Soziales

Rheinhauser Paar wartet wochenlang auf sein Krankengeld

Petra Mahl mit der Akte, in der sie die Korrespondenz mit den Versorgungsträgern gesammelt hat.  Foto:

Petra Mahl mit der Akte, in der sie die Korrespondenz mit den Versorgungsträgern gesammelt hat. Foto:

Foto: Arnulf Stoffel / FUNKE Foto Services

Duisburg-Rheinhausen.  Petra Mahl aus Rheinhausen ist krankgeschrieben und erhielt keine Hilfe von der Krankenkasse. Fünf Wochen hatte sie Existenzängste.

Mit dieser Situation hätte Petra Mahl im Leben nicht gerechnet. Seit 11. Juni ist die 54-jährige Sachbearbeiterin wegen einer Meniskusverletzung krank geschrieben. Das übliche Martyrium bei Leiden des Bewegungsapparates: Man kann sich kaum rühren. Es dauert scheinbar ewig, bis man wieder arbeiten kann. Dass ihr Lebenspartner Jürgen Merl fast zeitgleich einen Unfall erlitt, ist übles Pech. Anfang Mai hatte er sich bei einem Sturz einen Schulterbruch zugezogen. Jetzt stand das Paar plötzlich mittellos da. Die Lohnfortzahlung ist überschritten, das Krankengeld ließ auf sich warten. Petra Mahl war fix und fertig. Sie konnte nicht mehr schlafen. Fünf Wochen der Existenzängste. Geholfen hat ihr niemand. Heute weiß sie: „So schnell kann man durch das soziale Netz fallen.“

Schlecht beraten und zwischen Versicherungsträgern hin und her geschoben

Petra Mahl ist 54, ihr Lebenspartner 57 Jahre alt. Beide sind berufstätig, beide gut versichert - dachten sie. Jetzt liegen sie mit der Techniker im Clinch. Mahl hat die Korrespondenz gesammelt. X-mal hat sie mit der Hotline der Krankenkasse telefoniert. Sie fühlt sich schlecht beraten und zwischen Versicherungsträgern hin und her geschoben.

„Bisher waren wir in der Annahme, dass wir in einem gut funktionierenden Sozialstaat leben und entsprechend abgesichert sind“, wundert sie sich. „Dies war ein Irrtum!“ Rücklagen schwanden dahin, zuletzt habe sie in ihrer Verzweiflung ihren Erbschmuck versetzt, schildert Petra Mahl. „Ich wusste nicht mehr, von welchem Geld ich einkaufen sollte.“ Nun hat sie sich an die Presse gewandt und dem Vorstandsvorsitzenden der Techniker einen Brief geschrieben. 15 Jahre ist sie dort versichert.

Als Mahl und ihr Partner länger als sechs Wochen krank waren, sollte die Unterstützung der Krankenkasse greifen. Seit 23. Juli hat Petra Mahl Anspruch auf Krankengeld. Wie üblich erhielt sie vorher ein Schreiben. Mahl rief bei der Hotline der Kasse an - am 25. Juli kam das Antragsformular, das sie gleich ausfüllte und online verschickte.

Auch der Arbeitgeber ist in der Pflicht

Vier Tage später fragte sie nach. Man teilte ihr mit, das Krankengeld könne nicht berechnet werden, da die Endgeldabrechnung des Arbeitgebers fehle. Petra Mahl war ratlos. Ihr Chef war in Urlaub und hat keine Vertretung, erklärte sie. „Ich habe angeboten, statt dessen meine letzten drei Verdienstabrechnungen zu schicken. Keine Chance.“ Der Arbeitgeber werde ja nach vier Wochen angemahnt, hieß es lapidar.

Ähnlich unkooperativ habe man sich im Fall ihres Lebensgefährten verhalten. Er erfuhr erst in der Reha, dass diese durch die Kasse nicht bezahlt wird. Hier ist der Rentenversicherungsträger in der Pflicht. Wieder Anrufe bei der Techniker. Petra Mahl räumt ein, am Telefon „etwas forscher“ geworden zu sein. Aber da war nicht nur dieses verletzende, mangelnde Interesse. „Informationen über mögliche Unterstützungen wurden mir nicht gegeben. E-Mails blieben unbeantwortet.“ In einigen Fällen wurde sie nicht mal nach ihrer Versicherungsnummer gefragt.

Zweimal wurde ihr bei der Hotline der Krankenkasse einfach der Hörer aufgeknallt

Zweimal knallte man ihr den Höhrer auf, berichtet sie. Und einmal teilte ihr eine Dame mit, sie doch solle froh sein, in Deutschland leben zu können, in Amerika gäbe es keine Absicherung. Petra Mahl ist von Haus aus eine höfliche Frau. Sie arbeitet selbst in der Dienstleistung: „Aber so eine Behandlung unseren Mitgliedsfirmen gegenüber würde ich mir im Traum nicht erlauben.“

„Die Zahlung wird immer individuell an ihre Situation angepasst“, heißt es auf der Homepage der Techniker zum Krankengeld. Andrea Hilberath als Unternehmenssprecherin verweist auf geltendes Recht. Gezahlt werde nun mal rückwirkend. Und inzwischen sei die Bescheinigung von Frau Mahls Arbeitgeber ja auch da, woraufhin man die Zahlung angewiesen habe. „Schneller geht es nicht.“ Und: Bei der 24-Stunden-Hotline handele es sich „natürlich“ um ausgebildete Mitarbeiter, die an Fachabteilungen weiterverbinden würden. Hier habe offenbar ein Wort das andere gegeben. Und für Probleme mit dem Rentenversicherungsträger könne man nichts. Der sei oft etwas schwerfällig. Aber zumindest räumt sie ein: „Frau Mahl hatte wohl Panik, dass sie und ihr Mann ohne Geld da stehen.“

Fünf Wochen war das Rheinhauser Paar ohne Bezüge

Petra Mahl ist immer noch sauer. Hier zeige sich die Servicewüste Deutschland. Nach fünf Wochen, die das Paar ohne Bezüge war, hat sie jetzt den ersten Abschlag Krankengeld erhalten - „Geld für eine Woche.“ Sie möchte nun öffentlich machen, „wie wir behandelt worden sind. Es kann nicht sein, dass man so lange ohne Einkommen dasteht und dass einem keiner hilft. Vor allem, wenn man 30 Jahre gearbeitet hat.“

Sie würde sich wünschen, dass Angelegenheiten der Krankheitsabsicherung an einer Stelle verwaltet werden. „Die Krankenkasse könnte sich das Geld ja vom Rentenversicherungsträger wiederholen. Dann gäbe es da schon mal kein Kuddelmuddel. Aber so ist der Versicherte immer der Gelackmeierte.“

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