Sprachcamp

Wie Duisburger Migrantenkinder in den Ferien Deutsch üben

150 Kinder mit Einwanderungsgeschichte feilen an ihrer Sprache – doch auch Spiele müssen sein.

150 Kinder mit Einwanderungsgeschichte feilen an ihrer Sprache – doch auch Spiele müssen sein.

Foto: Foto: Mara Tröger

Migrantenkids treffen sich in den Ferien in sechs Einrichtungen und feilen beim Sprachcamp an ihrem Deutsch. Dabei kommt eines nicht zu kurz.

In diesem einen Moment kommt der Regen den Kindern gerade recht. Als die Teilnehmer des Sprachcamps mitten auf dem Dellplatz eine riesige bunte Plane zwischen sich spannen und sie auf und ab schwingen lassen, wirbeln unzählige Regentropfen auf. Es sieht aus, als schwebten tausende kleine Kristalle über dem Tuch. Die Grundschüler jubeln. Seit einer Woche treffen sich die 150 Kinder aus Migrantenfamilien in den Herbstferien täglich in insgesamt sechs Einrichtungen in der Stadt und setzen sich mit der deutschen Sprache auseinander.

Das feucht fröhliche Spektakel stellt das Bergfest dar. Und ist eben auch wieder etwas mehr als nur Spaß. Das Benutzen der Deutschen Sprache steht auch bei der bunten „Regenschlacht“ im Mittelpunkt. Kaum ist das Tuch gespannt, sollen alle Kinder unter das Tuch rennen, die gerne Fußball schauen, dann die, die schon mal im Stadion waren. Es geht bei der Übung ums Hörverstehen. „Viele der Kinder sprechen zu Hause nicht vorrangig Deutsch“, erklärt Uwe Bauer vom Jugendamt. „In den Herbstferien kann es daher sein, dass die Kinder zwei Wochen kein Deutsch sprechen. Bei dem Camp soll der Gebrauch der Sprache beibehalten und das Sprechen sowie das Verstehen verbessert werden.“

Sprachcamp: Duisburger Schulen haben Kinder empfohlen

Schulen hatten im Vorfeld Kinder aus den zweiten bis vierten Klassen empfohlen, die hin und wieder Probleme mit der Sprache haben. Doch man merkt den Schülern an: Die Deutsche Sprache beherrschen sie ganz gut. Sie unterhalten sich wie selbstverständlich untereinander auf Deutsch, folgen allen Kommandos problemlos. „Bei vielen geht es hauptsächlich darum, die sprachlichen Fähigkeiten beizubehalten“, erklärt Bauer. Und zwar spielerisch. Für die meisten fühlt sich die Ferienfreizeit sicher nicht wie ein Sprachcamp an, sondern ist ein großer Spaß. Das soll es auch sein. „Die Kinder sollen zwanglos lernen“, sagt Bauer.

Zum Beispiel im Kino. Nach dem Spektakel im Regen, schauen sie sich einen Kinderfilm im Filmforum an.

Neben Spiel, Spaß stehen in dem Camp Themen wie Ernährung und Sozialkompetenz an

In der ersten Woche des Camps haben sich die Kinder unter anderem als Schauspieler, Rapper und Tänzer versucht. Zaid (10) hatte jedenfalls mächtig Spaß. Beim Stopp-Tanz war es wirklich sehr lustig“, sagt er. „Außerdem haben wir viel laut vorgelesen. Ich durfte sogar jüngeren Kindern eine Geschichte vorlesen“, sagt er stolz. Kumpel Kerem (7) fand es super, in Büchern zu stöbern. „Wir haben verschiedene Kinderbücher lesen dürfen. Wir waren dafür in der Bücherei. Das war toll“, sagt er.

Neben Spiel, Spaß und vor allem Sprache, stehen in dem Camp von Jahr zu Jahr auch Themen wie Ernährung und Sozialkompetenz auf dem Programm. „Die Kinder essen und kochen zusammen. Gesunde Ernährung wird in den zwei Wochen groß geschrieben“, sagt Uwe Bauer. „Außerdem ist das Miteinander wichtig. Die Kinder lernen, nett und aufmerksam miteinander umzugehen“, sagt Bauer. So könne etwa in Rollenspielen geübt werden, wie man sich richtig und respektvoll verhält.

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