Klimaschutz

Mieter sparen Geld durch Ökostromprojekt mit Start-up

Die Solaranlage auf dem Dach der Wohnungsgenossenschaft Duisburg-Süd hat das Berliner Start-up Solarimo installiert. Es trägt auch die Kosten und vertreibt den Ökostrom.

Die Solaranlage auf dem Dach der Wohnungsgenossenschaft Duisburg-Süd hat das Berliner Start-up Solarimo installiert. Es trägt auch die Kosten und vertreibt den Ökostrom.

Foto: Solarimo

Duisburg.  Durchs Mieterstromprojekt der Wohnungsgenossenschaft Duisburg-Süd sparen Mieter Geld. Diese Energieversorgung ist in Duisburg recht unbekannt.

Wenn den Mietern der Wohnungsgenossenschaft Duisburg-Süd (WoGeDu) die Sonne aufs Dach scheint, gibt es darunter strahlende Gesichter: Oben wandelt eine neue Photovoltaikanlage das Licht in Strom um, in den Stockwerken darunter fließt die Energie aus der Steckdose. Nachhaltiger und lokaler geht Stromerzeugung nicht. Mieterstrom nennt sich das Projekt, das jährlich gut 41 Tonnen CO2 einsparen soll. Es ist ein Pilotprojekt, das auch die Stromkosten für den Mieter senkt.

Die Solaranlage hat ein Berliner Start-up installiert

Installiert hat die Anlage nicht die WoGeDu selber, sondern das Berliner Start-up Solarimo, nach eigenen Angaben einer der führenden Anbieter von Mieterstromprojekten in ganz Deutschland. Das Prinzip des Unternehmens: Es plant, installiert und betreibt Solaranlagen auf ungenutzten Dachflächen, in diesem Fall auf dem Dach der WoGeDu-Zentrale an der Grenze zwischen Hochfeld und Dellviertel. Auch den nachhaltig erzeugten Strom vertreibt Solarimo selber. Der Preis: immer mindestens zehn Prozent günstiger als der Grundversorgungstarif des örtlichen Stromversorgers; das garantiert das Mieterstromgesetz. Beim Projekt in Duisburg ist die Ersparnis sogar höher: Eine Wohnung mit einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden zahlt in der Stadtwerke-Grundversorgung 1151 Euro, bei Solarimo 1011 Euro.

Ab November gibt’s für die Mieter 100 Prozent Ökostrom

Ab November werden 69 Wohnungen am Eichenhof in Hochfeld mit 100 Prozent Ökostrom versorgt, zusätzlich auch ein Verwaltungsgebäude. Was nicht vom eigenen Dach kommt, weil die Sonne gerade nicht scheint, wird durch zertifizierten Ökostrom aus Wasserkraft ersetzt. Das schont die Umwelt, und zwar mit großem Potenzial: 30 Prozent der deutschen Kohlendioxid-Emissionen entstehen durch den Betrieb von Gebäuden. Laut Bundeswirtschaftsministerium könnten deutschlandweit bis zu 3,8 Millionen Wohnungen mit Mieterstrom aus Solarenergie versorgt werden.

Den Anteil der Mieter, die in das Mieterstromprojekt einsteigen, beziffert der Vermieter zum Start auf 15 Prozent. Langfristig soll dieser Anteil auf 70 Prozent steigen. Für die WoGeDu soll das erste Mieterstromprojekt nicht das letzte sein: Zurzeit prüft die Genossenschaft ihren Bestand auf weitere geeignete Gebäude.

Gebag plant eine Klimaschutzsiedlung mit Mieterstrom

Auch die Gebag plant aktuell ein Mieterstromprojekt: im Wohnquartier Walsum, das ab 2021 Platz für 300 neue Bewohner bieten soll. Das Projekt wurde 2019 durch die Energieagentur.NRW als Klimaschutzsiedlung ausgezeichnet – da passt Solarstrom vom eigenen Dach bestens ins Konzept.

Das Immobilien Management Duisburg setzt zum Teil bereits auf die Kraft der Sonne: Fünf Schulen (Willy-Brandt-Berufskolleg, Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium, Franz-Haniel-Gymnasium und die GGS Am Mattlerbusch) sowie eine Bezirksbibliothek beziehen ihren Strom ganz oder teilweise von Photovoltaikanlagen auf dem eigenen Dach. Insgesamt allerdings läuft der Ausbau von Mieterstrom in Duisburg schleppend: Gerade einmal vier derartige Projekte mit Photovoltaikanlagen sind den Netzen Duisburg bekannt, hinzu kommen sechs Projekte mit Blockheizkraftwerken. Wie viele Haushalte die insgesamt 13 bestehenden Mieterstromprojekte mit Strom versorgen, dazu dürfen die Netze Duisburg keine Angaben machen, weil sie nicht selber Betreiber sind.

Bei einem der Projekte ist die Größenordnung allerdings bekannt: Im Neubaugebiet Dellgrün hat die Aachener Siedlungs- und Wohnungsgesellschaft 45 Häuser und 14 Wohnungen errichtet beziehungsweise ist noch dabei. Ihren Strom bezieht die gesamte Siedlung aus einem Blockheizkraftwerk auf dem Gelände. Diese Technik ist zwar nicht so klimaschonend wie Solarenergie, aber besser als die klassische Ölheizung im Keller: Der CO2-Ausstoß ist durch die Kraft-Wärme-Kopplung rund ein Drittel niedriger als bei der üblichen, getrennten Gewinnung von Strom und Wärme.

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