Bildung

Schon Grundschul-Referendare wollen nicht nach Duisburg

 Eine Schülerin hält bei einer Demonstration in Erfurt ein Plakat mit der Aufschrift «Lehrermangel» in Händen.

Eine Schülerin hält bei einer Demonstration in Erfurt ein Plakat mit der Aufschrift «Lehrermangel» in Händen.

Foto: Martin Schutt / dpa

Duisburg.  Versuch der Bezirksregierung war gut gemeint: Doch nur die Hälfte von 100 Grundschulreferendaren nahm ein Einstellungsangebot für Duisburg an.

Auch das jüngste Verfahren für die Besetzung freier Lehrerstellen ist vor allem für die Duisburger Grund- und Förderschulen mit einem ernüchternden Ergebnis verlaufen. Von 175 ausgeschriebenen Stellen konnten 105 nicht besetzt werden. Gescheitert ist auch der Versuch, zum 1. Mai mehr Referendare an Duisburger Grundschulen auszubilden: Nur die Hälfte der 100 Lehramtsanwärter nahm das Einstellungsangebot an.

Besonders prekär bleibt die Versorgung der Förderschulen. Hier konnte nur eine von 25 vakanten Stellen besetzt werden, berichtet Frank Börner: „Das bedeutet unweigerlich in der Folge einen massiven Unterrichtsausfall, den die verbleibenden Kollegen nicht auffangen können. So fallen wöchentlich in ganz Duisburg 2865 Unterrichtsstunden aus“, so der SPD-Landtagsabgeordnete.

Heftige Kritik hagelte es im Schulausschuss von der SPD-Fraktion für NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer, weil sie in einer Antwort auf eine Resolution der Kommunalpolitiker mit Vorschlägen zur Linderung des Lehrermangels erneut die Zuweisung von Pädagogen nach Duisburg ablehnt.

Hälfte der Angebote abgelehnt

Doch schon Referendare meiden die Grundschulen in Duisburg. Statt wie üblich 50 hatte die Bezirksregierung Düsseldorf 90 Lehramtsanwärtern ein Einstellungsangebot gemacht – fast die Hälfte nahm es nicht an. „Vor allem die Bewerber aus den westfälischen Landesteilen wollen nicht nach Duisburg“, so Martina Wilms-Ernst, Leiterin des Zentrums für schulpraktische Lehrerausbildung (ZfsL) in Neudorf. „Sie warten offenbar lieber bis zum nächsten Einstellungstermin am 1. November, angesichts des Mangels bekommen sie auch eine Übergangsbeschäftigung an Schulen“, so die Seminarleiterin. „Wer langfristig woanders arbeiten möchte, scheut vielleicht auch den Umzug nach Duisburg für nur 18 Monate.“ Mit der Duisburger Politik und der Stadt sei man im Gespräch, „um andere Lösungen zu finden“, sagt Wilms-Ernst – nächste Gelegenheit ist Anfang Juli im Unterausschuss des Schulausschusses.

Zu wenig Bewerber

„Druck auf die Bewerber auszuüben bringt nichts, weil es einfach zu wenige gibt“, sagt auch Michael Fuchs, Vorsitzender der Ortsgruppe des Duisburger Verbandes Bildung und Erziehung (VBE) und selbst Lehrer an der Grundschule Bruckhausen. Die Erfahrung mit den Referendaren zeige, „dass es so einfach mit den Steuerungsversuchen nicht funktioniert.“ Außerdem könne es sich das Land angesichts des Mangels – landesweit fehlen 7400 Lehrer – gar nicht leisten, angehende Referendare zu sperren. „Es gibt für den Nachwuchs auch genügend Alternativen außerhalb des Schuldienstes“, sagt Fuchs.

Auch von Zulagen für die Arbeit an Brennpunktschulen hält er wenig: „Das würde nur Unruhe in die Kollegien bringen, wenn es die nur für Neueinsteiger gibt.“ Wirksamer sei es, endlich die Eingangsbesoldung für alle Lehrer auf A13 anheben, um die Ungleichbehandlung von Lehrkräften an den unterschiedlichen Schulformen zu beenden. Auch Anreize wie im Regierungsbezirk Münster hält der VBE-Vorsitzende für wirksam: Da bekommen Junglehrer eine Stelle in ihrer Wunschgemeinde, wenn sie zuvor befristet in einem unterversorgten Bezirk arbeiten. Dabei ergebe sich oft ein „Klebeeffekt“, den Fuchs auch im Duisburger Norden beobachtet: „Wenn die Kollegen erst einmal eine Zeit lang da sind, wollen sie gar nicht wieder weg.“ Auch Kolleginnen in Teilzeit seien eher bereit, ihren Stundenanteil aufzustocken, wenn sie ein gutes Angebot zur Betreuung ihrer Kinder hätten.

Schließlich, findet Michael Fuchs, „darf sich die Stadt auch nicht beschweren. Wenn Lehrer hier arbeiten sollen, müssen wir auch ein gutes Angebot machen“. Der Bestand sei veraltet, die Modernisierung der Ausstattung gehe zu langsam voran: „Es dauert Jahre, um auf den Stand zu kommen, der jetzt schon notwendig ist.“

Der VBE habe sich deshalb auch dem Bündnis „Gute Schule neu bauen“ von GEW, Stadtelternschaft EDuS und Schulen angeschlossen. Michael Fuchs: „Dass im Bezirk Marxloh, wo so viele Kinder mit dem Bus transportiert werden müssen, keine neue Schule gebaut wird, kann ich nicht verstehen.“

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