Ruhrtriennale

Ruhrtriennale bringt starkes Programm nach Duisburg

In „Versuch einer Kartografie“ zeigt die portugiesische Regisseurin und Choreografin Mónica Calle die emanzipatorische Kraft der Frauen.

In „Versuch einer Kartografie“ zeigt die portugiesische Regisseurin und Choreografin Mónica Calle die emanzipatorische Kraft der Frauen.

Foto: Bruno Simao / Ruhrtriennale

Duisburg.  Im Landschaftspark Nord in Duisburg-Meiderich werden Kraftzentrale und Gebläsehalle bespielt. Konzerte überraschen mit Kat Frankie und Ebow.

Gleich mit zwei Produktionen erreicht die Ruhrtriennale in der letzten Augustwoche Duisburg. Das Festival, das in diesem Jahr unter dem Motto „Zwischenzeit“ läuft und insgesamt 164 Programmpunkte hat, spielt wieder in den Hallen des Landschaftsparks Nord mit seinen genreübergreifenden Tanz-, Schauspiel- und Musiktheaterproduktionen, bringt aber auch zwei Konzerte in die Gebläsehalle.

Barockoper in der Kraftzentrale im Landschaftspark Duisburg-Meiderich

Den Auftakt in der Kraftzentrale machen am 28. August die Oper „Dido und Aenas, Remembered“ in der Kraftzentrale und „Congo“ in der Gebläsehalle. „Eine Collage des Erinnerns und Vergessens“ nennt Regisseur David Marton seine Inszenierung der Barockoper von Henry Purcell, die um eine Variation der Arie „Remember me“ des finnischen Jazz-Gitarristen Kalle Kalima ergänzt wird. Das Auftragswerk der Oper Lyon, der Stuttgarter Oper und der Opera Vlaandern ist eine Koproduktion mit der Ruhrtriennale. Weitere Termine: 29., 30., 31. August, 20 Uhr, Künstlergespräch am 29. August im Anschluss an die Vorstellung.

Die Kinder des Kolonialismus treffen in „Congo“ zusammen

Im Theaterstück „Congo“ kombiniert der kongolesische Regisseur und Choreograf Faustin Linyekulas Auszüge aus Eric Vuillards Erzählung „Kongo“ mit Liedern aus dem Kongo, die zum Teil auf den Kautschukplantagen aufgenommen wurden. Dabei treffen die Kinder der Ausgebeuteten und Kolonisierten in Afrika auf die Kinder der Ausbeuter und Kolonisten. 1884 hatte der belgische König Leopold eine Kolonie für sich allein beansprucht und dies brutal umgesetzt. Bei der Uraufführung in Belgien hat das Stück große Emotionen freigesetzt. Weitere Aufführungen in der Gebläsehalle in französischer Sprache mit deutschen und englischen Obertiteln: 29., 30. und 31. August, 19.30 Uhr, Künstlergespräch am 29. August im Anschluss an die Vorstellung.

Choreographie über die emanzipatorische Kraft der Frauen

Vom 6. bis 9. September ist in der Gebläsehalle „Ensaio para uma Cartografia“ zu Gast. Die Regisseurin und Choreografin Mónica Calle, die in Lissabon seit fast 30 Jahren das Casa Conveniente als engagiertes Theaterlabor betreibt. International sind ihre Arbeiten bisher ein Geheimtipp geblieben. In „Versuch einer Kartografie“ zeigt sie die emanzipatorische Kraft von zwölf Frauen. Eine von ihnen – die Choreografin selbst – hält zu Beginn des Stücks eine sehr persönliche Rede über die Anlässe dieser Arbeit. Die Tänzerinnen entkleiden sich, stellen sich in einer Keilformation auf und fangen an, sich zur Musik von Ravel, Strawinsky und Beethoven zu bewegen. Sie müssen darum kämpfen, ihren Einsatz aller körperlichen Ressourcen stets mühelos aussehen zu lassen. Vorstellungsbeginn 20 Uhr, am 8. September um 18 Uhr, Künstlergespräch am 7. September im Anschluss an die Vorstellung.

„Unsere Odyssee“ mischt Film und Theaterstück

Christiane Jatahys Projekt „Unsere Odyssee“ erlebt seine Deutschland-Premiere am 19. September in der Gebläsehalle. Es geht um Heimkommen, Sich-Verirren oder Verschwinden. Die brasilianische Regisseurin Christiane Jatahy sammelte an fünf verschiedenen Orten Filmmaterial: Brasilien, Griechenland, Palästina, Südafrika und im Libanon. In der Aufführung vermischt sich das Filmmaterial mit dem, was die Akteure live am Abend aufzeichnen und erzählen. Mitwirkende sind Menschen aus dem jeweiligen Ort, an welchem die Inszenierung gezeigt wird. Der Film wird ein Theaterstück sein, das Theaterstück ein Film, so die Ankündigung. Weitere Vorstellungen: 20. und 21. September, 19.30 Uhr, Künstlergespräch am 20. September im Anschluss an die Vorstellung.

Konzerte mit Kat Frankie und Ebow

Die australische Songwriterin Kat Frankie, die in Berlin lebt, tritt mit der Indie-Pop-Band „Woods of Birnam“ am 13. September um 20 Uhr in der Gebläsehalle auf. Kat Frankie macht kunstvolle Popsongs, die Band um den Musiker und Schauspieler Christian Friedel besteht aus vier Musikern der Band Polarkreis 18.

Und am 22. September ist um 20 Uhr in der Gebläsehalle Ebru Düzgünd alias Ebow zu hören, die fordert, Deutsch-Rap müsse „feministischer, queerer, experimenteller und mutiger“ werden. Das setzt die in London geborene und in Wien lebenden Musikerin in angriffslustigen Texten um, die von Geschlechterrollen in der türkischen Community, falschem Patriotismus bis zu Waffenhandel reichen. Ihre Live-Shows sind legendär.

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