Digitalisierung

Pilotprojekt: Putzfrau und Tiersitter per App bestellen

Das Neubaugebiet Am Alten Angerbach (die dreieckige Freifläche rechts im Bild) soll das Pilotprojekt sein für die Quartiersapp der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV).

Das Neubaugebiet Am Alten Angerbach (die dreieckige Freifläche rechts im Bild) soll das Pilotprojekt sein für die Quartiersapp der Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft (DVV).

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Duisburg.  Mit einer App können Bewohner eines Neubaugebiets künftig Dienstleistungen rund ums Haus bestellen. Die DVV arbeitet mit einem Start-up zusammen.

Das Nachbarschaftsleben soll digital werden, und das mit der DVV als Initiator und Profiteur gleichermaßen: Die Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft legt für das Huckinger Neubaugebiet Am Alten Angerbach eine App auf, die Dienstleistungen von der Alarmanlagensicherung bis zum Zustelldienst bequem im Handy bündeln soll. Der Stadtkonzern hat sich dafür ein Start-up als Partner an die Seite geholt.

Für Andreas Gutschek, Vorstand der Stadtwerke für den Bereich Digitalisierung, gehört das, was die App bieten soll, zur Infrastruktur eines Neubaugebietes wie Gas, Wasser oder Strom. „Das sind Dienstleistungen, die das Leben einfacher und komfortabler machen“, sagt er. Mit einem Wisch übers Display sollen die neuen Hausherren Putzhilfe, Gärtner oder Handwerker ebenso bestellen können wie einen Getränkelieferdienst oder ein Car-Sharing-Auto. „Unser Anspruch ist, einen Großteil der Dienstleistungen selber zu erbringen“, kündigt Gutschek an. „Stadtwerke und DVV sind mehr als ein Stromlieferant.“

Essen liefern und aufs Haustier aufpassen

Als Beispiel nennt er die DVV-Gesellschaft Octeo, die „heute schon Reinigungsdienstleister für die Stadt“ ist. Warum also nicht die Dienstleistung von städtischen auf private Gebäude ausdehnen? Und damit soll noch lange nicht Schluss sein. Einkäufe und Essen liefern, aufs Haustier aufpassen, Pakete annehmen, eingreifen, wenn die Alarmanlage losgeht – nur ein Teil der Servicemöglichkeiten, die in der Quartiersapp buchbar sein sollen. „Wir bieten einen großen Strauß an Dienstleistungen an“, sagt Gutschek. Die neuen Hausbewohner pflücken sich diejenigen heraus, die sie nutzen wollen.

Damit Angebot und Nachfrage zusammen passen, fragt die DVV vorher ab, welche Dienstleistungen sich die künftigen Bewohner vorstellen können. Die App lernen diese vielleicht vor ihrem neuen Haus kennen: Ein Umzugsservice ist auch in der Überlegung.

Das Start-up Animus ist Partner für die App

Partner für die Quartiersapp ist das Ratinger Start-up Animus. Seit 2014 verdient die Firma mit inzwischen 27 Mitarbeitern ihr Geld damit, Dienstleistungen und Wohnen per App zusammenzubringen. Die Gründer setzen darauf, dass Anbieter der Immobilienbranche ihr Angebot als Unterscheidungsmerkmal von anderen und damit als Argument für genau ihr Bauprojekt vermarkten können, während Käufer und Mieter die App nutzen, weil sie Bequemlichkeit und Zeitersparnis verspricht: kein langes Suchen mehr nach einem passenden Handwerker, sondern eine rasche Vermittlung passgenau zum Auftrag.

So digital das App-Angebot gedacht ist: Im Huckinger Baugebiet soll es eine menschliche Verlängerung bekommen. Der Digitalisierungschef der Stadtwerke denkt an einen Hausmeister, der auf dem Gelände leben würde und zum Beispiel Schlüssel verwahren würde, um Handwerker hereinzulassen, wenn die Bewohner gerade nicht zu Hause sind. Noch ist das allerdings nur ein Gedankenspiel.

Pilotprojekt Quartiersapp soll weiter ausgebaut werden

Ganz im Gegenteil zu einem Plan, der mit dem Alten Angerbach erste Gestalt annimmt: Das Gebiet im Süden Duisburgs soll aus DVV-Sicht ein Prototyp sein. Hier will der Stadtkonzern sehen, wo Bedarfe und Möglichkeiten liegen, um das Prinzip der Quartiersapp später auf andere Gebiete auszudehnen. „Unser Fokus liegt dabei auf Neubaugebieten“, sagt Gutschek. Dass die App ankommt, dass die Menschen sie herunterladen und das neue Angebot nutzen, daran hat er keinen Zweifel. Fremden den Schlüssel zum eigenen Heim und die eigenen Daten überlassen – dank des Vermittlers DVV soll das funktionieren: „Wir haben das Vertrauen, dass die Menschen das mit uns machen können.“

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