Online-Supermarkt

Picnic erobert Duisburg: So kommen Lebensmittel bis zur Tür

Rebecca Looschelders ist Lieferantin beim Online-Supermarkt Picnic. Wir haben sie an einem Tag in Duisburg begleitet.

Rebecca Looschelders ist Lieferantin beim Online-Supermarkt Picnic. Wir haben sie an einem Tag in Duisburg begleitet.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  In dieser Woche startet der Online-Supermarkt Picnic in Duisburg. Wir sind mitgefahren und erklären, wie die Waren bis vor die Haustür kommen:

Der Online-Supermarkt Picnic rollt ab sofort in Duisburg. In einer Testphase werden die ersten Haushalte mit frischen Lebensmitteln beliefert. Eine Fahrt mit dem ultraschmalen Lieferwagen zeigt, wie Eier, Milch, Windeln und Co. ohne Zustellgebühr bis in die Wohnung kommen:

„Ständig werden wir auf der Straße angesprochen“, sagt Rebecca Looschelders am Steuer des Picnic-Gefährts. Nur 1,35 Meter ist der elektrische Mini-Lkw breit. Auf den Straßen in Rheinhausen zieht er deshalb die Blicke auf sich. Gerade Kinder machen beim rollenden Supermarkt große Augen. Seit drei Wochen fährt die 23-Jährige für das Unternehmen Lebensmittel aus. „Runner“, werden die Lieferanten im Jargon genannt.

Online-Supermarkt Picnic: Eine Fahrt durch Rheinhausen

Sieben Adressen steuert die Psychologie-Studentin in den nächsten zwei Stunden im Duisburger Westen an. Was sie auf der Ladefläche hat, das müssen sich die Kunden per App bis 22 Uhr am Vortag ausgesucht haben. Das Angebot umfasst so ziemlich alles, was im Supermarkt steht. Obst und Gemüse, Fleisch bis zu Drogerieartikeln.

Einer der ersten Stopps ist die Winkelhauser Straße in Bergheim. Während die Studentin die kiloschweren Lebensmittelkisten aus dem Auto hievt, steht Andrea Nakonz schon mit einem breiten Lächeln an der Haustür. Per App konnte die Duisburgerin in Echtzeit mitverfolgen, wo sich der Runner gerade befindet.

Picnic nennt Kunden Zeitfenster von 20 Minuten

Der rollende Supermarkt nennt dem Kunden immer ein 20-minütiges Zeitfenster. An jedem Tag sind die möglichen Lieferzeiten unterschiedlich, so wählt der Kunde den Wochentag, der am besten zu seinem Alltag passt. Bis 22 Uhr wird ausgeliefert.

Wenn Rebecca mit ihrer Schürze und der roten Kiste in den Händen an der Haustür steht, werden Erinnerungen an den Milchmann wach. Zum ersten Mal hat Andrea Nakonz beim Online-Supermarkt bestellt. Rebecca überreicht ihr deshalb ein Geschenk: Schokolade und eine von ihr handgeschriebene Karte. Sympathisch und persönlich soll das wirken.

„Die Preise sind wie im Supermarkt“

„Einfach toll“, sagt Nakonz. „Ich hab so fast den kompletten Wocheneinkauf erledigt.“ Über das breite Angebot ist sie überrascht. „Auch die Preise sind wie im Supermarkt.“ Rasch erklärt die Studentin das Konzept: Die Tüten sind recycelbar, und „wir nehmen auch leere Pfandflaschen mit.“ Der Wert wird dann für den nächsten Einkauf gutgeschrieben.

Dann geht die Fahrt weiter. Immer nach demselben Prinzip: Eine App gibt den Weg zum nächsten Kunden vor. Dort angekommen wuchtet die Studentin die roten Lebensmittelkisten und schwarzen Kühlboxen aus dem Vehikel. Trockeneis sorgt für frostige Temperaturen innerhalb der Styroporbox.

Auf Wunsch bis in die Küche

Die Kisten werden eingescannt, ein Tonsignal verrät ihr, wenn sie alle Produkte des Kunden beisammen hat. Dann trägt Rebecca die Kiste zur Tür – und auf Wunsch sogar bis in die Küche. Gut und gerne 20 Kilo können die Behälter schwer sein, je nach Bestellung. „Einmal musste ich bis in den siebten Stock – ohne Aufzug.“ An die körperliche Belastung hat sie sich aber gewöhnt. „Als Frau ist das teilweise sehr anstrengend. Am nächsten Morgen hab ich Muskelkater“, sagt sie über ihr zusätzliches Sportprogramm und lacht.

„Zehn Euro die Stunde“, verdient sie als Werksstudentin. Am Steuer sitzen oft Studenten. Gerade die flexiblen Arbeitszeiten seien attraktiv. Ab und zu gibt’s Trinkgeld – an diesem Tag sind es innerhalb von zwei Stunden sechs Euro zusätzlich. Für jeden Kunden hat die 23-Jährige ein Zeitfenster von 20 Minuten. „Das ist echt zu schaffen“, sagt sie. Selbst Zeit für einen kurzen Plausch bleibt. Denn auch das gehört zum Picnic-Prinzip: Immer lächeln und freundlich sein.

Auslieferungshalle in Moers

Über den Mühlenweg geht die Auslieferung weiter bis zur Ehren- und Moerserstraße. Dort werden die Vorteile des eigens angefertigten Mini-Lkw sichtbar – auf der viel befahrenen Hauptstraße und im Stadtverkehr ist Anhalten kein Problem. Rebecca schaltet das Warnblinklicht an und wuchtet die rote Plastikkiste aus dem Transporter. Autos können dennoch passieren.

Die Tour von Rebecca Looschelders endet und begann in einer kargen Halle in Moers, die dem Unternehmen als Auslieferungslager dient. Von hier starten die kleinen Auslieferwagen. Seit etwa zwei Monaten wird der Duisburger Westen von dort bedient. In Wanheimerort an der Kulturstraße rollen in dieser Woche dann die ersten winzigen Lkw aus und die moderne Version des Milchmanns ist im Stadtbild zurück.

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