Schlägerei

Schlägerei wegen kurzen Rocks? Das sagen zwei Beteiligte

Die „Wand der 1000 Gesichter” am Entree´ zum Rheinpark ist Symbol für die Vielfältigkeit Duisburgs. In unmittelbarer Nähe gerieten nun zwei Parteien aus kulturellen Gründen in einen Streit.

Die „Wand der 1000 Gesichter” am Entree´ zum Rheinpark ist Symbol für die Vielfältigkeit Duisburgs. In unmittelbarer Nähe gerieten nun zwei Parteien aus kulturellen Gründen in einen Streit.

Foto: Richter,Julia / FUNKE Foto Services

Duisburg.  In Duisburg ist es „wegen kultureller Unterschiede“ zu einer Schlägerei zwischen Deutschen und Türken gekommen. Jetzt sprechen zwei Beteiligte.

Kaum eine Nachricht verbreitete sich am Donnerstag so schnell in den Sozialen Netzwerken wie die von der Schlägerei im Hochfelder Rheinpark. Nach wie vor ist ungeklärt, was, oder besser gesagt, wer Auslöser für den Streit war, bei dem es im Kern um „kulturelle Unterschiede“ ging, wie die Polizei es formuliert. Was für die Polizei bisher festzustehen scheint:

Unterschiedliche Auffassungen über die Länge eines Rocks und darüber, warum Frauen und Männer in getrennten Geschlechtergruppen hintereinander her gehen, waren Gegenstand des Streits, der am Mittwochabend in einer Schlägerei endete. Zwei Betroffene schildern nun ihre Versionen der Geschehnisse, die mitunter bereits zum Kampf der Kulturen hochstilisiert und politisch instrumentalisiert werden.

Das sagt die Polizei:

„Der freizügige Kleidungsstil einer 50-Jährigen stieß auf Unverständnis bei einem 20-Jährigen“, berichtet eine Sprecherin der Polizei im Gespräch mit unserer Redaktion. Nach bisherigem Ermittlungsstand habe sich der junge Duisburger mit türkischen Wurzeln über die Länge des Rocks der 50-jährigen Deutschen echauffiert. Die Frau wiederum war ebenfalls nicht einverstanden mit den kulturellen Gepflogenheiten des 20-Jährigen und seiner Bekannten: Sie soll sich lautstark darüber mit ihren Freunden ausgelassen haben, warum Frauen und Männer in der Gruppe getrennt sitzen.

Polizeisprecherin Jacqueline Grahl betont gegenüber unserer Redaktion nachdrücklich, dass nach bisherigem Ermittlungsstand „ein Wort das andere gab, und sich beide Parteien gegenseitig aufschaukelten“. Wer wen zuerst verbal angegangen ist und wer auf welche Weise geantwortet hat, ist für die Polizei bislang nicht rekonstruierbar. Die Ermittlungen wegen „Beleidigung und Beteiligung an einer Schlägerei“ laufen. Das gegenseitige Unverständnis endete in einer Schlägerei, bei der einem Begleiter der Rockträgerin die Schulter ausgekugelt und einer Person in der anderen Gruppe die Nase gebrochen wurde.

So schildert es die türkischstämmige Seite:

Mustafa Kaymak (37) und Burak E. (20) waren zusammen mit ihren Frauen und Kindern und einem weiteren türkischen Ehepaar im Rheinpark unterwegs, als Kaymak sich mit den beiden Männern ein paar Meter von den Frauen und Kindern entfernte, weil er eine Zigarette rauchen wollte. Die Männer setzten sich auf die Holzbänke unweit des Ziegenpeters, als „hinter uns eine Frau herging und sagte: Seht mal, in was für einer Welt die leben, in der Frauen und Männer getrennt voneinander sitzen.“

So berichtet es jedenfalls der 20-jährige Burak E., der die Unbekannte gefragt habe, „was für ein Problem“ sie habe. Er störe sich ja auch nicht an ihrem Aussehen. Das habe die 50-Jährige sogleich auf ihren Rock bezogen, so Burak E.. Ein Wort gab das andere und die Rockträgerin habe angeblich mit Wut erwidert: „Was stört dich? So viel Fleisch bekommst du bei deiner Frau wohl nicht zu sehen?“

„Obwohl die Frau uns weiter provoziert hat, haben wir mehrfach gesagt, dass sie uns in Ruhe lassen und einfach weitergehen soll“, erinnert sich Kaymak. „Sie müsse nirgendwo hingehen, es sei ihr Land, wir hätten zu verschwinden“, sei die Replik der 50-Jährigen gewesen. Dann habe sie eine Flasche Bier geöffnet, um sie auf den türkischen Männern zu entleeren. „Es kam zu einer Schubserei zwischen mir und der Frau. Daraufhin griff einer der beiden Männer ein, die die Frau begleitet und vorher noch vergeblich versucht hatten, sie wegzuziehen“, so Kaymak.

In Sekundenschnelle habe sich eine Gruppenschlägerei zwischen beiden Parteien entwickelt, die im Internet seither höchstemotional und selten sachlich diskutiert wird.

Bekir Siphai, der seit vielen Jahren im Duisburger Integrationsrat sitzt, begleitet die türkischen Familien bei den Nachwehen dieses Streits. Er sagt: „Wir wollen hier alle in Frieden und gegenseitigem Respekt leben. Duisburg ist unser aller Heimat.“

Eine Anfrage unserer Redaktion, um ihre Sicht der Dinge zu schildern, ließ die 50 Jahre alte Frau leider unbeantwortet.

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