Kulturfestival

Ruhrtriennale bringt Musiktheater-Experiment nach Duisburg

Einer der beeindruckendsten Spielorte der Ruhrtriennale ist die Kraftzentrale im Landschaftspark, aufgenommen mit einer Drohne. Foto:Julian Röder/Ruhrtriennale

Einer der beeindruckendsten Spielorte der Ruhrtriennale ist die Kraftzentrale im Landschaftspark, aufgenommen mit einer Drohne. Foto:Julian Röder/Ruhrtriennale

Duisburg.   Zum Auftakt der Ruhrtriennale in Duisburg steht „Kein Licht“ auf dem Programm. Luk Percevals Familien-Trilogie dauert elf Stunden.

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Eine Woche nach der Eröffnung in der Bochumer Jahrhunderthalle erreicht die Ruhrtriennale am 25. August Duisburg. „Kein Licht“ ist der Titel der Musiktheater-Auftragsarbeit, die in der Gebläsehalle des Landschaftspark uraufgeführt wird. Das Festival der Künste ist auch im letzten Jahr der Intendanz von Johan Simons unter dem Motto „Seid umschlungen“ mit vier Beiträgen im Landschaftspark vertreten.

Text von Elfriede Jelinek

„Kein Licht“ ist ein Werk nach einem Text der österreichischen Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek und nimmt das Publikum mit in eine Welt nach dem Super-GAU. Der Franzose Philippe Manoury komponiert für Schauspieler, Sänger und ein Musikensemble. Das Besondere: Auch die Musik selber wird zu einem unkontrollierbaren Element. Manoury erarbeitet mit Regisseur Nicolas Stemann eine Form, in der vorkomponierte orchestrale und elektronische Partitur-Module kombiniert werden mit Live-Elektronik, die in die Modulation der Sänger und Schauspieler eingreift – in Echtzeit. So soll Musik versprachlicht und Sprache musikalisiert werden. „Ein Kurzschluss aus Musik- und Sprechtheater in Deutsch, Französisch und Japanisch“, so die Festivalmacher. Die musikalische Leitung von IRCAM, den United Instruments of Lucilin und des Chors des Zagreber Nationaltheaters übernimmt Julien Leroy. In einer der Hauptrollen ist Caroline Peters, Schauspielerin des Jahres 2016, zu sehen.

Sound und Raum

Vom 2. bis 16. September ist in der Kraftzentrale die Installation „White Circle“ zu sehen. Die 1996 gegründete Künstlerplattform „raster-noton“ geht in der 2016 entstandenen Installation der Frage nach, ob man Sound sehen und einen Raum spüren kann – und in welchem Verhältnis Architektur und Klang stehen. Im Zentrum steht ein Ring aus Leuchtstoffröhren, die einzeln auf musikalische Impulse reagieren und den Raum illuminieren. Zu hören sind sechs Stücke von Alva Noto, Byetone, Kangding Ray und Frank Bretschneider im Loop.

Liebe, Geld und Hunger

Mit „Hunger“ bringt Luk Perceval den letzten Teil seiner „Trilogie meiner Familie“ nach Emile Zola am 7. und 8. September in der Gießhalle heraus. Auf den Romanen „Germinal“ (1885) und „Die Bestie im Menschen“ (1890) basiert der Abschluss der Trilogie. Erzählt wird das Schicksal von Etienne und Jacques, beide Söhne der Wäscherin Gervaise aus dem ersten Teil der Trilogie, „Liebe“, in Zeiten von Industrialisierung und Frühkapitalismus. Die beiden ersten Teile der Trilogie, „Liebe“ und „Geld“, hatten bei der Ruhrtriennale 2015 und 2016 Premiere. Am 15. und 17. September sind nun ab mittags alle drei Teile hintereinander zu sehen. Elf Stunden – nicht nur eine Herausforderung für die Schauspieler des Thalia-Theaters sondern auch für die Zuschauer – in den drei Pausen wird ein extra Catering angeboten.

Homo instrumentalis

„Unorthodoxes Musiktheater“ bietet das Musiktheater-Stück „Homo instrumentalis“ vom 21. bis 24. September in der Gebläsehalle. Dabei sollen sich Gesang, Tanz, Text, Elektronik, Licht und Videokunst zu vier musikalischen Meditationen über das Verhältnis von Mensch und Maschine fügen: „La fabbrica illuminata“ von Luigi Nono, „Machinations“ von Georges Aperghis und zwei neue Stücke von Yannis Kyriakides, „Akamton“ und „Aphthiton“. Vom Pflug bis zum Auto, vom Speer bis zum Smartphone – der Mensch hat viele Techniken entwickelt, um die Welt in den Griff und unter Kontrolle zu bekommen. Die Aufführung führt bis hin zur Vision eines vollständig elektronischen Zeitalters, in dem das Bewusstsein des Menschen durch die digitale Wirklichkeit irrt.

>>Frühbucher-Rabatt bis zum 30. April

Bis einschließlich Sonntag, 30. April, gibt es auf den Kartenkauf einen Frühbucher-Rabatt von 15 Prozent. Das Ticket-Telefon der Ruhrtriennale ist erreichbar unter 0221/28 02 10, www.ruhrtriennale.de

Karten gibt es in Duisburg bei der Tourist-Information an der Königstraße 86 in der Innenstadt, geöffnet montags bis samstags 10 bis 18 Uhr, telefonisch unter 0203/285 440.

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