Gesundheit

Welche Käufer für die Malteser-Krankenhäuser in Frage kommen

Auch in den Ausbau ihrer Leistungen investierten die Malteser in den vergangenen Jahren – hier das vor fünf Jahren eingerichtete Herzkatheter-Labor am St. Anna-Krankenhaus in Duisburg-Huckingen.

Auch in den Ausbau ihrer Leistungen investierten die Malteser in den vergangenen Jahren – hier das vor fünf Jahren eingerichtete Herzkatheter-Labor am St. Anna-Krankenhaus in Duisburg-Huckingen.

Foto: Foto: Stephan Eickershoff / FUNKE FOTO SERVICES

Duisburg.  Die Malteser wollen ihre Krankenhäuser, darunter auch zwei Kliniken in Duisburg, im Paket veräußern. Was das für den Verkauf bedeutet.

Die Malteser wollen sechs ihrer insgesamt acht Akutkrankenhäuser in NRW und Sachsen, darunter das St. Anna-Krankenhaus (Huckingen) und das St. Johannes-Stift (Homberg) im Paket verkaufen. Das sagte Klaus Walraf, Sprecher der Malteser-Zentrale in Köln, dieser Zeitung auf Nachfrage. In den anderen Duisburger Krankenhäusern sorgt die Verkaufsankündigung des gemeinnützigen Trägers derweil für große Überraschung.

Erste Gespräche mit „ausgewählten potenziellen neuen Eigentümern“ liefen bereits, hatten die Malteser bereits am vergangenen Donnerstag mitgeteilt (wir berichteten). „Die Häuser sollen an einen Betreiber gehen, der nachweist, dass er sie gut fortführt und der mit unseren Vorstellungen übereinstimmt“, sagt der Sprecher zu den Voraussetzungen. „Wir wollen sie nicht einfach loswerden, sondern gezielt übergeben.“

Krankenhaus-Verkauf: Malteser verhandeln nicht nur mit konfessionellen Trägern

Neben den Maltesern Rhein-Ruhr, zu denen neben den Duisburger Häusern auch noch das Uerdinger St. Josefshospital gehört, wird auch für die Häuser in Bonn (Seliger Gerhard) und Köln (St. Hildegardis) sowie die sächsischen Hospitäler in Görlitz (St. Carolus) und Kamenz (St. Johannes) ein neuer Besitzer gesucht.

Dabei werde man nicht nur mit konfessionell gebundenen Trägern verhandeln, so Walfraf: „Private schließen wir nicht aus.“

Nur ein bundesweit tätiger Akteur kommt in Frage

Für einen Verkauf im Paket kommt damit nur ein bundesweit tätiger Akteur infrage. Das Ziel, den Verkauf bereits Ende des ersten Quartals 2020 abzuschließen, bezeichnen Kenner des Marktes übereinstimmend als „sportlich“. Die Zeiten, als die großen Player fast unbesehen Hospitäler aufkauften, seien vorbei.

Der Trend zu ambulanter Behandlung habe die Ertragslage der Häuser mit Grund- und Regelversorgung besonders in Ballungsräumen wie dem Ruhrgebiet erheblich verschlechtert. „Für Investitionen bleibt nichts mehr übrig, das Land kommt seiner Verpflichtung zur dualen Finanzierung durch zu geringe Baupauschalen nur ungenügend nach“, beklagen erfahrene Geschäftsführer.

Malteser investierten in den Rhein-Ruhr-Verbund

Durch Wachstum im Konzert der Konzerne und großen Verbünde mitzuhalten, versuchten auch die Malteser. Doch ihr Rhein-Ruhr-Verbund, entstanden durch den Erwerb des Uerdinger Hauses vor sechs Jahren, hatte Tücken. Das katholische Haus in der Nachbarstadt stand vor der Pleite, hatte einen hohen Investitionsbedarf. Den erforderte auch die Modernisierung in Homberg (2004 erworben). In den Ausbau von St. Anna investieren die Malteser derzeit nach eigenen Angaben 27 Millionen Euro.

Zur wirtschaftlichen Lage des Rhein-Ruhr-Verbundes äußern sich die Malteser nicht. Nur soviel: Die Vergütungsstrukturen machten es „insbesondere für Betreiber kleinerer Gruppen und einzelner Krankenhäuser sehr schwierig, einen kostendeckenden Betrieb aufrechtzuerhalten und zusätzlich die notwendigen Investitionen in die Infrastruktur der einzelnen Häuser zu tätigen“.

Politisch ist diese Entwicklung durchaus gewollt. NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) fordert bei jeder Gelegenheit Kooperation der Häuser, die Bildung von Verbünden und die Bildung von Zentren, um Mehrfachangebote zu reduzieren.

Duisburger Klinik-Chef: „Wir haben hier eine hohe Überversorung“

Dieses Dilemma dürfte auch potenziellen Interessenten an den Duisburger Häusern bekannt sein. Kenner der Szene sprechen nach der Insolvenz des Katholischen Klinikums Oberhausen vor wenigen Wochen bereits von einer Kettenreaktion. Die Malteser seien nicht der letzte Träger, der in Bedrängnis kommt, erwartet ein Duisburger Klinik-Geschäftsführer: „Wir haben hier eine hohe Überversorung.“

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