Männergesundheit

Vorsorge für den Mann: „Sitzen ist das neue Rauchen“

Der Chefarzt für Innere Medizin am Krankenhaus Duisburg-Nord, Prof. Dr. Jörg Schlaak, links, macht mit dem Krankenpfleger Markus Wenzel eine Endoskopie bei einem Patienten. Im Interview erklärt der Mediziner, warum Vorsorge-Untersuchungen für Männer wichtig sind.

Der Chefarzt für Innere Medizin am Krankenhaus Duisburg-Nord, Prof. Dr. Jörg Schlaak, links, macht mit dem Krankenpfleger Markus Wenzel eine Endoskopie bei einem Patienten. Im Interview erklärt der Mediziner, warum Vorsorge-Untersuchungen für Männer wichtig sind.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Wer als Mann zur Vorsorge geht, kann sein Krankheitsrisiko im Alter reduzieren, betont ein Duisburger Arzt. Das sind wichtige Untersuchungen:

„Männer sind nicht kränker als Frauen, sie sind anders krank“, sagt Prof. Dr. Jörg Schlaak. Sorge macht dem Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am Ev. Krankenhaus Duisburg-Nord aber eher die mangelnde Bereitschaft der Männer, regelmäßige Vorsorge-Untersuchungen lieber ganz ausfallen zu lassen. Auch deshalb engagiert sich der Mediziner in der Duisburger Initiative gegen Darmkrebs und in der Kommunalen Gesundheitskonferenz.

Werden die Männer kränker?

Prof. Dr. Jörg Schlaak: Sie werden älter als früher und erleben deshalb mehr Krankheiten. Man kann aber mit hoher Lebensqualität sehr alt werden, wenn man mit dem Oldtimer regelmäßig in die Werkstatt fährt – auch wenn nichts klappert. Die regelmäßige Inspektion lohnt auch schon für Youngtimer.

Ist der Nutzen belegt?

Ja. Es sterben etwa deutlich weniger Menschen an Darmkrebs. Das hängt klar mit der Vorsorge-Darmspiegelung zusammen. Sie kann Krebs verhindern, nicht nur in Risiko-Familien.

Welche Möglichkeiten gibt es außerdem?

Die Kasse bezahlt den Stuhltest, der entdeckt aber nur Blut. Für die Vorstufen gibt es noch keinen Test. Ab 50 Jahren werden jetzt die Kosten für die Darmspiegelung übernommen, weil Männer häufiger und früher Darmkrebs bekommen, wenn es Fälle in der Familie gab, auch schon vorher. Die Methode ist dank HD-Technik verbessert, trinken muss man zuvor nur noch einen halben Liter. Die Untersuchung dauert zehn Minuten.

Was ist mit anderen Erkrankungen?

Die Prostata-Vorsorge wird schon ab 35 Jahren empfohlen. Auch nach Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte der Mann schon früher sehen, vor allem bei Übergewicht. Da kann es leichter Diabetes und Bluthochdruck geben, auch das Krebsrisiko ist dann erhöht. Ab einem Body-Mass-Index von 25 steigt das Risiko. Das Blutdruck-Messgerät hat vielleicht die Großmutter – dann ist nicht gleich ein Arztbesuch erforderlich.

Schon Jüngere sind häufiger krank. Woran liegt das?

Die Leute bewegen sich einfach wenig. Die E-Mobilität fördert das noch. Und sie müssen für das Essen weniger tun. Früher gab es mehr körperliche Arbeit. Es gibt zwar Stress durch Arbeitsverdichtung, aber auch der findet im Sitzen statt. Bewegung ist wie eine Rentenzahlung für die Gesundheit. Wer sich regelmäßig bewegt, kann bis ins hohe Alter eine hohe Lebensqualität haben.

Und die Ernährung?

Es wird zuviel Zucker gefuttert, um Energie zu haben, damit das Gehirn funktioniert. Aber die Kehrseite ist eine Fettleber-Epidemie, eine steigende Zahl von Übergewichtigen. Sitzen ist das neue Rauchen. Das trifft übrigens nicht nur Männer – schon eine wachsende Zahl von Kindern ist übergewichtig.

Die Änderung der Gewohnheiten nach langer Pause fällt schwer.

Stimmt. Aber die Bewegung lohnt in jedem Lebensalter. Aber: Je eher, desto besser. Sind Gefäße einmal verkalkt, lässt sich das nicht rückgängig machen. Was man in der Jugend kaputtmacht, kann man im Alter nicht mehr reparieren. Dass viele in der Jugend nicht ans Alter denken, ist normal. Aber: Mädchen die jetzt geboren werden, erreichen im Mittel das 100. Lebensjahr. Da wird die Vorsorge viel wichtiger, weil sie Krankheiten bekommen, die sie früher gar nicht mehr erlebt haben.

Warum brauchen Männer eine besondere Ansprache?

Weil oft die Frau dahintersteckt, wenn sie zum Arzt gehen. Sie denken: Ich bin groß und stark, ich kann doch nicht krank sein. Sich mal checken zu lassen, heißt ja schließlich nicht, dass sofort die Katastrophe kommt. Viele Krankheiten ändern auch nichts an der Lebenserwartung. Männer sollten auch an ihre Verantwortung gegenüber der Familie denken. Wenn sie ausfallen, ist das nicht lustig.

Sind Männer anders krank als Frauen?

Manchmal hat man den Eindruck, obwohl es bestimmt nicht für alle gilt. Sicher sind nicht alle Weicheier, aber das Frauen leidensfähiger sind, könnte ich unterschreiben. Männer reden nicht so gern über ihre Gefühle, sie reden Krankheiten klein oder sie machen Dinge eher mit sich aus als mit anderen. Das führt manchmal dazu, dass sie auch Alarmzeichen ignorieren. Ängste spielen dabei sicher auch eine Rolle.

Was ist zu tun, um die Männer zum Arzt zu bewegen?

Bonus-Programme sind immer besser, als die Behandlung von Krankheiten. Der gute Arzt verhindert Krankheiten, der schlechte behandelt sie, sagt ein Sprichwort. Leider ist die Einsicht oft begrenzt. Viele brauchen zunächst einen Warnschuss, bevor sie ihr Verhalten ändern. Ich bezweifle, dass wir die menschliche Natur ändern können. Sanktionen wären der andere Weg. Aber das würde nur funktionieren, wenn alle Kassen mitmachen.

Lässt sich der regelmäßige Arztbesuch erzwingen?

Nein, den Zwangskontakt gibt es nicht. Der Hausarzt hat ohnehin mehr als genug zu tun. Wir haben Ärztemangel, viele Hausarzt-Sitze finden keine Interessenten.

Sind Steuern für schädliche Lebensmittel ein Weg?

In einigen Ländern wird über eine Zuckersteuer nachgedacht. Das könnte effektiv sein, wenn zuckerarme Produkte günstiger sind. Viel funktioniert übers Geld. Aber eigentlich wissen doch alle, was schädlich ist.

Das Wichtigste zum Schluss: Gibt es den Männerschnupfen?

Nein, Männer haben die gleiche Infektion, verarbeiten sie aber anders. Manche empfinden auch Bagatellinfektionen als ganz schlimm. Auch wenn körperlich nichts festzustellen ist, kann sich jemand krank fühlen. Dass Männer kränker sind als Frauen, ist aber nicht belegt. Aber ernst nehmen sollte man das dennoch, wenn jemand die Symptome so wahrnimmt. Auch wenn er ein Mann ist.

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