Unterricht

Rheinhauser Glückslehrerin über Glück in Zeiten von Corona

Dieses Foto entstand natürlich vor der Corona-Zeit – als wir Simone Kaiser-Gülicher beim Glücksunterricht in der Sekundarschule Rheinhausen besucht haben und Kinder noch die Köpfe zusammenstecken durften.

Dieses Foto entstand natürlich vor der Corona-Zeit – als wir Simone Kaiser-Gülicher beim Glücksunterricht in der Sekundarschule Rheinhausen besucht haben und Kinder noch die Köpfe zusammenstecken durften.

Foto: Lars Fröhlich / FUNKE Foto Services

Rheinhausen.  Simone Kaiser-Gülicher ist Glückslehrerin an der Sekundarschule Rheinhausen. Ein Fach, das aktuell bei den Schülern besonders beliebt ist.

Die Kinder der Sekundarschule Rheinhausen haben Glück. Denn sie haben etwas, das andere nicht haben. Bei ihnen steht das Unterrichtsfach Glück auf dem Stundenplan. Eine Rarität. „Wir sind die einzige Schule in NRW, die diesen Unterricht von der fünften bis zur zehnten Klasse anbietet“, sagt Simone Kaiser-Gülicher. Die 45-Jährige aus Friemersheim unterrichtet das besondere Fach neben Mathe, Sport und Kunst seit fünf Jahren und darf sich Glückslehrerin, Glückstrainerin und Glückscoach nennen. Eine Berufung, die ihre Wirkung in Zeiten wie diesen besonders eindrucksvoll entfalten kann.

Denn mal ehrlich, wer kennt ihn nicht, den Corona-Blues? Selbst diejenigen, die in der aktuellen Krise keine Existenzsorgen haben, kerngesund sind und auch nicht mit vielen Menschen auf engstem Raum zusammenleben müssen, haben zu kämpfen. Warum fällt es uns denn im Moment so schwer, wirklich glücklich zu sein?

Anleitung zum Glück: Einfach mal die Perspektive wechseln

Simone Kaiser-Gülicher kennt die Antwort: „Das hat mit dem Glück des Wohlbefindens zu tun.“ Das ist eine von insgesamt fünf verschiedenen Glücksarten, die sich in den vergangenen Wochen rar gemacht hat. Denn das Glück des Wohlbefindens wird etwa durch Begegnungen mit Freunden, einen Kinobesuch, einen belebenden Sportkurs oder ein geselliges Essen im Restaurant gespeist. Vieles davon, das haben alle erlebt, war in letzter Zeit nicht möglich. Und somit blieb das angenehme Gefühl aus, das uns dieses Glück bescheren kann.

Vielleicht kann uns Simone Kaiser-Gülicher ja glücklich machen, das ist doch ihr Job, oder? Die Glückslehrerin lacht. „Ja, klar, das kann ich. Aber nur als Hilfe zur Selbsthilfe.“ Das klingt doch ganz nach dem alten Sprichwort, das früher schon die Oma mahnend zitiert hat: „Jeder ist seines Glückes Schmied.“

Aber zum Glück gibt es Menschen, die einen auf diesem Weg an die Hand nehmen können. Als kleine Anleitung zum Glücklichsein gibt uns die Friemersheimerin den Tipp, einfach mal den Blickwinkel zu verändern. Also eben nicht darauf zu schauen, was gerade alles nicht möglich ist. „Ich überlege mir in solchen Momenten, was ich selber Schönes tun kann oder was ich an diesem Tag vielleicht auch schon Gutes erlebt habe.“

Anstatt zu meckern: an kleinen Dingen erfreuen

Das, so Simone Kaiser-Gülicher, können ganz einfache Dinge sein. Ein Schmetterling im Garten, ein nettes Telefonat, ein leckeres Frühstück. „Es tut gut, wenn wir uns an kleinen Dingen erfreuen und nicht auf das große Glückspaket warten.“ Wer sich am Abend drei Sachen überlegt, die am Tag gut waren, der geht viel zufriedener ins Bett als einer, der darüber lamentiert, dass es schon wieder kein Klopapier im Supermarkt gab.

Durch die Glücks-Ausbildung hat Simone Kaiser-Gülicher ihren eigenen Blickwinkel dauerhaft verändern können. „Mir gelingt es tatsächlich, dass viele unangenehme Dinge für mich einfach nicht mehr so eine große Bedeutung haben“, sagt sie. „Ich ärgere mich nicht mehr, ich wundere mich stattdessen.“ Ihr Wissen darüber, wie man Glück auch in schwierigen Zeiten empfinden kann, möchte sie momentan vor allem mit denen teilen, die diese Hilfe besonders benötigen. Und das sind die Kinder, denen von jetzt auf gleich durch die Schließung der Schule die sozialen Kontakte weggebrochen sind. Darunter sind so einige, die zum Teil in räumlich und familiär sehr schwierigen Verhältnissen leben.

Für sie ist die Lehrerin ein Lichtblick. Selbst wenn sie viele Wochen lang nur via Internet Kontakt mit ihren Schützlingen halten konnte. „Ich versorge sie jeden Tag mit Glücksaufgaben.“ Eine bunte Mischung aus Übungen, die die schwere Zeit ein Stück leichter machen. Die Kinder sollten zuhause zum Beispiel nach grünen Gegenständen suchen und daraus ein Kleeblatt legen. Oder ein lachendes Gesicht aus farbenfrohen Sachen gestalten. Die Werke wurden fotografiert und zu einem Buch zusammengestellt.

Hör doch mal richtig hin!

Eine andere Übung ist der „Soundwalk“, bei dem sich die Mädchen und Jungen darauf konzentrieren, was sie mit den Ohren wahrnehmen können. Sie lauschen den Geräuschen und stellen zum Beispiel fest, dass man den lärmenden Rest der Familie tatsächlich ausblenden kann, indem man sich auf angenehmere Sachen konzentriert. Und sie lernen entspannt zu sitzen, in den eigenen Körper hineinzuhorchen und an richtig schöne Momente zu denken, die man erlebt hat.

Dabei geschieht im besten Fall das, was auch die Glückslehrerin glücklich macht, weil ihr Unterricht wirkt: „Die Kinder fangen an, von innen heraus zu lächeln.“ Das ist für Simone Kaiser-Gülicher ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sie in diesem Moment glücklich sind.

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