Befragung

Was Marxloher zur türkischen Offensive gegen Kurden sagen

Auf der Weseler Straße, der „Brautmodenmeile“ in Duisburg-Marxloh: Einige Passanten sprechen von „verhärteten“ Fronten, einige sehen keine Probleme.

Auf der Weseler Straße, der „Brautmodenmeile“ in Duisburg-Marxloh: Einige Passanten sprechen von „verhärteten“ Fronten, einige sehen keine Probleme.

Foto: Michael Dahlke / FUNKE Foto Services

Duisburg.  Was löst die Offensive der Türkei gegen Kurden in Marxloh aus? Einige Passanten sehen keine Konflikte im Viertel, andere „verhärtete Fronten“.

Die türkische Militäroffensive im Norden Syriens hat in Herne und Bottrop zu Ausschreitungen zwischen Demonstranten mit türkischen und kurdischen Wurzeln geführt. Während am Samstag tausende Menschen in Köln an der Kurden-Demo teilnahmen, war vom Konflikt in Duisburg-Marxloh nichts zu spüren. Dennoch: Die Fronten seien verhärtet, sagt ein Befragter.

Ende Juli 2019 waren in Marxloh 21.072 Personen gemeldet, darunter 2.791 mit türkischer und 9.109 mit deutscher Staatsangehörigkeit. Der Konflikt zwischen Türken und Kurden beschäftigt viele Marxloher. Auf der Brautmodenmeile und rund ums Pollmann-Eck hielten sich türkeistämmige Anwohner und Kunden jedoch am Samstag zurück, wenn sie auf den Krieg an der türkisch-syrischen Grenze angesprochen wurden: Die meisten wollten sich gegenüber einem Reporter nicht äußern, einige sprachen ihr Mitgefühl mit den Opfern aus. Wenige Befragte hatten Verständnis für den militärischen Einsatz.

„Die Männer müssen wissen, dass wir hinter ihnen stehen“

Vor einem Frisörladen an der Weseler Straße steht Baris Y. und sucht Schutz vor dem Regen: „Man kann sich gar nicht vorstellen, wie viel Leid die Leute da ertragen müssen“, sagt der türkeistämmige Deutsche. Jeder Krieg sei schrecklich, so der 31-Jährige, „man muss friedliche Wege finden.“

Ein paar Meter weiter kommt Sadik K. gerade aus einem Gemüseladen. Der Deutsch-Türke kann sich mit dem Krieg auch nicht anfreunden, „aber ich hab‘ Respekt vor dem Militär. Die Männer müssen wissen, dass wir hinter ihnen stehen.“

Ob die Lage in Marxloh wegen des Konflikts angespannt ist? Sowohl Baris Y. als auch Sadik K. antworten mit einem klaren „Nein“.

„Die Fronten sind bei vielen verhärtet“

So eindeutig sieht es der Marxloher Tamer M. nicht: „Türken und Kurden sind stolz auf ihre Herkunft, und wir haben schon öfter gesehen, wohin uns Stolz führen kann. Die Fronten sind bei vielen verhärtet“, findet der Deutsche, dessen Großeltern aus der Türkei nach Duisburg kamen. „Aber ich hoffe, dass alle ruhig bleiben. Wir müssen uns nicht auch noch bekriegen“, so M.

Trotz der zuletzt vereinbarten Waffenruhe waren nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte die Kämpfe vielerorts nicht ausgesetzt worden – es sterben weiterhin Soldaten sowie Zivilisten. Das UN-Büro schätzt, dass bereits mehr als 130.000 Menschen seit Kriegsbeginn auf der Flucht sind. Amnesty International wirft der Türkei Kriegsverbrechen vor.

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