Wiederaufbau dauert

Bolleke-Pächter braucht Geduld: Neuanfang nach Kneipen-Brand

Von außen hat sich das Gebäude am Obermeidericher Bahnhof seit dem verheerenden Brand im vergangenen Jahr kaum verändert. Die Pläne für den Wiederaufbau bleiben aber bestehen.

Von außen hat sich das Gebäude am Obermeidericher Bahnhof seit dem verheerenden Brand im vergangenen Jahr kaum verändert. Die Pläne für den Wiederaufbau bleiben aber bestehen.

Foto: Gerd Wallhorn / FUNKE Foto Services (Archiv)

Duisburg/Oberhausen.  Noch stehen Genehmigungen für den Wiederaufbau der bei einem Brand zerstörten Kneipe „Bolleke“ aus. Facebook-Seite ist aus simplen Grund offline.

André Grühn hat wenig Zeit. Allerdings nicht, weil den früheren Pächter des „Bolleke“ der Wiederaufbau der Kultkneipe so in Beschlag nimmt, sondern weil er in seinem neuen Job im Sanitätsbereich gleich wieder ran muss. Auch seine Lebensgefährtin hat inzwischen eine vorübergehende Alternative in der Gastronomie gefunden. An der Brandruine an der Obermeidericher Straße scheint dagegen die Zeit still zu stehen. Seit Wochen und Monaten umgibt ein Gerüst die schwer beschädigte Immobilie, von Arbeiten ist nichts zu sehen. „Baulich hat sich noch nichts getan“, sagt Grühn, „aber dass wir wieder aufmachen, ist definitiv klar.“ Allein: Es zieht sich. Grühn und seine Lebensgefährtin müssen sich in Geduld üben.

„Ganz konkret können wir erst etwas sagen, wenn der erste mit einem Blaumann da drin steht“, sagt Grühn. Im August könne es soweit sein, dass die erforderlichen Genehmigungen für den Um- und Wiederaufbau da sind. Das habe der Vermieter signalisiert. In einem Bürgergespräch hätte auch der Duisburger Oberbürgermeister Sören Link Unterstützung bei dem Projekt in Aussicht gestellt.

Grühn und seine Lebensgefährtin wohnen ganz in der Nähe des Bolleke. Die Brandruine passieren sie täglich. Das sei schon „nervenbelastend“, sagt Grühn, der sich mit seiner Freundin mit der Kult-Kneipe einen Lebenstraum realisiert hatte. Das Interesse der Menschen in Alstaden, Lirich und Meiderich und auch darüber hinaus am Wiederaufbau sei weiter groß, berichtet Grühn: „Wenn ich zu Aldi gehe, werde ich gelöchert und brauche doppelt so lang wie sonst.“

„1. Oberhausener Team Poetry Slam“ am 20. Juli

Derweil gibt sich die nach dem Brand formierte „Kulturoffensive Bolleke“ Mühe, zumindest das Kultur-Angebot einigermaßen aufrecht zu halten, mit mindestens einer Veranstaltung pro Monat. Nächster Programmpunkt wird der „1. Oberhausener Team Poetry Slam“ am Samstag, 20. Juli, 19 Uhr im Theater an der Niebuhrg sein. Die Initiative sei damals „aus der Solidarität heraus“ entstanden, sagt Grühn, der sich dort auch selbst engagiert: „Und die Solidarität ist ungebrochen. Die Leute vermissen den Laden. Und es gibt auch keine Alternative.“

Dass die Facebook-Seite des Bolleke selbst mittlerweile nicht mehr zu finden ist, ist übrigens kein schlechtes Zeichen, sondern hat eine ganz simple Erklärung: Es habe einen „Urheberrechtsstreit“ gegeben. Grühn hatte zu einem Foto von einem Burger ein leicht verfremdetes Gedicht gestellt, das er im Internet gefunden hatte. Plötzlich flatterte ihm eine Rechnung von einem Anwalt aus Berlin im Auftrag der Urheberin ins Haus. 1200 Euro solle er zahlen. „Ich bin aus allen Wolken gefallen.“ Gezahlt habe er letztlich ein Zehntel davon, nachdem er seine aktuelle Situation geschildert hatte. Bevor die Seite bei Facebook wieder „live“ zu sehen sei, wolle Grühn nun auch alle älteren Postings auf mögliche Verstöße hin durchsehen.

Ermittlungsverfahren wegen Brandstiftung eingestellt

Der Brand im Bolleke war am frühen Morgen von Allerheiligen im vergangenen Jahr ausgebrochen. Nicht nur die Kneipe wurde schwer in Mitleidenschaft gezogen. Das Dachgeschoss und die erste Etage sind bei dem Feuer völlig zerstört worden. Der Großeinsatz der Feuerwehr mit dutzenden Kräften dauerte bis in die späten Abendstunden. Strafrechtlich hat das Feuer keine Konsequenzen gehabt. Zwar ließ die Staatsanwaltschaft wegen möglicher Brandstiftung ermitteln. Konkrete Verdachtsmomente gegen einzelne Personen hätten sich aber nicht ergeben, sagte ein Sprecher. Das Verfahren wurde schließlich eingestellt.

Ausgebrochen war der Brand im Hausflur des ersten Obergeschosses. Von dort breitete es sich bis in den Dachstuhl aus. Brandursache war laut Staatsanwaltschaft ein offenes Feuer oder Glut. Einen Kamin oder Ofen gab es an der Brandausgangsstelle nicht. Ausgangspunkt könnte eine brennende Zigarette gewesen sein. Genauer präzisieren lasse sich dies allerdings nicht, so der Sprecher. Wie verheerend die Folgen waren, ist bis heute nicht zu übersehen.

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