Stadtgeschichte

Schonfrist für die Stadtarchäologen in Duisburg

Mitarbeiter des Denkmalamtes Duisburg legen auf der Baustelle für das neue Stadttor an der Steinschen Gasse in der Altstadt in Duisburg - Mitte. Sie legen historische Mauerreste aus vergangenen Jahrhunderten der Duisburger Geschichte frei und katalogisieren sie.  Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool

Mitarbeiter des Denkmalamtes Duisburg legen auf der Baustelle für das neue Stadttor an der Steinschen Gasse in der Altstadt in Duisburg - Mitte. Sie legen historische Mauerreste aus vergangenen Jahrhunderten der Duisburger Geschichte frei und katalogisieren sie. Stephan Eickershoff / WAZ FotoPool

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Duisburg. Drei Monate Zeit haben die Stadtarchäologen, um auf dem Baugelände für das Marientor-Carré in Duisburgs Geschichte zu graben. Im Erdreich schon sichtbar sind freigelegte Kellergewölbe und Mauerreste.

Spektakuläre Funde erwartet Stadtarchäologe Thomas Platz nicht unbedingt. Das Gelände ist für die Stadtforscher keine „terra incognita“, kein unbekanntes Areal. Schon 1992 bis 1994 gab es Grabungen auf dem eingetragenen Bodendenkmal. Exakte Pläne zeigen z.B. auch die Bebauung aus der Gründerzeit um 1900. Und aus dem 16. Jahrhundert stammt z.B. der Corputius-Stadtplan und belegt die damalige Bebauung am Rande des mittelalterlichen Kerns.

"Es wird von Tag zu Tag spannender"

Gleichwohl, der Blick auf das versteckt gelegene Stück Stadtmauer gleich neben der Steinschen Gasse zeigt die Fluchtlinie der alten Stadtbegrenzung quer durch das Grabungsgelände. Zu sehen ist auch ein freigelegtes Stück der alten Untermauerstraße. Die oberste Schicht mit Asphaltresten ist somit unstrittig wenig altertümlich, darunter dürften aber alte Pflasterschichten liegen.

„Je tiefer wir kommen, um so älter werden die Baustrukturen. Es wird von Tag zu Tag spannender“, meint Thomas Platz. Und für Bodendenkmalpfleger wie Brigitta Kunz werden auch schlichte Färbungen im Erdreich wichtig. Sie können von hölzernen Pfahlbauten künden, die dort im Mittelalter standen. „Wir hoffen, bis ins 9. bis 12. Jahrhundert vorzustoßen“, so ABS-Ausgrabungsleiter Stefan Ciesielski.

Archäologen müssen sich sputen

Schön zu sehen ist auch die jetzt freigelegte Straße „An der Turmmühle“, die Jahrzehnte unter der Parkplatz-Fläche versteckt war, einst zu einem Mühlenturm in der Stadtmauer führte und noch bis zu den 50er/60er Jahren des letzten Jahrhunderts bebaut war. Ciesielski und Platz deuten auf die Fundamente in der Tiefe hin: Da sieht man, wie Gründerzeitbauten auf weit älteren Mauerresten aufgesetzt waren. Ein halber Rundbogen im Kellergrund deutet auf eine ehemalige Kloake oder einen Brunnen hin. Ob sich dort etwas findet? Ein paar Meter weiter ragen die Gewölbekeller der ehemaligen Brauerei Werth aus der Grube, die um 1900 errichtet wurde. Eine Tür unter der Erde führt in noch unbekanntes Gebiet. . .

Die Archäologen müssen sich sputen. In zwei Monaten ist die Schonfrist vorbei, dann rückt die Baufirma Bilfinger & Berger an, setzt die Fundamente für Neubau und Tiefgarage. Bis dahin muss alles dokumentiert und für die Archive schriftlich gesichert werden. Für gläserne Boden-Sichtfenster auf Altertümliches wie in der neuen Königsgalerie gegenüber auf der Steinschen Gasse wird es diesmal nicht reichen.