Lärmschutz

An der Schiene in Duisburg-Rheinhausen soll es leiser werden

Blick von oben auf den Bahnhof in Duisburg-Rheinhausen. Hier soll es dank Lärmschutzwänden und Umbauarbeiten an den Wohnhäusern bald für Anwohner deutlich ruhiger werden.

Blick von oben auf den Bahnhof in Duisburg-Rheinhausen. Hier soll es dank Lärmschutzwänden und Umbauarbeiten an den Wohnhäusern bald für Anwohner deutlich ruhiger werden.

Foto: Hans Blossey / www.blossey.eu

Duisburg-Rheinhausen.  DB Netze informierte im Bezirksrathaus. Das Interesse war überschaubar - die geplanten Maßnahmen aber klangen für die Anwohner vielversprechend.

Gisela Komp hat früher an der Windmühlenstraße gewohnt. Keine gute Zeit, berichtet sie: Das Haus war laut - noch lauter waren die Güterzüge, die Nacht für Nacht unter ihrem Schlafzimmerfenster vorbei rumpelten. Komp erinnert sich, „dass ich nachts ständig aufgewacht bin. Kaum war ich eingeschlafen, kam wieder ein Zug.“ Am Donnerstag besuchte sie als Friemersheimerin und als Aktivistin der Umweltgruppe West die Sitzung im Bezirksrathaus. Die DB-Netze hatte für die Deutsche Bahn zum Informationsnachmittag eingeladen. Ingenieur Andreas Tecklenburg referierte eine schwungvolle Dreiviertelstunde über die bevorstehende „Lärmsanierung an bestehenden Schienenwegen“. In den kommenden Jahren, so der Experte, will die Bahn auch in Rheinhausen Abhilfe schaffen.

Positive Resonanz nach der Sitzung

Nach der Sitzung gab es eine positive Resonanz vor dem ausgebreiteten Kartenmaterial. So freute sich Norbert Bömer, ebenfalls als Anwohner und für die Bürgerinitiative „Saubere Luft“ vor Ort, „dass Hotspots wie Windmühlenstraße und Kaiserstraße endlich entlastet werden.“

Der Info-Nachmittag kam im Rahmen einer öffentlichen Sondersitzung der Rheinhauser Bezirksvertretung daher. Dass es im Plenum kaum Bahnfahrer gibt, darf im Anschluss angenommen werden: Die Politikerrunde war deutlich dezimiert. Auch oben auf dem Zuschauerrang hatten nur wenige Interessierte Platz genommen.

Bisher wurden 700 Kilometer Lärmschutzwände gebaut

Rund 150 Millionen Euro jährlich stellt der Bundeshaushalt seit 2016 für den Lärmschutz an der Schiene bereit, informierte Tecklenburg. Davon wurden bisher rund 700 Kilometer Lärmschutzwände gebaut, fast 60 000 Wohnungen erhielten einen sogenannten passiven Lärmschutz. Entsprechend will man jetzt auch in Rheinhausen vorgehen. Entlang der Schiene sollen ab 2022 Aluminiumwände aufgebaut werden, die, so der Ingenieur, den Lärm für die Anwohner um die Hälfte reduzieren.

Rund um den Bahnhof Rheinhausen sind drei Wände von jeweils drei Metern Höhe geplant, 5,9 Kilometer insgesamt, die sich von Am Logport über die Schrebergärten bis zum Haltepunkt „Rheinhausen Ost“ und der Brücke ziehen. Im Süden reichen sie über Bachstraße und Güterbahnhof bis Wanheim. Investitionsvolumen: 10,7 Millionen Euro. Etwas später, ab 2023, soll dann der Bau von Schallschutzwänden an den Haltepunkten Trompet/Rumeln beginnen. Auch dort entstehen auf einer Fläche von insgesamt 5,4 Kilometern drei Wände von je 2,50 bis drei Metern Höhe, wobei das Wohngebiet im Westen komplett abgeschirmt wird. Das Investitionsvolumen beträgt 9,1 Million Euro. Um den Bahnverkehr nicht zu behindern, soll nachts gebaut werden.

Bis zu 75 Prozent der Kosten werden erstattet

Außerdem, so Tecklenburg, gewährt die Bahn Zuschüsse für private Umbauten. Ein Angebot an die Hauseigentümer entlang der Schiene. Hierbei geht es um Vorrichtungen wie Schallschutzfenster, schallgedämpfte Wände und Dächer, die zusätzlich dafür sorgen sollen, dass es im Innern leiser wird. Die Kosten für Umrüstung und Einbau werden bis zu 75 Prozent bezuschusst, abhängig von Gebäude, Besiedlung und Lärmpegel.

Von dem Geld profitierten neuerdings Besitzer von Gebäuden, die vor 2015 entstanden sind, so Tecklenburg. Sie werden bald per Post über das weitere Vorgehen informiert. Die Gutachten, die entstehen müssen, sind kostenlos. Aber auch die Züge selbst will die Bahn leiser machen. Der Wagenpark werde umgerüstet, so der Experte. Dabei würden die Bremsen der Güterwaggons von Grauguss auf Kunststoff umgestellt. „Das ist wesentlich leiser.“

Als nächstes stehen schalltechnische Untersuchungen und Expertisen zur Streckenbelastung auf dem Programm, so Tecklenburg. Kurz und gut: „Mit der Planung für Rheinhausen wird jetzt begonnen.“

>>> So laut darf es sein <<<

In der Nähe von Krankenhäusern, Schulen und in reinen Wohngebieten liegen die Grenzwerte tagsüber bei 67 und nachts bei 57 dB(A). In Dorf- und Mischgebieten dürfen 69 dB (Tag) und 59 dB (Nacht) nicht überschritten werden. In Gewerbegebieten sind tagsüber 72, nachts 62 Dezibel das Limit

60 dB(A) entsprechen dem Geräuschpegel von Büros, Restaurants oder Warenhäusern

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