Mediennutzung

Wie WhatsApp Duisburger Schulen und Eltern umtreibt

Die meisten Tipps probieren die Schüler und Eltern beim Whatsapp-Vortrag in der Sekundarschule am Biegerpark gleich an ihren eigenen Smartphones aus.

Die meisten Tipps probieren die Schüler und Eltern beim Whatsapp-Vortrag in der Sekundarschule am Biegerpark gleich an ihren eigenen Smartphones aus.

Foto: Tanja Pickartz / FUNKE Foto Services

Duisburg.  In der Sekundarschule am Biegerpark erklärte Dirk Schuchardt, wie Schüler und Eltern Whatsapp nutzen sollten. Das MMG beklagt Regelverstöße.

Brandaktuell ist der Vortrag von Dirk Schuchardt, Vorsitzender des Fördervereins der Sekundarschule am Biegerpark, am Dienstag sowieso: Es geht um die Mediennutzung junger Schüler, insbesondere um den Messengerdienst WhatsApp. Just an diesem Tag gewinnt das Thema aber noch zusätzliche Brisanz, das benachbarte Mannesmann-Gymnasium hat nämlich einen Elternbrief an alle Familien geschickt.

„Schwerwiegende Regelverstöße“ am Mannesmann-Gymnasium

„Bereits in den ersten Wochen des Schuljahres wurden wieder schwerwiegende Regelverstöße festgestellt“, heißt es in dem Brief, den neben Schulleiter Dr. Stefan Zeyer und dem Schulpflegschaftsvorsitzenden Gregor Nachtwey auch drei Stufenleiter unterschrieben haben.

Die Nutzung von Messenger-Diensten, insbesondere von WhatsApp, sei „am MMG seit Jahren immer wieder Gegenstand der kritischen Auseinandersetzung zwischen Lehrern, Eltern und Schülern. Leider stellt sich hier kein erkennbarer Erfolg ein.“ Konkrete Vergehen werden im Brief aber nicht genannt. Allerdings weisen die Verfasser mit Nachdruck darauf hin, „dass im Speziellen die Verbreitung pornografischer, rassistischer und verfassungsfeindlicher Inhalte zu strafrechtlichen Konsequenzen führen kann“.

In WhatsApp-Gruppenchats bitte nicht bedanken

In der Sekundarschule am Biegerpark führte Dirk Schuchardt in seinem ebenso kurzweiligen wie informativen Vortrag seinen wenigen Zuhörern zunächst vor Augen, wie viel Platz Whatsapp im Leben der meisten Menschen einnimmt. „Ich habe 44.000 Nachrichten verschickt“, zeigt Schuchardt über eine Funktion in der App, und im Plenum erklingt erschrecktes Stöhnen, als die Teilnehmer ihre eigene Statistik einsehen.

Eine ganze Menge Zeit wird also auf das hin- und herschreiben verwendet, auch in der Schule. Dabei, so Schuchardt, müsste das Handy per Schulordnung in der Schulzeit eigentlich aus sein, auch in Pausen und auf Klassenfahrten. Dass das natürlich eine utopische Vorstellung im Jahre 2019 ist, ist den Zuhörern klar.

„Aber als Elternteil kann man da eingreifen“, weiß Schuchardt. Sowohl bei iOS als auch bei Android können Sperrzeiten eingerichtet werden, in denen niemand außer den eingestellten Favoriten mit dem Kind Kontakt aufnehmen kann. „Die Favoriten sind Mama und Papa, Punkt“, ergänzt Schuchardt. „Und bitte, bedanken sie sich nicht in Gruppenchats, niemand will 25 Mal das Wort ‘Danke’ lesen.“

Bei der Kommunikation mit dem Lehrer ist Distanz geboten

Auch die Whatsapp-Kommunikation zwischen Lehrern und Eltern ist heute nichts ungewöhnliches mehr. Zu diesem heiklen Thema hat Dirk Schuchardt gleich eine ganze Menge Tipps: Lehrer sollten die Funktion „Broadcast“ nutzen anstatt in Gruppen zu schreiben, außerdem sollten Lehrer und Eltern gleichermaßen ihre Statuseinstellungen blockieren. Die nötigen Einstellungen gibt es direkt bei Whatsapp.

Damit landet Schuchardt dann bei einem der heikelsten Themen des Abends, dem Verbreiten von, im besten Fall, fragwürdigen Inhalten. „Erklären Sie ihren Kindern, dass jeder ihren Status oder ihre Profilbilder abfotografieren kann“, betont Schuchardt, „und was einmal im Internet ist, bleibt für immer da.“ Gerade wenn junge Menschen beginnen, ihren Körper zu entdecken, können unbedachte Handyfotos schnell zur Katastrophe führen.

Viele kleine Sicherheitsmaßnahmen können Schlimmeres verhindern

Eltern haben durchaus Möglichkeiten, ihre Kinder in der digitalen Welt zu unterstützen, die wichtigste bleibt aber die Aufklärung. „Sie können zum Beispiel auf dem Computer die Chats Ihrer Kinder lesen, aber machen Sie das bitte nicht heimlich“, erklärt Schuchardt. Außerdem helfe ein „Mediennutzungsvertrag“, den es im Internet vorgefertigt gibt.

Auf der Seite mimikama.at können Eltern und Kinder überprüfen, welche Datenkraken, Kettenbriefe und Spams gerade unterwegs sind. Noch viele Tipps mehr gibt Schuchardt am Dienstagabend und blickt auch zum Mannesmann-Gymnasium hinüber. „Wenn die wollen, biete ich den Vortrag da auch nochmal an.“

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