Prozess in Duisburg

Manchmal ist Klappe halten einfach besser

Der Gebäudekomplex des Land- und Amtsgerichts Duisburg vom Opernplatz aus gesehen

Der Gebäudekomplex des Land- und Amtsgerichts Duisburg vom Opernplatz aus gesehen

Foto: Stephan Eickershoff

Duisburger (21) stand für selten dumm-dreiste Tat vor Gericht. Obwohl er selbst Drogen dabei hatte, beleidigte er Beamte, als er Razzia sah

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Gäbe es einen Preis für die dümmsten Straftäter, hätte der junge Mann, der sich am Mittwoch vor dem Amtsgericht am König-Heinrich-Platz verantworten musste, große Chancen auf einen vorderen Platz. Nun allerdings weiß er genau, dass man nicht im Vorbeifahren Polizisten bei einer Razzia beleidigen sollte, wenn man selbst Rauschgift in der Tasche hat.

Die Anklage warf ihm Beleidigung, Rauschgifthandel und Verstoß gegen das Waffengesetz vor. Als Beifahrer in einem Auto war er am 9. Januar 2019 Zufallszeuge einer Polizeiaktion auf der Friedrich-Ebert-Straße in Rheinhausen geworden. Die Durchsuchungsaktion der Beamten, mit der er nicht das Geringste zu tun hatte, kommentierte er, indem er das Seitenfenster herunterdrehte und „Hurenböcke“ und „Bastarde“ brüllte.

15 Gramm Kokain und eine Feinwaage

Es wird wohl niemanden überraschen, dass das Fahrzeug sofort angehalten, der 21-Jährige kontrolliert und durchsucht wurde. Dabei fanden Polizisten 15,8 Gramm Kokain und eine Feinwaage in seiner Tasche. Letztere wies darauf hin, dass das Rauschgift wohl nicht nur zum Eigenkonsum gedacht war. In der Wohnung des Angeklagten wurde später auch noch ein Nunchako, ein verbotenes Würgeholz gefunden.

Der Angeklagte legte vor dem Schöffengericht ein rückhaltloses Geständnis ab. „Was haben sie sich bloß dabei gedacht?“ wollte der Vorsitzende wissen. Selbst der Verteidiger sprach von einer ungewöhnlich dummen Tat.

23 Monate auf Bewährung

Angesichts der Gesamtumstände kam der bislang nicht vorbestrafte 21-Jährige mit 23 Monaten Haft davon, deren Vollstreckung auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurde. Bestraft ist er eh schon reichlich: Mehr als zwei Monate Untersuchungshaft sorgten dafür, dass sein kurz zuvor abgeschlossener Ausbildungsvertrag inzwischen gegenstandslos ist. Zudem hatte ein Fernsehteam, das die Polizeiaktion begleitete, den Vorfall gefilmt, was dem Angeklagten in der Haftanstalt eine traurige Bekanntheit einbrachte. Dem Verteidiger bescherte es den seltenen Umstand, dass er, wenn er bei Besuchen den Namen seines Mandanten nannte, stets mit schallendem Gelächter begrüßt wurde.

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