlebte zu verarbeiten. Die lange Zeit, die sie darauf warten mussten, ist für viele extrem zermürbend, und ich bin erleichtert, dass sie hier nun an dem Punkt sind, dass der Prozess beginnt.


. . . über seine Rolle als Zeuge
In der gesamten Phase der polizeilichen Ermittlung habe ich mein Möglichstes getan, um meinen Beitrag zur Aufklärung zu leisten. Ich wurde zu keiner Zeit als Beschuldigter geführt. Aus Respekt vor den Betroffenen und Angehörigen habe ich mich in den letzten Jahren ganz bewusst mit Interviews zurückgehalten.


. . . über moralische Verantwortung
Von Beginn an habe ich die moralische Verantwortung für die Katastrophe übernommen, die auf der Veranstaltung geschehen ist, deren Markeninhaber ich bin und von deren Veranstaltungsgesellschaft ich Geschäftsführer bin.


. . . und was Verantwortung heißt
Moralische Verantwortung hat für mich bedeutet, eine Soforthilfe mit der Axa-Versicherung ins Leben zu rufen und mich allen zu stellen, die Gespräche mit mir suchen. Gerade diese Gespräche, über deren Inhalt ich nicht öffentlich sprechen will und werde, waren sehr intensiv und emotional und halten bis heute an.


. . . über Notfallseelsorge
Durch die Gespräche habe ich die Arbeit der Notfallseelsorge nach der Loveparade direkt miterleben dürfen und stehe vollends hinter der Leistung, die die Teams täglich bewältigen. Ich finde es sehr wichtig, dass es einen Anlaufpunkt für Betroffene gibt. Durch diese fundierte Hilfe finden Menschen in ihr Leben zurück, bekommen Techniken oder ärztliche Unterstützung an die Hand, die auf dem Weg dahin helfen.


. . . über Hilfen im Prozess
Damit Betroffene, die auch heute noch Unterstützung benötigen, nicht durch ein Raster fallen, unterstütze ich die Stiftung Duisburg 24.07.2010. Gemeinsam haben wir etwa an dem Konzept gearbeitet, dass alle Beteiligten des Prozesses Zugang zu seelsorgerischer Betreuung haben, was ich in dieser extremen emotionalen Situation als absolut notwendig empfinde.

Unsere Redaktion hatte Rainer Schaller einen Fragenkatalog geschickt. Er antwortete in einem Text, den wir hier wiedergeben.

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